Posts mit dem Label Messe werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Messe werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 21. Juli 2014

Politiker-Geschwätz oder echte Auseinandersetzung?

Am vergangenen Freitag hat die Deutsche Bischofskonferenz die statistischen Eckdaten für das Jahr 2013 veröffentlicht. Sowohl die innerkirchliche als auch die allgemein-mediale Kommentierung dieser Statistik hebt fast ausschließlich auf die Entwicklung der Kirchenaustritte ab, die von 118.335 im Jahr 2012 auf 178.805 gestiegen sind.

Die Fixierung auf die Zahl der Kirchenaustritte als Gradmesser für die Lage der katholischen Kirche in Deutschland trägt dabei absurde Züge: Von den nominell 24,3 Millionen Katholiken in Deutschland haben im vergangenen Jahr 0,73 % ihren Austritt aus der Gemeinschaft der Kirchensteuerzahler erklärt. Das sind  0,24% mehr als im Vorjahr. Ähnliche Ausschläge (wir sprechen über den Promillebereich!) entstanden z.B. im Jahr 1992 als Reaktion auf die Einführung des Solidaritätszuschlags, einem von kirchlichen Entwicklungen völlig unabhängigen Faktor.

Mittwoch, 12. Oktober 2011

Die Piusbrüder und die Messe

Während die Oberen der Piusbruderschaft sich erneut mit dem Studium der doktrinellen Erklärung beschäftigen, die Ihnen der Hl. Stuhl zur Unterschrift vorgelegt hat, habe ich einen Vorschlag, wie man schnell für Klarheit in den Gesprächen mit Rom sorgen könnte.

Hierzu müsste die Bruderschaft nur eine Seite ihrer deutschen Website ausdrucken und Kardinal Levada übersenden. Dort findet man nter dem Titel "Die Haltung der Priesterbruderschaft zur Frage der Neuen Messe" z.B. folgende Nettigkeiten:
Auch wenn die neue Messe gültig sein kann, so kann sie doch objektiv nicht gottwohlgefällig sein, da sie eine ökumenische, protestantisierende Messe ist. Sie stellt eine Gefahr für den Glauben an das katholische Messopfer dar und ist daher abzulehnen. 
Aufgemerkt: Die neue Messe, also diejenige Messe, die der Hl. Vater und Kardinal Levada JEDEN TAG feiern, ist objektiv Gott nicht wohlgefällig. Das bedeutet also, dass der Hl. Vater JEDEN TAG, wenn er an den Altar tritt und sein Priestertum vollzieht, etwas objektiv Gott nicht wohlgefälliges tut. Das gleiche gilt für (fast) alle Messen auf der ganzen Welt. 

Man weiss es ja nicht genau, aber nehmen wir einmal an, die Hl. Messe, die der Hl. Vater heute gefeiert hat, sei gültig gewesen. Dann ist nach Lehre der Piusbrüder folgendes geschehen: Auf dem Altar ist das Kreuzesopfer seines Sohnes vergegenwärtigt worden, ganz objektiv (ex opere operato), aber Gott hatte daran kein Wohlgefallen. Für die einen ist es nur Schwachsinn, für die anderen "wahre Theologie" ...

Es geht weiter:
Für die neue Messe gelten ähnliche Regeln wie für den Besuch nichtkatholischer Gottesdienste. Man darf bei ihnen aus familiären oder beruflichen Gründen anwesend sein, verhält sich dann aber passiv und geht vor allem nicht zur Kommunion.
Wäre ich heute morgen zufällig in Rom gewesen, hätte ich an der eventuell gültigen Messe, die der Hl. Vater feiert, nur teilnehmen dürfen, wenn ich dafür familiäre oder berufliche Gründe gehabt hätte, also etwa meine verrückte Tante beaufsichtigen musste, die unbedingt in diese Messe wollte oder als Fotograf den Auftrag hatte, den Hl. Vater bei der Zelebration abzulichten. Auf jeden Fall hätte ich mich weit hinten an einen Pfeiler gelehnt, kein Gebet gesprochen und wäre nicht zur Kommunion gegangen. Man beachte, dass diese auch nicht, wie sonst bei der FSSPX üblich das Adjektiv "Hl." trägt. Es handelt sich zwar eventuell um die objektive Aufnahme des objektiven Leibes Christi - aber das macht eine solche Neumess-Kommunion natürlich noch lange nicht heilig!

Und weil die Piusbrüder schon dabei sind, erklären sie auch gleich noch, wann man dem 3. Gebot zu folgen hat und wann nicht:
Wer keine Gelegenheit hat, die tridentinische Messe jeden Sonntag zu besuchen, ist von der Erfüllung des sonntäglichen Meßbesuchs entschuldigt, denn dieses Gebot verpflichtet nur zum Besuch der wahren katholischen Messe.
Eine Neue Messe kann also ggfs. gültig sein, es wird also objektiv der Herr Jesus Christus, der die Wahrheit selbst ist, dort gegenwärtig, aber das macht diese Veranstaltung noch lange nicht zu einer "wahren katholischen Messe".

Noch Fragen?

Montag, 13. Juni 2011

Die Messe und das Beten

In der Einleitung zu Romano Guardinis "Vom Geist der Liturgie" schreibt Ildefons Herwegen, der Abt von Maria Laach:
Die Kirche steht ruhig und sicher inmitten der argen Welt. Was gibt ihr die Kraft zum Stehen? Sie betet.
Die Welt liegt im Argen - damals (am Ende des 1. Weltkriegs), heute, immer schon und auch in Zukunft. Die Kirche steht innerhalb dieser Welt und wirkt in sie hinein durch Verkündigung, Zeugnis und tätige Nächstenliebe. Aber ihr eigentliches Wesen ist das Gebet, denn in diesem ist sie mit ihrem Ursprung und ihrer Kraftquelle verbunden. Noch einmal Ildefons Herwegen:
Das Gebet der Kirche stellt beständige Verbindung mit der Ewigkeit her.
Das Gebet ist dabei mehrstufig: es gibt das Gebet des Einzelnen, das "private Gebet" in Gemeinschaft (der ganze Bereich der Volksfrömmigkeit) und schließlich das eigentliche Gebet der Kirche, die Liturgie.   Auch dieses ist polyphon: Neben der Feier der Sakramente und ganz besonders der Messe steht das Stundengebet, das eben nicht "privates" Gebet ist, sondern geordneter, öffentlicher Kult der Kirche. Wenn das II. Vatikanische Konzil die Liturgie den Höhepunkt nennt, dem alles Tun der Kirche entgegenstrebt und zugleich die Quelle, aus der all' ihre Kraft strömt, dann ist damit nicht nur die Messe gemeint, sondern auch die Liturgia Horarum. Und es gehört zu den großen Verdiensten von "Sacrosanctum Concilium", das immerwährende, öffentliche Gebet der Kirche wieder zu einem Anliegen aller Getauften gemacht und es aus der Engführung einer Verpflichtung der Kleriker herausgeführt zu haben. Auch das freilich ist - wie so manches in diesem Konzilsdokument - ein weitgehend noch uneingelöstes Versprechen.

Das Gebet ist das Wesentliche der Kirche - dies ist der Grund, warum Sätze der Art "die Messe ist das Wesentliche" meinen Widerspruch hervorrufen. Weil sie selbst wieder eine Engführung sind. Damit ist nicht in Frage gestellt, dass die Messe innerhalb der Liturgie der Kirche eine besondere Stellung einnimmt. Aber auch das kann sie nur, wenn sie im Wesentlichen Gebet ist. Man könnte es so zuspitzen: Die Frage, ob eine Messe wahrhaft Gebet ist (Gebet des Priesters und Gebet der Gläubigen), entscheidet (jenseits des "ex opere operato") über ihren Wert. Und dieses Kriterium steht über allen anderen Aspekten, es gilt für die Alte und für die Neue Messe, für das Choral-Hochamt und für den NGL-Gottesdienst. Es allein auch macht sie "würdig". 


Freitag, 3. Juni 2011

Martin Mosebach und die theologische Bildung

Der Kommentar von Tiberius zu meinem vorherigen Posting hat mich veranlasst, den Beitrag von Alexander Kissler noch einmal sehr sorgfältig zu lesen. Meine Verärgerung über die pauschale Verurteilung "engagierter Laien" als "halbgebildet" ist dadurch eher gewachsen, denn es handelt sich um einen klassischen Fall von "Wer im Glashaus sitzt soll nicht mit Steinen werfen". Wobei sich meine Kritik nicht gegen Kissler, sondern die von ihm berichteten Aussagen von Martin Mosebach richtet.
Das aber, beschied der Dichter den Diskutanten, sei ein Zerrbild des 19. Jahrhunderts. Im Kult, nicht in der Gemeinschaft werde Christus gegenwärtig.
Christus ist nicht im "Kult" real gegenwärtig, sondern im Sakrament. Es gibt keinen Grund, diese sakramentale Gegenwart gegen die allgemeine Zusage seiner bleibenden Gegenwart in der Kirche ("Wo zwei oder drei ...") auszuspielen - weder von der einen, noch von der anderen Seite.
Die Messe sei keine Vergegenwärtigung des Abendmahls, sondern „Phase“, Vorübergang Gottes. Die erste Messe überhaupt habe nicht im Abendmahlssaal, sondern auf Golgatha stattgefunden. 
Nach der Lehre des Konzils von Trient wird das Kreuzesopfer Christi im Meßopfer "sakramental dargestellt, das Gedächtnis desselben begangen und die Heilskraft desselbe zugewendet". Auf diese dreifache Weise ist das Meßopfer auf das Kreuzesopfer (die eine und einzige, nicht wiederholbare Erlösungstat!) bezogen. Das Kreuzesopfer selbst als "Messe" zu bezeichnen, ist im wahrsten Sinne des Wortes "Unsinn".

Auch die Zuspitzung der Bedeutung der Messe ist letztlich ein theologisch ungedeckter Scheck. Ist nicht die Taufe das einzig absolut heilsnotwenige Sakrament? Wird aus der Eucharistie ohne das Bußsakrament nicht ein Fluch, mit dem wir uns das Gericht essen und trinken? Wenn man die Frage "Was ist das Wichtigste?" schon stellen will, dann wird die Antwort wohl lauten: Das Wichtigste in der Kirche ist der Herr selbst, dem wir für seine Heilstaten feiernd danken (Liturgia), für dessen Herrschaft wir mit unserem Leben Zeugnis geben (Martyria) und dessen Liebe wir anderen zuwenden (Diakonia).

Theologische Bildung besteht darin, sich den überlieferten Glauben der Kirche wirklich anzueignen - ein mühsames Unterfangen, das durch guten Willen (und sei er noch so traditionalistisch) nicht wettzumachen ist. Ihn durch mehr oder weniger gut klingende eigene Sentenzen zu ersetzen, nennt man klassischerweise "Modernismus" ...