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Montag, 24. November 2014

Papa Emeritus oder einfach wieder Kardinal?

Zwei Männer "ganz in weiß" sind einer zuviel ...
Der Bloggerkollege Sophophilo hatte vor kurzem schon alles Notwendige zu dem Hype um die Änderungen, die Papst Benedikt XVI. im Rahmen des Erscheines seiner "Gesammelten Werke" an einem Text von Joseph Ratzinger aus dem Jahre 1972 vorgenommen hat, geschrieben. Alles Notwendige? Anscheinend doch nicht, denn Hubert Wolff hat es für richtig erachtet, das Thema in einem Beitrag für die FAZ noch einmal aufzugreifen und es zum Anlass zu nehmen, seine Gedanken über den Status des "Papa Emeritus" zu formulieren.


Donnerstag, 23. Februar 2012

Sehr nett ;-)

Schlagfertig muss man sein:
Unter dem Applaus der Anwesenden in der Audienzhalle Paul VI. führte Kardinal Dolan seine Mutter Shirley hinauf zum Podium des Papstes und stellte sie vor: „Heiliger Vater, hier ist meine Mutter!“ Dann fragte er, ob der Papst sie nun zur “First Lady” des Kardinalskollegiums machen könne. Schließlich sei er, Dolan, einer der wenigen im Kollegium, der jung genug sei, um eine noch lebende Mutter zu haben. 
Dann habe der Papst, wie Dolan berichtet, seiner Mutter gesagt: “Sie sehen zu jung aus, um die Mutter eines Kardinals zu sein.“ Sofort habe seine Mutter geantwortet: „Heiliger Vater, war das eine unfehlbare Aussage?“

Ganze Geschichte hier auf kath.net ...

Mittwoch, 5. Oktober 2011

Benedikt und die Piusbrüder

Wie nicht anders zu erwarten, sickern die ersten Details der "Präambel" durch, die der Vatikan der Piusbruderschaft als Voraussetzung für eine Wiedereingliederung zur Unterschrift vorgelegt hat (z.B. hier).


Mittwoch, 1. Juni 2011

Der Papst und ... Theodor

Da ich davon ausgehen muss, dass das Erzbistum Freiburg mich nicht um einen Beitrag zur Reihe "Der Papst und ich" bitten wird (siehe hier), mir die Idee aber sehr gut gefällt, schreite ich hier einfach mal ganz unaufgefordert zur Tat:

Mitte/Ende der Neunziger Jahre, Regensburg, Studentenwohnheim der Passionisten

Im Rahmen der Arbeit an meiner Dissertation hätte ich zu gerne einmal mit Kardinal Ratzinger gesprochen - aber wie? Ein guter Freund gibt mir den entscheidenden Tipp: der Präfekt der Glaubenskongregation verbringt seinen Urlaub im Haus seiner Eltern bei Regensburg und liest in dieser Zeit jeden Morgen die Messe in der Kapelle eines in der Nähe gelegenen Studentenwohnheims. Anschließend bleibt er dort zum Frühstück und wenn man den Pater Heimleiter nett fragt, dann ... Ein kurzer Anruf - und einige Wochen später nehme ich morgens an besagter Messe teil, die denkbar schlicht und 100% "konziliar" abläuft: 2. Hochgebet, der Heimleiter konzelebriert. Bei der Kommunion dann ein fast traumatisches Erlebnis: der Präfekt drückt mir die Hostie routiniert in die eigentlich geschlossenen Hände und ich bin so verdattert, dass ich mich nicht wehren kann - die erste und einzige Handkommunion seit vielen Jahren (und bis heute).

Anschließend Frühstück unter zunächst sechs, dann vier Augen. Nachdem ich meine wissenschaftlichen Fragen besprochen habe, unterhalten wir uns über dieses und jenes. Mit Erstaunen stelle ich fest, dass der Kardinal aus dem fernen Rom die deutsche akademische Landschaft bis ins dritte Glied kennt: Namen, Veröffentlichungen, Karriereschritte - Kürschners Deutscher Gelehrtenkalender ist nichts dagegen! Über einen Professor der Münchner Theologischen Fakultät erkundigt er sich ziemlich ausführlich - einige Jahre später wird er Bischof von Regensburg. Ein Satz zur Kirchenpolitik ist mir in Erinnerung geblieben: "Ach ja, München. Wissen Sie, wir sind ja schon froh, wenn unsere Briefe den Hochwürdigsten Herrn Kardinal überhaupt persönlich erreichen ..." - uups!

Mein Gesamteindruck: ein bescheidener, zurückhaltender, fast schüchterner Mann, der mit dem landläufigen Zerrbild des Großinquisitors rein gar nichts zu tun hat. Besonders angenehm ist der feine Humor, der nur ganz gelegentlich einen leichten Zug ins Spöttische hat.

Ein Jahr später wiederholt sich das Ganze. Ein schönes Gefühl: same procedure as last year - nur bei der Kommunion bin ich diesmal auf der Hut ;-)

19. April 2005, Dortmund, ein Hotelzimmer

Nach gewissen Anzeichen im Autoradio schalte ich im Hotel sofort den Fernseher ein und komme gerade rechtzeitig:
Eminentissimum ac Reverendissimum Dominum, Dominum Josephum (Gänsehaut - kann das sein???), Sanctae Romanae Ecclesiae Cardinalem Ratzzzinger (Wahnsinn!), qui sibi nomen imposuit Benedictum XVI. (geht im Jubel unter)
Nach einigen Stunden weicht die "Wir sind Papst"-Begeisterung (und auch das eitle "Ich habe mit dem Papst gefrühstückt"-Gefühl) einer gewissen Nachdenklichkeit. Sein Vorgänger (MEIN Papst Johannes Paul) hat riesengroße Schuhe zurückgelassen - wie wird Benedikt XVI. darin wohl laufen können? Wie werden vor allem jüngere Menschen mit dem Kontrast umgehen können; hier der charismatische Karol Wojtila, der mit dem Amt und seinen Insignien so souverän, ja fast lässig umgegangen ist - und dort nun der schüchterne, fast etwas linkisch wirkende Professor aus Deutschland. Schon wenige Tage später bei der Amtseinführung die erste "Entwarnung" - auch dieser Papst weiss, wie man das Herz der Menschen erreicht: "Habt keine Angst vor Christus! Er nimmt nichts und er gibt alles." Spätestens beim Weltjugendtag in Köln wird es dann ganz deutlich; Benedikt XVI. hat seine ganz eigene Art, gerade auch die jungen Menschen anzusprechen.

10. September 2006, München-Riem

Wir sind mitten in der Nacht aufgestanden, auf langen Wegen zum alten Flughafengelände gelaufen, stehen nun in der Menschenmenge und warten auf die Ankunft des Papstes. Als das weiße Papamobil vorbeifährt, bin ich sehr berührt - dem Gefühl, dass der Mann in der weißen Soutane "einer von uns" ist, kann man sich nur schwer entziehen. Nur das "Benedetto"-Geschrei der Ministrantengruppe neben uns geht mir ein wenig auf die Nerven - zumal die Jungs dann später während der Messe ziemlich unbeteiligt ihre Wurstbrote vertilgen. Der "Papst aus Bayern" hat in den knapp eineinhalb Jahren seit seiner Wahl seinen eigenen Stil entwickelt; vieles zwei Nummern kleiner als bei seinem Vorgänger - aber echt. Ich kann gut damit leben.

Das Pontifikat von Josef Ratzinger war und ist mit vielen Erwartungen verbunden - gerade bei traditionsverbundenen Katholiken, gerade in Deutschland. Das galt und gilt auch für mich. Und so habe ich in den ersten Jahren die eine oder andere "Maßnahme" und "Klärung" erhofft und war ein wenig enttäuscht, wenn sich "nichts getan hat". Es hat ein wenig gedauert, bis mir klar geworden ist, dass Benedikt XVI. trotz seines fortgeschrittenen Alters in vielem "auf Zeit spielt". Er will überzeugen und das geht nun einmal nicht mit der Brechstange.

Mittlerweile bin ich einfach nur froh und glücklich, dass im Vatikan ein so bescheidener und kluger Mann regiert, der weise genug ist, die Welt und die Kirche nicht im Hauruck-Verfahren ändern zu wollen. Der sich seine Kräfte einteilt und alles, was darüber hinaus liegt, dem Herrgott überlässt. Der, wo er geht und steht, das Evangelium auslegt, weil nur aus der Erneuerung des Glaubens eine neue Lebendigkeit der Kirche entstehen kann. Und so lässt sich das Verhältnis "Der Papst und Theodor" auf eine einfache Formel bringen:

Ad multos annos, Papa Benedetto!

Dienstag, 31. Mai 2011

Benedikt XVI. ist ein Mann der kleinen Schritte ...

... aber diese Schritte werden offensichtlich wahrgenommen. So interpretiert der Vatikan-Korrespondent des Wall Street Journal, Francis X. Rocca, die Anweisung der Bischöfe von England und Wales, den Fleischverzicht am Freitag für Katholiken wieder verbindlich zu machen, als Teil einer Gesamtbewegung:

"In the half century since Vatican II, the Catholic Church has de-emphasized many of the traditional outward signs of its distinctive character, a process that has coincided with a decline in such expressions of commitment as Mass attendance and vocations to the priesthood and religious orders. The growing emphasis on Catholic identity today represents an effort to counteract both trends".
 Man darf gespannt sein, ob und wann bei den deutschen Bischöfen die Einsicht reift, dass die Präsenz unserer Religion als gestaltende Kraft in der Gesellschaft an solchen Zeichen hängt - mehr vielleicht als an Sonntagsreden über den "christlichen Werte-Horizont".

Samstag, 28. Mai 2011

Ritus, Usus, etc.

In diesem Beitrag hatte Elsa gefragt, was der Bonner Liturgiewissenschaftler Albert Gerhards wohl mit der Aussage gemeint habe könnte, es sei eine unerhörte Novität in der Kirchengeschichte, dass nun zwei ganz unterschiedliche Gottesdienstformen mit unterschiedlichen Traditionen quasi gleichberechtigt nebeneinander stünden.

Gerhards Frage hat einen nachvollziehbaren Hintergrund. Der römsiche Ritus versteht sich seit jeher als ein Ritus, das bedeutet: es gibt ein Missale Romanum und nicht mehrere nebeneinander. Hier hilft auch der Verweis auf die verschiedenen Riten innerhalb der lateinischen Kirche, etwa den ambrosianischen oder den mozarabischen, nicht weiter. Denn dies sind eben eigene Riten, die neben dem römischen Ritus stehen, keine Varianten desselben. Daher musste Papst Benedikt in "Summorum Pontificum" ja auch zu einer neuen Begrifflichkeit, eben dem alten, ausserordentlichen und dem neuen, ordentlichen "Usus", greifen. Wirklich überzeugend ist die dahinter stehende These, dass es sich beim alten und neuen Messbuch um zwei unterschiedliche Ausprägungen des einen römischen Ritus handele, allerdings nicht. Wäre das nämlich richtig, hätte niemand das Recht Pauls VI. bestreiten können, die alte Ausprägung ausser Kraft zu setzen, genauso, wie dies Pius V. nach Abschluss der tridentinischen Reform getan hat. Und es gäbe auch keinen legitimen Grund, diesem Reformakt den Gehorsam zu verweigern.

So oder so ähnlich hätte Gerhards argumentieren können. Stattdessen spricht er aus, was in dieser Deutlichkeit sonst nur die Pius-Bruderschaft sagt: dass der neue Ritus eine ganz unterschiedliche Gottesdienstform sei und auch nicht mehr in der Tradition der "Alten Messe" stehe. So treffen sich hier - nicht ganz unerwartet - die Extreme. Und sie treffen mit sehr unterschiedlicher Absicht auch die "Hilfskonstruktion", zu der Benedikt in "Summorum Pontificum" Zuflucht genommen hat. Das desavouiert aber keineswegs die gute und richtige Absicht des Hl. Vaters: den Bruch zu kitten, der im Zuge der Liturgiereform faktisch entstanden ist. Er setzt dabei auf die eher "pädagogischen Effekte", die aus der Weiterexistenz des usus extraordinarius resultieren sollen. Dies ist nachvollziehbar, solange man die Problematik der neuen Liturgie ausschließlich an weit verbreiteten Missbräuchen festmacht. Ob man aber wirklich sagen kann, dass eine Messe nach dem usus ordinarius unter Ausnutzung aller legalen Wahlmöglichkeiten nur eine andere Ausprägung der vorkonziliaren römischen Tradition darstellt?