Den folgenden Beitrag hat kath.net am Wochenende freundlicherweise übernommen:
Man muss kein Fan von Uli Hoeneß sein, um die Geschwindigkeit zu bewundern, mit der dieser „gewöhnliche Kriminelle“ (SPIEGEL) durch den Verzicht auf alle Ämter und die mögliche Revision in gewisser Weise die Hoheit über sein Leben zurückgewonnen hat. Er konnte nicht verhindern, über Monate hinweg das Objekt der öffentlichen Diskussion zu sein, aber er hat die erste mögliche Ausfahrt genommen, um wieder Subjekt zu sein. Für einige Jahre ein Mensch am unteren Ende der sozialen Leiter, aber eben eine selbstbestimmte und –verantwortliche Person mit „Anstand, Haltung und persönlicher Verantwortung“, wie er in seiner Presseerklärung schreibt.
Montag, 17. März 2014
Freitag, 7. Februar 2014
Nun also der Ausverkauf
Der folgende Beitrag ist heute auf kath.net erschienen:
Die Anzeichen haben sich seit einiger Zeit verdichtet, nun wird es offensichtlich: zumindest Teile des deutschen Episkopats haben keine Lust mehr, mit dem Glauben der Kirche gegen den Strom der Welt zu schwimmen.
Nicht mehr „zeitgemäß“ ist es für den Trierer Bischof Ackermann, eine neue Ehe nach einer Scheidung als andauernde Todsünde zu bezeichnen. Ebenso verhalte es sich mit praktizierter Homosexualität und vorehelichen Beziehungen. Um das Bild abzurunden, kommt ihm natürlich auch die Unterscheidung zwischen künstlicher und natürlicher Familienplanung „irgendwie“ künstlich vor.
Eines muss man dem Bischof freilich zugute halten: er scheint realisiert zu haben, dass die Zulassung wiederverheirateter Geschiedener zu den Sakramenten nicht machbar ist, ohne die katholische Ehelehre und damit die Sexualmoral in toto aus den Angeln zu heben. Das ist immerhin ehrlicher als die theologisch hilflosen Beteuerungen vieler seiner Amtsbrüder (darunter auch des scheidenden Vorsitzenden der DBK), das eine (die Zulassung zu den Sakramenten) ginge mit dem anderen (dem Festhalten an der Unauflöslichkeit der Ehe) zusammen. Bereits unmittelbar nach dem Erscheinen der Freiburger Handreichung hatte ein Kirchenrechtler freudig festgestellt, dass durch dieses Dokument erstmals sexuelle Beziehungen außerhalb einer gültigen Ehe moralisch legitimiert würden.
Die Äußerungen von Bischof Ackermann fallen zusammen mit der Präsentation der deutschen Antworten auf die Fragebögen, die der Vatikan zur Vorbereitung der Bischofssynode weltweit verschickt hat. Dieses Dokument zeichnet sich durch zwei charakteristische Eigenschaften aus: zum einen die „schonungslose“ Beschreibung des Ist-Zustandes (man könnte ihn etwas alltagssprachlich auf die Formel bringen: „Kein Schwein hält sich an die katholische Ehelehre“) und die vollständige Abwesenheit von Selbstkritik. Durchgängig beschreibt das Papier die entsprechenden Bestandteile des kirchensteuer-finanzierten Pastoral-Klapparatismus als vorbildlich. Die Frage, ob z.B. die Jugendpastoral so vorbildlich sein kann, wenn man gleichzeitig eingestehen muss, dass praktisch kein Paar, das vor den Traualtar tritt, vorher nicht „ad experimentum“ zusammengelebt hat, kommt den Verfassern nicht einmal in den Sinn. Stattdessen wird die normative Kraft des Faktischen beschworen.
Gleichzeitig wird verschwiegen, dass es – gerade auch unter Jugendlichen – Gruppen und Bewegungen gibt, die die katholische Ehelehre und die sich daraus ergebende Sexualmoral sehr wohl ernstnehmen. Mit den Zahlen, die man in diesem Bereich zusammenbekommt, kann man freilich nicht mehr in Volkskirche machen und das scheint ja das einzig noch geltende Dogma im deutschen Katholizismus zu sein: sich die eigene gesellschaftliche Marginalität nicht eingestehen zu wollen.
Also geht man nun tapfer den anderen Weg: „Wir können die katholische Lehre nicht völlig ändern, aber Kriterien erarbeiten, anhand derer wir sagen: In diesem und diesem konkreten Fall ist es verantwortbar“. An diesem Satz von Bischof Ackermann ist alles falsch: Die Sicht auf die kirchliche Lehre als etwas, was man (jeder hört das „leider“) nicht völlig ändern kann – als sei diese Lehre nach der übereinstimmenden Meinung des 2. Vatikanischen Konzils und des nachkonziliaren Lehramtes nicht ein Schatz. Ebenso aber auch die Vorstellung, mit einer neuen Art von Kasuistik könne das Grundproblem beseitigt werden. Dieses besteht aus der Sicht der Welt schlicht darin, dass man – jenseits von wenigen noch bestehenden Tabus – nicht mehr bereit ist, die Sexualität überhaupt als einen Ort möglicher Sünde zu sehen.
Von daher läuft auch Ackermanns Grundprämisse – „wir müssen das Verantwortungsbewusstsein der Menschen stärken, ihre Gewissensentscheidungen dann aber auch respektieren“ – ins Leere. „Die Menschen“ lehnen es im Bereich der Sexualität weitgehend ab, eine Instanz zu akzeptieren, vor der sie ihre konkreten Handlungsweisen und die daraus resultierenden Lebenssituationen rechtfertigen müssen. Dies ganz abgesehen von der Tatsache, dass man für die Worthülsen „Verantwortungsbewusstsein“ und „Gewissensentscheidung“ gerne einmal Fundstellen im Neuen Testament genannt bekäme – die Sprache Jesu ist das offensichtlich nicht. Der Herr ist barmherzig und klar zugleich: „Geh hin und sündige nicht mehr“.
Will man die Gedankengänge der Bischöfe verstehen, bietet sich als Interpretationsmuster die Vorstellung an, man gebe nun Randbereiche der Lehre auf, um den Kern zu retten. Doch was ist dieser Kern im Blick auf die Lebenspraxis der Menschen? Den sonntäglichen Gottesdienst besuchen kaum mehr als 10% der Katholiken, die Beichte ist ein Randphänomen, die Berufungen verharren auf einem Tiefpunkt. Wie hat man sich das kirchliche Leben denn vorzustellen, nachdem die „Randbereiche der Lehre“ als Hindernisse aus dem Weg geräumt sind? Jeder macht was er will und die Kirche garniert alles, was sich als „verantwortete Gewissensentscheidung“ ausgibt, mit einer netten kleinen „Segensfeier“. Wer den Verfasser böser Übertreibung verdächtigt, kann sich im DBK-Papier selbst überzeugen: „Auch die Bedeutung von Segnungen für Menschen in schwierigen Lebenssituationen ist – in klarer Abgrenzung zu sakramentalen Feiern – neu in den Blick zu nehmen“.
So sehr man den aus der Frustration über ausbleibende pastorale Erfolge geborenen Wunsch der Bischöfe nachvollziehen kann, weitere Teile der kirchlichen Lehre über Bord zu werfen (wie vieles ist in den letzten 50 Jahren schon still und leise entsorgt worden) – das Schiff wird dadurch nicht leichter werden und auch keine flotte Fahrt aufnehmen. Im Gegenteil: der nun eingeschlagene Weg wird – so ist zu vermuten und natürlich auch zu hoffen – nicht der Weg der Weltkirche sein und man möchte sich noch gar nicht ausmalen, was es bedeutet, wenn die Bischöfe irgendwann von römischen Synoden zurückkehren und – aus der Sicht der synodalen Pressure-Groups und ihrer Lautsprecher in den Massenmedien – mit leeren Händen dastehen.
Es wäre wohl der bessere und ehrlichere Weg, den Versuch der weiteren Simulation von Volkskirche und gesellschaftlicher Relevanz aufzugeben und mit der recht kleinen Schar, die die Kirche in Deutschland lange schon ist, wirklich aufzubrechen.
Donnerstag, 6. Februar 2014
Vox Populi - Vox Rindvieh
Die deutschen Bischöfe haben die Antworten auf den vatikanischen Fragebogen zu Fragen im Umfeld "Ehe und Familie" in einem Dokument zusammengefasst und nach Rom geschickt.
Nun hat man sich ja schon die ganze Zeit gefragt, was der Sinn des ganzen Unterfangens sein soll und der DBK-Text zeigt nur, wie richtig alle Bedenken waren. Gibt das zu erwartende Umfrageergebnis doch die Gelegenheit zu einem entschlossenen "Hier stehen wir und können nicht anders". Die Logik des Dokumentes ist dabei einfach zu durchschauen: während auf der einen Seite ständig betont wird, wie vorbildlich die kirchlichen Apparate in Deutschland im Bereich der Ehe- und Familienpastoral arbeiten, ist die Beschreibung des Ist-Zustandes auf der anderen Seite schonungslos "ehrlich".
Ein "Versagen" in Deutschland ist auszuschließen und das Problem damit klar - und pseudowissenschaftlich "abgesichert" - an anderer Stelle zu suchen: in der kirchlichen Lehre, die von den Menschen nicht mehr verstanden und akzeptiert wird. Der Charakter des Dokumentes ermöglicht dabei ein wunderbares Spiel: man braucht die unliebsame Lehre nicht in Frage zu stellen, man kann alle Argumente gegen sie einfach als "vox populi" referieren. Hat sich in Rom eigentlich irgendein Mensch vor dem Lostreten dieses Unfugs Gedanken gemacht, wie man aus dem Extrakt der Konferenzen noch irgendetwas Sinnvolles herauslesen will? Wie man "Politik" an dieser Stelle verhindern soll? Oder ist es Zufall, dass die Abschnitte über die "wiederverheirateten Geschiedenen" in Darstellungs- und Sprachduktus ganz verdächtig an einen theologischen Vertreter des "Freiburger Wegs" erinnern?
Dass große Teile auch der Katholiken nicht nach der Ehelehre der Kirche leben, weiß man auch ohne eine solche Umfrage. Ob und inwiefern sich die Ehelehre dort, wo sie gelebt wird, bewährt und Früchte trägt, ist vielleicht der Horizont der Fragen, ganz sicher aber nicht derjenige der zusammenfassenden Antworten der DBK.
Und so liest man - neben dem schier unerträglichen Eigenlob ob des perfekt organisierten Pastoral-Klapparatismus - also das wohlbekannte Geschwätz von der Notwendigkeit der "Niedrigschwelligkeit" (welche Schwelle, fragt man sich da), von einer "Pastoral der Wegbegleitung" und vom Abschied von einer "lebensfeindlichen Gesetzesethik". Das schreiben dieselben verspießerten Deutschmichels, denen der Staat nicht genug Gesetze zur Regelung noch der abseitigsten Lebensbereiche erlassen kann.
Zieht man seinen eigenen Schluss aus den 20 Seiten "Antworten", so identifiziert man im Subtext (und teilweise durchaus auch explizit) die Forderung, sich nicht mehr in das Leben der Leute einzumischen. Kirche stößt - in der bischöflichen Selbstwahrnehmung! - dort auf Akzeptanz, wo sie den Menschen ein paar nette Worte spricht, wenn es ihnen mal nicht so gut geht auf ihrem ach so selbstbestimmten Weg durchs Leben. Kein Leben aus den Geboten und den Sakramenten, sondern ein bisschen religiöse Segens-Sahne und ansonsten: "Bitte nicht stören und nicht nerven".
Oder noch einmal anders: die Kirche muss sich wegen notorischer Akzeptanzprobleme einfach selbst abschaffen, zumindest als das, was sie noch für Johannes XXIII. war: die von Jesus Christus eingesetzte "Mater et Magistra", Mutter und Lehrerin der Völker.
Nun hat man sich ja schon die ganze Zeit gefragt, was der Sinn des ganzen Unterfangens sein soll und der DBK-Text zeigt nur, wie richtig alle Bedenken waren. Gibt das zu erwartende Umfrageergebnis doch die Gelegenheit zu einem entschlossenen "Hier stehen wir und können nicht anders". Die Logik des Dokumentes ist dabei einfach zu durchschauen: während auf der einen Seite ständig betont wird, wie vorbildlich die kirchlichen Apparate in Deutschland im Bereich der Ehe- und Familienpastoral arbeiten, ist die Beschreibung des Ist-Zustandes auf der anderen Seite schonungslos "ehrlich".
Ein "Versagen" in Deutschland ist auszuschließen und das Problem damit klar - und pseudowissenschaftlich "abgesichert" - an anderer Stelle zu suchen: in der kirchlichen Lehre, die von den Menschen nicht mehr verstanden und akzeptiert wird. Der Charakter des Dokumentes ermöglicht dabei ein wunderbares Spiel: man braucht die unliebsame Lehre nicht in Frage zu stellen, man kann alle Argumente gegen sie einfach als "vox populi" referieren. Hat sich in Rom eigentlich irgendein Mensch vor dem Lostreten dieses Unfugs Gedanken gemacht, wie man aus dem Extrakt der Konferenzen noch irgendetwas Sinnvolles herauslesen will? Wie man "Politik" an dieser Stelle verhindern soll? Oder ist es Zufall, dass die Abschnitte über die "wiederverheirateten Geschiedenen" in Darstellungs- und Sprachduktus ganz verdächtig an einen theologischen Vertreter des "Freiburger Wegs" erinnern?
Dass große Teile auch der Katholiken nicht nach der Ehelehre der Kirche leben, weiß man auch ohne eine solche Umfrage. Ob und inwiefern sich die Ehelehre dort, wo sie gelebt wird, bewährt und Früchte trägt, ist vielleicht der Horizont der Fragen, ganz sicher aber nicht derjenige der zusammenfassenden Antworten der DBK.
Und so liest man - neben dem schier unerträglichen Eigenlob ob des perfekt organisierten Pastoral-Klapparatismus - also das wohlbekannte Geschwätz von der Notwendigkeit der "Niedrigschwelligkeit" (welche Schwelle, fragt man sich da), von einer "Pastoral der Wegbegleitung" und vom Abschied von einer "lebensfeindlichen Gesetzesethik". Das schreiben dieselben verspießerten Deutschmichels, denen der Staat nicht genug Gesetze zur Regelung noch der abseitigsten Lebensbereiche erlassen kann.
Zieht man seinen eigenen Schluss aus den 20 Seiten "Antworten", so identifiziert man im Subtext (und teilweise durchaus auch explizit) die Forderung, sich nicht mehr in das Leben der Leute einzumischen. Kirche stößt - in der bischöflichen Selbstwahrnehmung! - dort auf Akzeptanz, wo sie den Menschen ein paar nette Worte spricht, wenn es ihnen mal nicht so gut geht auf ihrem ach so selbstbestimmten Weg durchs Leben. Kein Leben aus den Geboten und den Sakramenten, sondern ein bisschen religiöse Segens-Sahne und ansonsten: "Bitte nicht stören und nicht nerven".
Oder noch einmal anders: die Kirche muss sich wegen notorischer Akzeptanzprobleme einfach selbst abschaffen, zumindest als das, was sie noch für Johannes XXIII. war: die von Jesus Christus eingesetzte "Mater et Magistra", Mutter und Lehrerin der Völker.
Mittwoch, 22. Januar 2014
Kardinal Marx als Global Player
Damian von b-logos hat mich gefragt, was mir inhaltlich an dem Beitrag "Über den Kapitalismus hinaus denken" von Reinhard Kardinal Marx so sehr missfallen hat. Er könne in dem Beitrag auf den ersten Blick keine "Mischung aus sozialethischer Kompetenzfreiheit und Anbiederung an die Mächte dieser Welt" erkennen.
Ich will versuchen, mich - so kurz als möglich - zu erklären.
Im Kern ist der Beitrag von Marx ein Versuch, der Kritik an gewissen Ausführungen über wirtschaftliche und soziale Fragen in Evangelii Gaudium zu begegnen. Das ist ein in sich aussichtsloses Unterfangen, weil sich in diesen Ausführungen neben viel liebenswertem und urchristlichem Furor für Gerechtigkeit und Mitmenschlichkeit (Stichwort "prophetisch") Aussagen finden, die schlicht Unfug sind. Wie will man etwa den Satz "Die Ungleichverteilung der Einkünfte ist die Wurzel aller sozialen Übel" retten? Jedes Kind weiß, dass es im sozialen Leben der Menschen viele schlimme Übel gibt, die mit Einkünften, ob gleich oder ungleich verteilt, rein gar nichts zu tun haben. Wieviel soziales Leid verursacht eheliche Untreue - was hat sie mit der Einkommensverteilung zu tun? Der Satz geht nur auf, wenn man das Soziale (in einem simplizistischen Marxismus) vollständig auf das Ökonomische verkürzt - genau das ist es aber, was der Papst paradoxerweise dem bösen Kapitalismus vorwirft.
Schon im klein-handwerklichen geht dem Papst einiges daneben. Was soll man etwa von der Aussage halten, die Einkommen einiger Weniger stiegen "exponentiell"? Heute 1.000, morgen 1.000.0000 und übermorgen 1.000.000.000.000? Entspricht das irgendeiner Realität? Usw., usw.
Wie gesagt: Buchen wir das einmal unter "prophetisch" ab und lassen den Papst einen guten Mann sein (so schwer es einem als Katholik auch fallen mag: letztlich möchte man ja doch, dass der Papst entweder Richtiges sagt oder schweigt).
Zurück zu Kardinal Marx, der ja im Ruf eines ausgewiesenen Sozialethikers steht: Seine Argumentation in "Über den Kapitalismus hinaus denken" läuft darauf hinaus, einen Gegensatz zwischen "Kapitalismus" und "(Sozialer) Marktwirtschaft" zu konstruieren:
Die Katholische Soziallehre bejaht sowohl das Recht auf Eigentum an Produktionsmitteln als auch den freien Markt. Sie ist freilich der Meinung, dass dem Staat die doppelte Aufgabe zukommt, zum einen die Regeln des "Marktspiels" so zu fassen, dass soziale Standards nicht verletzt werden. Der Gegenpol ist hier nicht der Kapitalismus, sondern eine bestimmte Auffassung von Liberalismus ("am besten gar kein Staat").
Einher mit der schief-populistischen Alternative "Kapitalismus" / "Marktwirtschaft" geht bei Marx die Vorstellung, Armut im Sinne von "der Caritas bedürftig" ließe sich durch "Nicht-Ausschließung" überwinden:
Schon an dieser Stelle klingen die Worte des Kardinals ungut nach der Vorstellung, die Kirche könne im Konzert der Mächtigen als gleichberechtigter Partner am Tisch Platz nehmen und zur "Weltverbesserung" beitragen. Dieser Eindruck konkretisiert sich in anderen Passagen des Textes:
An anderer Stelle hat Kardinal Marx vor kurzem ausgeführt:
Ich will versuchen, mich - so kurz als möglich - zu erklären.
Im Kern ist der Beitrag von Marx ein Versuch, der Kritik an gewissen Ausführungen über wirtschaftliche und soziale Fragen in Evangelii Gaudium zu begegnen. Das ist ein in sich aussichtsloses Unterfangen, weil sich in diesen Ausführungen neben viel liebenswertem und urchristlichem Furor für Gerechtigkeit und Mitmenschlichkeit (Stichwort "prophetisch") Aussagen finden, die schlicht Unfug sind. Wie will man etwa den Satz "Die Ungleichverteilung der Einkünfte ist die Wurzel aller sozialen Übel" retten? Jedes Kind weiß, dass es im sozialen Leben der Menschen viele schlimme Übel gibt, die mit Einkünften, ob gleich oder ungleich verteilt, rein gar nichts zu tun haben. Wieviel soziales Leid verursacht eheliche Untreue - was hat sie mit der Einkommensverteilung zu tun? Der Satz geht nur auf, wenn man das Soziale (in einem simplizistischen Marxismus) vollständig auf das Ökonomische verkürzt - genau das ist es aber, was der Papst paradoxerweise dem bösen Kapitalismus vorwirft.
Schon im klein-handwerklichen geht dem Papst einiges daneben. Was soll man etwa von der Aussage halten, die Einkommen einiger Weniger stiegen "exponentiell"? Heute 1.000, morgen 1.000.0000 und übermorgen 1.000.000.000.000? Entspricht das irgendeiner Realität? Usw., usw.
Wie gesagt: Buchen wir das einmal unter "prophetisch" ab und lassen den Papst einen guten Mann sein (so schwer es einem als Katholik auch fallen mag: letztlich möchte man ja doch, dass der Papst entweder Richtiges sagt oder schweigt).
Zurück zu Kardinal Marx, der ja im Ruf eines ausgewiesenen Sozialethikers steht: Seine Argumentation in "Über den Kapitalismus hinaus denken" läuft darauf hinaus, einen Gegensatz zwischen "Kapitalismus" und "(Sozialer) Marktwirtschaft" zu konstruieren:
Ich meine: Kapitalismus und Marktwirtschaft sind nicht dasselbe! Der Begriff Kapitalismus führt in die Irre wie alle »-ismen«, die vorgeben das ganze Leben von einem bestimmten Punkt aus definieren zu können. Was wäre das für eine Sicht von Wirtschaft und Gesellschaft, die den Ausgangspunkt beim Kapital nimmt und die handelnden Menschen zu Randbedingungen beziehungsweise Kostenfaktoren macht?Doch: Kapitalismus und Marktwirtschaft sind dasselbe, was man schon daran erkennen kann, dass der angelsächsische Bereich keinen eigenen Begriff für "Marktwirtschaft" hat, sondern das Wort eben mit "capitalism" übersetzt. Letztlich handelt es sich um zwei Charakteristika einer Wirtschaftsordnung: das Recht auf Privateigentum (auch an Produktionsmitteln) und die Steuerung von Produktion und Konsum über einen Mechanismus von Angebot und Nachfrage ("Markt"). Niemand wird behaupten können, dass z.B. im "Mutterland des Kapitalismus", der USA, "das ganze Leben von einem bestimmten Punkt" (dem Kapital) her konstruiert ist. Die Gesellschaftsordnung der USA fusst auf der Vorstellung eines Rechtsstaates, der die Freiheit individueller Entfaltung garantiert. Eines dieser Freiheitsrechte ist die ökonomische Betätigung, aber eben nur eines.
Die Katholische Soziallehre bejaht sowohl das Recht auf Eigentum an Produktionsmitteln als auch den freien Markt. Sie ist freilich der Meinung, dass dem Staat die doppelte Aufgabe zukommt, zum einen die Regeln des "Marktspiels" so zu fassen, dass soziale Standards nicht verletzt werden. Der Gegenpol ist hier nicht der Kapitalismus, sondern eine bestimmte Auffassung von Liberalismus ("am besten gar kein Staat").
Einher mit der schief-populistischen Alternative "Kapitalismus" / "Marktwirtschaft" geht bei Marx die Vorstellung, Armut im Sinne von "der Caritas bedürftig" ließe sich durch "Nicht-Ausschließung" überwinden:
Sie [die Armen] sind nicht »Objekte« unserer Betreuung, sondern sie müssen einen Platz finden in der Kirche und der Gesellschaft.Auch das wäre nur richtig, wenn man "Armut" auf "materielle Armut" und daraus resultierende Exklusion bezöge. Es gibt aber sehr viele Formen der Armut, die nicht durch "strukturell überwunden" werden können. Kranke, Pflegebedürftige, Einsame und viele "Mühselige und Beladene" bedürfen nicht irgendwelcher Strukturreformen, sondern der "Betreuung", d.h. der liebend-caritativen Zuwendung.
Schon an dieser Stelle klingen die Worte des Kardinals ungut nach der Vorstellung, die Kirche könne im Konzert der Mächtigen als gleichberechtigter Partner am Tisch Platz nehmen und zur "Weltverbesserung" beitragen. Dieser Eindruck konkretisiert sich in anderen Passagen des Textes:
Und wie sehr sind gerade weltweite Debatten über Wege in eine gemeinsame Zukunft heute wichtig! Ohne eine Sensibilisierung für unsere gemeinsame, weltweite Verantwortung kann auch die politische Arbeit am Weltgemeinwohl nicht vorankommen. Die Diskussionen um das Weltklima in Warschau und das Ringen um ein neues Welthandelsabkommen der WTO in Bali zeigen es. [...]
Gerade im Zeitalter der Globalisierung hat die Katholische Kirche, die weltweit präsent ist und arbeitet, hier eine besondere Aufgabe. Sie kann Debatten über die Zukunft der Welt mit anstoßen und begleiten.Richtig bedenklich wird diese Attitüde, wenn Marx die klassischen Lebensvollzüge der Kirche gegen numinose Weltverbesserungsprojekte ausspielt:
Dieser Aufruf des Papstes geht nach innen und nach außen und ist in beide Richtungen beunruhigend und folgenreich. Nach innen, in die Kirche hinein, macht er deutlich, dass Evangelisierung nicht nur bedeuten kann, Menschen in die Glaubensinhalte des Katechismus einzuführen und ihnen die Sakramente zu spenden, sondern eine neue Art des Lebens zu finden, eine neue Gemeinschaft, eine neue Vorstellung von der Zukunft aller Menschen.Die Zukunft aller Menschen ist der Tod, der überwunden werden kann nur im Hinblick auf den Gottessohn am Kreuz, den sie zu verkünden und dessen Gnadenwirken sie in den Sakramenten auszuteilen das Privileg hat. Diese Perspektive kennt "die Welt" nicht und deshalb kann die Kirche mit ihr auch keine Projekte über die "Zukunft aller Menschen" machen. Anders gesagt: die Kirche ist die Zukunft der Welt oder sie hat keine. Was nicht im geringsten ausschließt, dass die Welt dort, wo aus Verkündigung und Sakramenten gelebt wird, ein "besserer Ort" sein sollte. Und auch nicht, dass die Verkündigung auch die soziale Sphäre einschließt.
An anderer Stelle hat Kardinal Marx vor kurzem ausgeführt:
Die katholische Kirche mit ihren 1,2 Milliarden Mitgliedern ist eine Weltorganisation ohne Vergleich. Aber sie bleibt immer noch – so glaube ich – unter ihren Möglichkeiten. Mein persönlicher Traum von Kirche ist, dass sie Werkzeug der einen Menschheitsfamilie zum Guten sein kann. Das wollte Jesus. Global Player und Global Prager im 21. Jahrhundert, das wie keine Epoche zuvor im Zeichen großer Veränderungen und der Chance hin zur „Einen Welt“ steht.Die Kirche als (noch nicht hinreichend erfolgreich eingesetztes) "Werkzeug der einen Menschheitsfamilie zum Guten" - das ist schon fast nicht mehr zu unterscheiden von einem anderen Ausspruch:
Ich glaube an den Menschen und daran, dass das Christentum ein Mittel zu seinem Fortschritt sein kann.Dieser Satz stammt von Bischof Jaques Gaillot und u.a. für diesen Satz ist er von Johannes Paul II. seines Amtes enthoben worden.
Dienstag, 21. Januar 2014
Maradiaga II - der neue Triumphalismus
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| So sehen Sieger aus |
Und die "Denkungsart" ist dann auch danach:
Ich bin fest überzeugt: Wir stehen in der Kirche am Beginn einer neuen Ära. Ähnlich wie vor 50 Jahren, als Papst Johannes XXIII. die Kirchenfenster öffnen ließ, um frische Luft hereinzulassen. Heute will Franziskus die Kirche in die Richtung führen, in die er selbst vom Heiligen Geist getrieben wird: näher bei den Menschen, nicht über ihnen thronend, sondern in ihnen lebendig. Die Kirche, das darf man nicht vergessen, ist nicht bloß eine Institution von Menschenhand, sondern Gottes Werk. Ich bin sicher, er hatte bei unserer Wahl im März 2013 seine Hand im Spiel. Denn nach menschlichem Ermessen wäre ein anderer Papst geworden.Es ist also mal wieder Pfingsten und es war natürlich der Geist selbst, der die Wahl der Kardinäle gelenkt und das neue Zeitalter heraufgeführt hat. Sagt der Herr Kardinal - um ein wenig später seinen eigenen konklavepolitischen Beitrag zum Wahlergebnis herauszustellen.
Das frisch begonnene Pontifikat stehe unter dem Motto "Mehr Pastoral als Doktrin". Auch nicht wirklich neu und immer noch falsch. Als ob das Wort "Die Wahrheit in der Liebe tun" ein Gegeneinander-Ausspielen seiner beiden Achsen vertragen würde.
Auf die Frage, ob man sich wegen des Alters des Heiligen Vaters Sorgen machen müsse, dass "nicht genug Zeit für all diese Veränderungen bleibt", lässt der Kardinal dann einen weiteren tiefen Blick in seine Sicht der Dinge zu: er sei davon überzeugt, dass man längst einen "Point of no return" erreicht habe. Da ist sie, die Sprache aller Revolutionssieger. Der Weltgeist hat Fakten geschaffen - Widerstand zwecklos. Wer das nicht merkt, der ist eben nur ein kleiner Dummkopf wie der Präfekt der Glaubenskongregation.
Ich habe in den Jahren des letzten Pontifikats häufig mit Vertretern der bösen "Traditionalisten" gesprochen. Ich kann mich nicht daran erinnern, jemals diese Attitüde erlebt zu haben. Im Gegenteil: Da war immer nur das Gefühl, eine Atempause zu haben, etwas Zeit, um in Ruhe der eigenen Berufung nachzugehen ohne Sorge, eingestampft zu werden wie aktuell die Franziskaner der Immaculata.
Die auftrumpfende Art, die der Kardinal an den Tag legt; dieses "Jetzt sind wir dran und jetzt geht es endlich wieder vorwärts" - was ist das anderes als ein neuer Triumphalismus, der sich vom angeblichen alten dadurch unterscheidet, dass er vorgibt, aus der Kirche eine weltliche Erfolgsgeschichte machen zu können. "Die Kirche schöpft ihr Potential noch nicht aus", schrieb Kardinal Marx vor kurzem und betonte, dass die Kirche schließlich ein "global player" sei. Er hat wahrscheinlich keine Sekunde darüber nachgedacht, dass das "Potential" der Kirche am Kreuz verdient wurde und die Zusage des Herrn nicht darin besteht, seine Kirche zu einem "global player" der Weltverbesserung zu machen, sondern alle Tage bis ans Ende dieser Welt in unserem Scheitern bei uns zu bleiben.
Es sei der Vollständigkeit halber angemerkt, dass der Vertreter des Weltgeistes natürlich auch schon den Ausgang der "Causa Limburg" kennt. Womit dann auch an dieser Stelle die neue, strukturreformierte römische Kakophonie komplett wäre.
Narreteien, nichts als Narreteien ...
Montag, 20. Januar 2014
Neues von der römischen Leprastation
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| Selig sind die Armen im Geiste ... |
Vor einigen Tagen fiel schon der Münchner Kardinal Marx mit einer höchstamtlichen Interpretation der - sagen wir einmal - etwas grob geschnitzten Äußerungen des Hl. Vaters zu ökonomischen Fragen in "Evangelii Gaudium" auf (die deutsche Übersetzung des Osservatore-Artikels findet sich bei kath.net). Wer sich die Bedeutung des schönen Wortes "Verschlimmbesserung" einmal vergegenwärtigen möchte, kann sich diese Mischung aus sozialethischer Kompetenzfreiheit und Anbiederung an die Mächte dieser Welt gerne antun. Menschen mit schwachem Magen seien an dieser Stelle ausdrücklich gewarnt.
Der Obermacker des Rudervereins, Sua Vize-Santita Oscar Andres Rodriguez Cardinal Maradiaga, hat nun eine noch weitaus beeindruckendere Demonstration des aktuellen Zustands der römischen Kirchenleitung gegeben. In einem Interview mit dem Kölner Stadtanzeiger (das Original ist für mich hier im Oberland leider nicht greifbar) hat er mal locker vom Hocker diesem kleinen Dogmatiker aus Regensburg Bescheid gestoßen:
Müller sei ein deutscher Theologieprofessor; „in seiner Mentalität gibt es nur richtig oder falsch, das war’s“, sagte Rodriguez im Interview des „Kölner Stadtanzeiger“ (Montag). Aber ich sage: „Die Welt, mein Bruder, die Welt ist nicht so. Du solltest ein wenig flexibel sein, wenn du andere Stimmen hörst, damit du nicht nur zuhörst und sagst, nein, hier ist die Wand.“
Als er Müllers Äußerungen über die Autorität der Kirche gelesen habe, habe er gedacht: „Okay, vielleicht hast du Recht, vielleicht aber auch nicht.“ Er, Rodriguez, glaube aber, Müller werde noch „dahin gelangen, andere Ansichten zu verstehen“. Derzeit sei er „halt noch am Anfang, hört bloß auf seinen Beraterstab“. Der Kardinal räumte ein, bislang noch nicht persönlich mit Müller gesprochen zu haben: „Aber wir werden reden, ganz bestimmt. Es ist immer gut, einen guten Dialog zu führen.“So läuft das jetzt also: "Hey, Bro, entspann' Dich und rauch' mal wieder ne Runde Gras. Wenn das nichts hilft, solltest Du Deine Wahr-Falsch-Neurose mal von einem Seelenklempner anschauen lassen". Und wie könnte man einen "guten Dialog" unter Brüdern besser starten als durch eine Runde herablassende Watschen in der Zeitung?
"Vielleicht ist es so, vielleicht aber auch nicht" - das ist jetzt anscheinend die Haltung zu dogmatischen Fragen, die man als cooler Kardinals-Rocker im Vatikan zur Schau stellt. Und man kann sich das auch gegenüber dem Präfekten der Glaubenskongregation leisten - das ist der Fluch der bösen Tat unverantwortlicher Interviews (oder Gerüchten angeblicher Interview-Äußerungen, denen man nicht entschieden genug entgegentritt) und der Etablierung neuer Machtzirkel. Vielleicht wird sich auch Papa Buenasera noch einmal nach der guten alten "Lepra-Zeit" am päpstlichen Hof zurücksehnen, als das einzige Problem die Eitelkeit einiger nachrangiger Monsignores war.
Ansonsten fällt mir zur selbstgefällig-herablassenden Attitüde des Hochwürdigsten Herrn Maradiaga - mit Verlaub - nur ein Zitat von Joschka Fischer ein ...
Freitag, 20. Dezember 2013
So steht es um die CDU
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| Hinter diesem freundlichen Gesicht lauert das Grauen |
Im SPON-Artikel dann auch der schöne Satz:
Ein Abtreibungsgegner als Angela Merkels General? Das passt nicht zum propagierten Selbstbild als moderne, weltoffene und sich verjüngende Volkspartei.
Einen Vorteil hat die Sache: Man weiß wenigstens wieder, warum man diese Partei nicht mehr wählt ...
Dienstag, 10. Dezember 2013
Evangelii Gaudium
Der Hl. Vater macht es einem bei der Lektüre seiner Exhortatio nicht einfach. Damit meine ich nicht nur die Länge des Textes, sondern auch die Art und Weise, wie er bestimmte Dinge formuliert. Was natürlich nicht heißen soll, dass das Lehrschreiben nicht sehr schöne und unmittelbar ansprechende Passagen enthält.
Als eingefleischter Freund der kirchlichen Lehre und einer angemessenen Liturgie bin ich aber z.B. an Punkt 95 hängengeblieben. Der Papst beschreibt in den beiden vorhergehenden Punkten eine "spirituelle Weltlichkeit", die er offensichtlich ganz schlimm findet. Er hält sie entweder für "Gnostizismus" oder "einen selbstbezogenen und prometheischen Neu-Pelagianismus" (94). In Punkt 95 sagt er dann konkreter:
Nun könnte man antworten, es ginge dem Papst eben darum, vor bestimmten Fehlentwicklungen in diesen Gruppen zu warnen. Aber ginge das nicht auch anders? Und passt diese Art von "Schubladen-Denken" gerade in Kombination mit konkreten Häresie-Begriffen ("Neu-Pelagianismus") zu dem Anspruch, das Evangelium so zu verkünden, dass sich niemand ausgeschlossen fühlt? Müssen sich nicht alle diejenigen (und ich meine sehr viele solche Menschen zu kennen) herabgesetzt fühlen, die gerade aus der Sorge um die Evangelisierung Liturgie und Lehre pflegen?
Warum formuliert er diese Passage nicht z.B. so:
Fragen über Fragen ...
Als eingefleischter Freund der kirchlichen Lehre und einer angemessenen Liturgie bin ich aber z.B. an Punkt 95 hängengeblieben. Der Papst beschreibt in den beiden vorhergehenden Punkten eine "spirituelle Weltlichkeit", die er offensichtlich ganz schlimm findet. Er hält sie entweder für "Gnostizismus" oder "einen selbstbezogenen und prometheischen Neu-Pelagianismus" (94). In Punkt 95 sagt er dann konkreter:
"Diese bedrohliche Weltlichkeit zeigt sich in vielen Verhaltensweisen, die scheinbar entgegengesetzt sind, aber denselben Anspruch erheben, 'den Raum der Kirche zu beherrschen'. Bei einigen ist eine ostentative Pflege der Liturgie, der Lehre und des Ansehens der Kirche festzustellen, doch ohne dass ihnen die wirkliche Einsenkung des Evangeliums in das Gottesvolk und die konkreten Erfordernisse der Geschichte Sorgen bereiten. Auf diese Weise verwandelt sich das Leben der Kirche in ein Museumsstück oder in ein Eigentum einiger weniger".Sicher nicht nur bei mir lenkt die Formulierung von der "ostentativen Pflege der Liturgie und der Lehre" die Gedanken in Richtung ganz bestimmter Gruppen innerhalb der Kirche. Und ich frage mich im nächsten Schritt, woher der Hl. Vater denn so genau weiß, dass die Mitglieder dieser Gruppen sich nicht um die "Einsenkung des Evangeliums in das Gottesvolk" sorgen?
Nun könnte man antworten, es ginge dem Papst eben darum, vor bestimmten Fehlentwicklungen in diesen Gruppen zu warnen. Aber ginge das nicht auch anders? Und passt diese Art von "Schubladen-Denken" gerade in Kombination mit konkreten Häresie-Begriffen ("Neu-Pelagianismus") zu dem Anspruch, das Evangelium so zu verkünden, dass sich niemand ausgeschlossen fühlt? Müssen sich nicht alle diejenigen (und ich meine sehr viele solche Menschen zu kennen) herabgesetzt fühlen, die gerade aus der Sorge um die Evangelisierung Liturgie und Lehre pflegen?
Warum formuliert er diese Passage nicht z.B. so:
"Es ist gut, die Liturgie und die Lehre zu pflegen und um das Ansehen der Kirche besorgt zu sein. Dies darf aber nie getrennt sein von der Sorge um die wirkliche Einsenkung des Evangeliums in das Gottesvolk. Andernfalls droht die Gefahr, dass das Leben der Kirche sich in ein Museumsstück verwandelt und zum Eigentum einiger weniger wird".Oder will er eigentlich doch sagen, dass die "Pflege von Liturgie und Lehre" kein Gut darstellt oder gar per se im Widerspruch zur "wirklichen Einsenkung des Evangeliums in das Gottesvolk" steht? Etwa, weil die Kirche nur dann Kirche im Sinne des Papstes ist, wenn man auch ihrer Liturgie und Lehre ein gewisses "Verbeult- und Verschmutzt-Sein" ansieht? Oder braucht man diese scheinbare Unversöhnlichkeit von "Pflege von Liturgie und Lehre" auf der einen und "wirklicher Evangelisierung" auf der anderen Seite vielleicht als Klischee, um diese Gruppen (weiter) zu delegitimieren?
Fragen über Fragen ...
Mittwoch, 4. Dezember 2013
Die schöne neue Welt
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| Schwestern, zur Freiheit, zur Sonne |
Wie es der Zufall so will, stieß ich kurze Zeit später auf einen Beitrag von Sybille Berg, die bei SPON als Kolumnistin arbeitet und gerne gegen alles Konservative und erst recht Kirchliche wettert.
Der konkrete Anlass der Kolumne war wohl eine von der Zeitschrift "Compact" ausgerichtete Konferenz "Für die Zukunft der Familie" auf der - oh Schreck! - Thilo Sarrazin ("und andere, die aus den dunklen Erdspalten unserer schlechten Träume gekrochen sind" - wie poetisch) gesprochen hatte. Nach der gesinnungs-masturbativen Beschimpfung solcher schauderhaft-reaktionärer Kräfte ("Es gibt Fundamentalisten, Salafisten, Idioten und Euch"), kommt Frau Berg dann zur Sache:
"Ihr werdet die Entwicklung nicht aufhalten. Ihr werdet nichts Gutes bewirken, könnt ihr damit leben?
Eure Kinder, Enkel, in korrekten heterosexuellen Beziehungen erzeugt, werden irgendwann sitzen, friedlich nebeneinander. Unter künstlichen Himmeln, in künstlichem Klima, das perfekt ist, immer warm, das Meer künstlich, die Seen, die Berge, aber nicht minder schön, die Sonne geht unter. Sie sitzen auf einem künstlichen Rasen, Vögel-Avatare, und sehen sich im Lesegerät Dinge von früher an. Aus der Zeit der Großeltern.
Sie werden sich wundern über ihre Vorfahren, so wie wir uns heute über Sklaverei wundern, über Hexenverbrennung und die Steinzeit. Sie werden sich wundern in einer Welt, in der alle gleich sind, es keinen Rassismus mehr gibt, keinen Sexismus, in der Frauen und Männer und Menschen des dritten Geschlechts lieben, wen sie wollen, sich nicht bekämpfen.
Und dann werden sie die Welt aufräumen, all das wieder in Ordnung bringen, was ihr vernachlässigt habt. Ihr hattet ja zu tun."So sieht sie also aus, die schöne Neue Welt derjenigen, die aus Prinzip "das Gute" für sich gepachtet haben und die es kaum erwarten können, dass "aufgeräumt" wird mit der Welt von gestern, in der es Familien gab wie in der Steinzeit. Da lieben sich alle drei Geschlechter wie sie wollen und es herrscht der ewige Friede vor dem "Lesegerät". Und weil diese alte Welt, mit ihrer "korrekt heterosexuellen Zeugung" wohl selbst für Frau Sybille Berg etwas erschreckend Natürliches hat, ist die Neue Welt konsequenterweise ganz und gar "künstlich" - "aber nicht minder schön". Na klar.
Wer sich bei einer solchen Zukunftsvision nicht an das Paradies, sondern eher an die Hölle erinnert fühlt, wird es wohl vorziehen, das "pubertäre Fortschrittsdenken" mit seiner latenten Gewalttätigkeit Frau Sybille Berg und anderen Freunden des "Fürsten dieser Welt" zu überlassen und sich (gemeinsam mit Papst Franziskus) in der Treue zum Herrn üben, der uns eine wirkliche Vision der Zukunft verheißen hat - wenn auch nicht in diesem Äon.
Karneval in Rom
Unmittelbar nach der Wahl von "Papa Buenasera" wurde eine Geschichte kolportiert, die nicht unerheblich zu der Begeisterung für den neuen Pontifex Maximus in interessierten Kreisen gerade in Deutschland beigetragen hat: im Ankleideraum soll er nicht nur die vorbereitenten roten Schuhe und die Samtmozetta zurückgewiesen haben, sondern bei dieser Gelegenheit zum päpstlichen Zeremonienmeister gesagt haben: "Der Karneval ist jetzt vorbei". Genau weiß man das natürlich nicht - da so manches, was zunächst aus dem Mund des Papstes zu kommen schien, sich ja dann als mehr oder weniger freie Erfindung Dritter herausgestellt hat.
Beobachtet man jenseits solcher Äußerlichkeiten die faktischen Geschehnisse in Rom, kann einem durchaus der Gedanke kommen, der Karneval sei keineswegs vorbei, sondern habe im Gegenteil gerade erst angefangen. So ist es wohl ohne Präzedenzfall, dass ein atheistischer Schreiberling einer linksliberalen italienischen Zeitung seine Büttenrede zum Thema "Kirche" als Interview mit Originalzitaten des Papstes verkauft - und dieser Unfug dann umredigiert auf der offiziellen Website des Heiligen Stuhls landet.
Weit bedenklicher als diese Episode ist das Theaterstück, das z.Zt. auf der römischen Bühne unter dem Titel "Wiederverheiratete Geschiedene" aufgeführt wird. Ermuntert durch unklare päpstliche Äußerungen gibt der Erzbischof von Freiburg eine "Handreichung für die Seelsorge" heraus, die nicht mehr und nicht weniger darstellt als die offene Außerkraftsetzung der kirchlichen Lehre und des kirchlichen Rechts in seinem Sprengel. Postwendend liest der Präfekt der Glaubenskongregation - unter expliziter Berufung auf einen Auftrag des Hl. Vaters - dem Freiburger Ordinarius die Leviten und erläutert, warum die kirchliche Lehre in dieser Frage so ist wie sie ist und auch nicht geändert werden kann.
Im nächsten Akt des Dramas veröffentlicht der Papst ein Lehrschreiben, in dem die Frage der Wiederverheirateten Geschiedenen indirekt und erneut äußerst missverständlich angesprochen wird. Woraufhin der Sekretär der römischen Bischofssynode (angeblich ein besonders enger Vertrauter von Franziskus) ein Interview gibt, in dem er die "Freiburger Lesart" des päpstlichen Lehrschreibens unterstreicht und ankündigt, die ganze Angelegenheit werde - im klaren Widerspruch zu den Klarstellungen des Präfekten der Glaubenskongregation - auf den kommenden Synoden "ohne Tabus" diskutiert werden. Jenseits der Frage, warum ein römischer Prälat von "Tabus" spricht, wenn er Lehre und Recht der Kirche meint: wer spricht da eigentlich im Namen des Papstes?
Wenn das der künftige Regierungsstil ist, dann könnte die Haltung vieler Katholiken bald dem berühmten Satz von Kardinal Bartolucci entsprechen: "Sagt mir Bescheid, wenn der Zirkus vorüber ist".
Beobachtet man jenseits solcher Äußerlichkeiten die faktischen Geschehnisse in Rom, kann einem durchaus der Gedanke kommen, der Karneval sei keineswegs vorbei, sondern habe im Gegenteil gerade erst angefangen. So ist es wohl ohne Präzedenzfall, dass ein atheistischer Schreiberling einer linksliberalen italienischen Zeitung seine Büttenrede zum Thema "Kirche" als Interview mit Originalzitaten des Papstes verkauft - und dieser Unfug dann umredigiert auf der offiziellen Website des Heiligen Stuhls landet.
Weit bedenklicher als diese Episode ist das Theaterstück, das z.Zt. auf der römischen Bühne unter dem Titel "Wiederverheiratete Geschiedene" aufgeführt wird. Ermuntert durch unklare päpstliche Äußerungen gibt der Erzbischof von Freiburg eine "Handreichung für die Seelsorge" heraus, die nicht mehr und nicht weniger darstellt als die offene Außerkraftsetzung der kirchlichen Lehre und des kirchlichen Rechts in seinem Sprengel. Postwendend liest der Präfekt der Glaubenskongregation - unter expliziter Berufung auf einen Auftrag des Hl. Vaters - dem Freiburger Ordinarius die Leviten und erläutert, warum die kirchliche Lehre in dieser Frage so ist wie sie ist und auch nicht geändert werden kann.
Im nächsten Akt des Dramas veröffentlicht der Papst ein Lehrschreiben, in dem die Frage der Wiederverheirateten Geschiedenen indirekt und erneut äußerst missverständlich angesprochen wird. Woraufhin der Sekretär der römischen Bischofssynode (angeblich ein besonders enger Vertrauter von Franziskus) ein Interview gibt, in dem er die "Freiburger Lesart" des päpstlichen Lehrschreibens unterstreicht und ankündigt, die ganze Angelegenheit werde - im klaren Widerspruch zu den Klarstellungen des Präfekten der Glaubenskongregation - auf den kommenden Synoden "ohne Tabus" diskutiert werden. Jenseits der Frage, warum ein römischer Prälat von "Tabus" spricht, wenn er Lehre und Recht der Kirche meint: wer spricht da eigentlich im Namen des Papstes?
Wenn das der künftige Regierungsstil ist, dann könnte die Haltung vieler Katholiken bald dem berühmten Satz von Kardinal Bartolucci entsprechen: "Sagt mir Bescheid, wenn der Zirkus vorüber ist".
Donnerstag, 21. November 2013
In memoriam Dieter Hildebrandt
Ich hoffe, dass es in Blogoezese genügend Leser gibt, die aufgrund ihres Alters in der Lage sind, dieses echte Hildebrandt-Highlight zu schätzen.
Donnerstag, 31. Oktober 2013
Ostern und Weihnachten an einem Tag - die Stundenbuch App ist da!
![]() |
| Gepriesen sei der Herr - und dieser gute Mann |
Mein Ärger war so groß, dass ich sogar einmal den Machern der App iBreviary angeboten habe, die deutschen Übersetzungen für ihr Projekt beizusteuern. Nach anfänglicher Begeisterung hat man dort aber die deutsche "Rechtslage" zur Kenntnis genommen und die Sache ist nichts geworden.
Zwar konnte man sich seit einiger Zeit mit dem Stundenbuch alter Ordnung (Breviarium Meum - natürlich weiterhin empfehlenswert) behelfen, aber erstens ist das lateinische Stundengebet (wenn man mal ganz ehrlich ist) jenseits der Komplet in manchen Lebenssituationen eine arge Herausforderung und zweitens endet die Sache spätestens, wenn man es den eigenen Kindern an die Hand geben möchte.
Es hat einen offensichtlich heiligmäßigen Mann wie Bruder Paulus gebraucht, um der Misere (um es ganz, ganz freundlich auszudrücken) nun ein Ende zubereiten. Und so gibt es jetzt das deutsche Stundenbuch als App! Professionell umgesetzt - alles sehr fein! Zwar fehlen noch die Lesehoren und die zugehörigen Lektionare, aber das wird sicher noch ;-)
Und kaum geht man auf "Einstellungen", kann man sogar die Marianischen Schlussantiphonen auf "Latein" umschalten (wer betet schon "Sei gegrüßt, o Königin" auf deutsch?).
Lieber Bruder Paulus - sie sind ein Schatz!
Freitag, 18. Oktober 2013
Der Fall Limburg - Versuch einer Zwischenbilanz
Der folgende Beitrag ist heute bei kath.net erschienen:
Die Ereignisse im Bistum Limburg und zuvörderst das aus dem
Ruder gelaufene Bauprojekt „Haus der Bischöfe / Diözesanes Zentrum“ bewegen nun
seit geraumer Zeit die Republik, auch wenn im Augenblick eine gewisse
„Windstille“ zumindest in den meinungsführenden Medien eingetreten zu sein
scheint.
Nach der zunächst von unnachprüfbaren Berichten und
Gerüchten getriebenen ersten Phase in der letzten Woche, schien sich mit der
Veröffentlichung wesentlicher Dokumente in der FAS am vergangenen Wochenende
(begleitet von, in einen Artikel gekleideten, Wortmeldungen einiger zentral
Beteiligter) ein relativ klares Bild abzuzeichnen: der Bischof von Limburg hat
zielgerichtet an der Öffentlichkeit und seiner Diözesanverwaltung vorbei mehr
oder weniger im Alleingang die Kosten für das Bauvorhaben je nach Lesart auf
das Fünf- oder gar Zehnfache getrieben. Alleine seine Privatwohnung hat
ausweislich der veröffentlichten Kostenaufstellung fast 3 Millionen Euro
verschlungen. Größenwahn, ein monströses Lügengebäude, Verstoß gegen das
Kirchenrecht (5 Millionen-Meldepflicht), Untreue im strafrechtlichen Sinn. Es
war Zeit zum Handeln.
Durch die sukzessive Veröffentlichung weiterer Dokumente in
dieser Woche, im wesentlichen der Sitzungsprotokolle des
Vermögensverwaltungsrates des Bischöflichen Stuhls, hat sich das Bild noch
einmal deutlich erweitert: Wenn die Dokumente authentisch sind (und bisher gibt
es für einen Zweifel hieran keinen wirklichen Anhaltspunkt), kann von einer
erheblichen Mitschuld der Mitglieder des Vermögensverwaltungsrates ausgegangen
werden. Sie waren keineswegs so unverschuldet unwissend, wie dies Hr. Riebel in
seinen diversen Einlassungen dargestellt hat.
Da sich der Bischof von Limburg in Rom befindet und man
allgemein auf eine Entscheidung des Papstes oder mindestens der
Bischofskongregation wartet, hat sich eine gewisse Zurückhaltung in der
Bewertung breit gemacht. Angesichts der mehrfachen Wendungen, die die
Angelegenheit in recht kurzer Zeit genommen hat, ist dies sehr verständlich.
Dennoch ist eine Sichtung des derzeitigen Sachstands für die Frage möglicher
Optionen für die nähere Zukunft eigentlich unabdingbar.
Betrachten wir also einige Aspekte des ganzen Falls auf der
Basis des derzeitigen Informationsstandes.
Kostenexplosion
Der zumindest in groben Zügen sichtbar gewordene Verlauf der
Planungen und der Durchführung des Bauvorhabens lässt das Thema in einem
anderen Licht erscheinen als dies auch heute noch in den Medien dargestellt
wird. Die Verantwortlichen sind zu keinem Zeitpunkt davon ausgegangen, dass der
nun realisierte Entwurf 5,5 Millionen Euro kosten würde. Die Sitzungsprotokolle
legen nahe, dass die sich Abschätzung der Gesamtsumme bereits 2011 auf
mindestens 17 Millionen belief, evtl. auch bereits in Richtung der jetzt im
Raum stehenden ca. 31 Millionen ging. Das ist sehr viel Geld für relativ wenig
Quadratmeter, aber der vielfach verbreitete Eindruck, die Sonderwünsche des Bischofs
hätten die ursprüngliche Planung auf das 5-6-fache getrieben, ist schlicht
falsch.
Über die Sinnhaftigkeit des nun realisierten Konzeptes einer
kostenträchtigen Verbindung aufwändig restaurierter historischer Bausubstanz
mit einem wertigen modernen Neubau unter der Maßgabe eines hohen künstlerischen
Anspruchs sowohl für die einzelnen Gewerke als auch den Gesamtkomplex kann man
trefflich streiten. Es sei zumindest erwähnt, dass ein teilweise vergleichbares
Bauprojekt des Bistums Eichstätt (der renovative Ausbau von Schloss Hirschberg
zu einem Bildungshaus) bereits vor 30 Jahren mehr als 25 Millionen Euro
gekostet hat (z. Zt. laufen dort weitere Ausbauarbeiten, die auf 4,2 Millionen
Euro geschätzt sind). Vergleichbar sind die Vorhaben auch deshalb, weil der
seinerzeitige Eichstätter Diözesanbaumeister auch an der Planung in Limburg
beteiligt war. Dass die Kirche bei Bauarbeiten in historischem Bestand und an
exponierten Stellen im Sinne der Wahrnehmung kulturellen Verantwortung klotzt
und nicht kleckert, war zumindest bis vor kurzem noch allgemeiner Konsens.
Das Argument, dass dies in Zeiten des armen Papstes
Franziskus nicht mehr gehe, ist schon deshalb unsinnig, weil das Limburger
Bauvorhaben weit vor dessen Amtsantritt begonnen wurde. Auch Franziskus wohnt
übrigens in einem gediegen eingerichteten (Fast-)Neubau im Kontext eines
durchaus beeindruckenden historischen Ensembles.
Verschwendung
2,92 Millionen Euro alleine für die Bischofswohnung, weitere
350.000 Euro für deren Innenausstattung – alleine diese Zahl, die der
vorläufigen Kostenrechnung des Architekten entnommen werden kann, scheint den
Bischof von Limburg zu richten.
Auch an dieser Stelle muss zu großer Vorsicht gemahnt
werden. Keiner der Medienvertreter, die aus der Kostenaufstellung zitieren,
scheint bisher bemerkt zu haben, dass die Zuordnung der Kosten zu den einzelnen
Baubereichen nach einem fixen Kostenschlüssel
erfolgte (für den Komplex „Bischofswohnung“ ca. 17 % bei den Bauarbeiten und
ca. 31% bei der Innenausstattung). Rückschlüsse auf die tatsächlich für die
eigentliche Bischofswohnung verwendeten Mittel lassen sich aus der Aufstellung
also keineswegs gewinnen.
Das ändert nichts an den Gesamtkosten, ist für die
moralische Bewertung des Bischofs als Bauherrn aber von erheblicher
Bedeutung. Das eine ist es, 31 Millionen
Euro in ein diözesanes Bauwerk investiert zu haben - etwas ganz anderes, für
die eigene Privatwohnung mehr als 3 Millionen Euro verschwendet zu haben. Über
das erstere kann man wahrscheinlich streiten, das letztere ist für einen
Bischof der katholischen Kirche (zumal im Jahr 2013) ein Unding.
Veruntreuung
Gegen den Bischof von Limburg wurden mehrere Anzeigen wegen
Untreue erstattet. Für eine juristische Bewertung dieser Frage ist es sicher
noch zu früh. Auf dem Informationsstand vom Wochenende hätte man mit einiger
Sicherheit davon ausgehen müssen, Bischof Tebartz-van-Elst habe gute
Aussichten, Gefangenenseelsorge „von der anderen Seite“ zu erleben. Die in den
letzten Tagen veröffentlichten Dokumente und der sich aus ihnen ergebene
Eindruck, dass der Vermögensverwaltungsrat alle wesentlichen Ausgabenentscheidungen
gebilligt hat, zwingen auch in dieser Frage zu mehr Zurückhaltung.
Lügen
Dies ist der bedrückendste Punkt der Analyse. Nach
gegenwärtigem Sachstand scheint fast kein Zweifel möglich zu sein, dass der
Bischof von Limburg (wenn auch nicht als Einziger) die Öffentlichkeit und vor
allem die ihm anvertrauten Gläubigen bewusst über die Kosten des Bauvorhabens
getäuscht hat. Erschwerend kommt hinzu, dass auch in der Frage der
Eidesstattlichen Erklärung bzgl. der Flugtickets die frei zugänglichen Dokumente
und Materialien mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit beweisen, dass
er vorsätzlich die Unwahrheit gesagt hat.
Dieser Punkt wiegt schwer und man kann sich eigentlich nicht
vorstellen, wie der Bischof sein Amt weiter ausüben können sollte. Das ist
keine Frage des Verzeihens und der Barmherzigkeit, sondern der moralischen
Autorität. Wie soll ein „öffentlicher Lügner“ – ganz unabhängig von einer
möglicherweise erfolgenden ebenso öffentlichen Reue – den christlichen
Grundwert der Wahrhaftigkeit auch nur halbwegs glaubhaft verkündigen? Vom
Anspruch auf eine auch in diesem Punkt vorbildhafte Lebensführung wird man
einen Bischof nicht dispensieren können.
Wie kann es weitergehen?
Daniel Deckers hat dieser Tage in der FAZ völlig zurecht
darauf hingewiesen, dass man sich einen schnellen Rücktritt des Bischofs
eigentlich nicht wünschen kann. Rücktritte sind oft nur eine andere Form der
Vertuschung. Der „Fall Limburg“ bedarf aber ganz im Gegenteil einer umfassenden
Aufklärung: der Rolle des Bischofs, aber auch der Rolle vieler anderer
Beteiligter, schließlich auch des Systems, das ihn ermöglicht hat. Es ist
freilich abzuwarten, ob der Bischof selbst und ganz persönlich einer
umfassenden Aufarbeitung über einen längeren Zeitraum gewachsen ist. Jeder, der
bereit ist, einen Schritt zurückzutreten, sollte sich ausmalen können, was es
für die Psyche eines Menschen bedeutet, in dieser Weise Gegenstand eines
öffentlichen Skandals zu sein.
Wie die Zukunft des Bischofs aussehen könnte, hängt von
vielen Faktoren ab. Man würde sich wünschen, dass ein authentisch christlicher
Weg gefunden wird. Eine in echter innerer Freiheit angenommene „Degradierung“ und
eine neue Aufgabe als Pfarrer oder Krankenhausseelsorger könnte – je nach
Ausgang aller noch ausstehenden Prüfungen – ein solcher Weg sein.
Bezüglich der Nachfolgeregelung für
den Bischof könnte angesichts des Aufklärungsbedarfs auch in der Bistumsleitung
unterhalb des Bischofs und der Tatsache, dass Rom mit dem Fall Limburg zur Zeit
ohnehin stark befasst ist, wäre wohl die Bestellung eines Koadjutors eine gute
Lösung.
Auch wenn die Wellen der öffentlichen Anteilnahme und
Empörung weiterhin hochschlagen: die katholische Kirche in Deutschland hat die
Möglichkeit, den „Fall Limburg“ gut abzuschließen. Hierzu gehört eine
umfassende Aufklärung, die Ableitung angemessener Maßnahmen (wohl nicht nur im
Bistum Limburg) und ein dem christlichen Menschenbild gerecht werdender Umgang
mit Franz-Peter Tebartz-van-Elst. Dass sie zu einem solchen, durchaus
vorbildlichen Krisen-Management in der Lage ist, hat die deutsche Kirche
bereits in der Aufarbeitung des Missbrauchskandals gezeigt.
Freitag, 11. Oktober 2013
Flurschaden für die katholische Kirche in Deutschland
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| Die Zolleaks-Affäre zieht Kreise |
Zahlreiche Amtsbrüder beginnen bereits, sich von Zollitsch zu distanzieren: "Die Situation in Freiburg macht dem Kardinal große Sorgen", verlautet aus dem Umfeld des Mainzer Ordinariates. Es sei zu befürchten, dass demnächst SPIEGEL, BILD und FAZ ihre Ermittler auf die Sache ansetzen. Ob der Freiburger Diözesanadministrator dem dann zu erwartenden medialen Dauerfeuer standhalten könne, sei fraglich. Auch in München will man sich nicht in eine falsch verstandene Loyalität hineindrängen lassen. Hinter (noch) vorgehaltener Hand wird Kardinal Marx, der sich zur Zeit in seiner römischen Villa aufhält, mit den Worten zitiert: "Dann heißt es wieder Medienkampagne. Das ist mir zu einfach. Wo nichts ist, entsteht auch keine Kampagne".
Lediglich der Bischof von Limburg scheint seinen Kollegen stützen zu wollen: "Ich bin nächste Woche ohnehin in der Badewannenangelegenheit in Rom und werde bei Papst Franziskus ein gutes Wort für meinen Mitbruder einlegen. Das mit der Wahrheit ist so eine Sache und der Papst mag es ohnehin nicht, wenn man den Menschen mit übertriebenem Moralismus begegnet. Irgendwo muss man mit der Barmherzigkeit auch einmal ernst machen".
Das Zentralkomitee der Deutschen Katholiken (ZdK) ließ vermelden, dass man nicht länger bereit sei, zuzusehen, wie die katholische Kirche in Deutschland national und international zum Gespött werde. Erste satirische Facebook-Seiten seien bereits online und man erhoffe sich nun baldige Maßnahmen aus Rom. Der Papst müsse weiteren Schaden von der Deutschen Kirche abwenden. Es sei schon immer die Linie des ZdK gewesen, dass die Dinge nur dann gut werden, wenn Rom sich darum kümmere.
Worum geht es?
Ein Freund fragte mich dieser Tage, warum ich denn Energie darauf verschwende, diesen merkwürdigen Bischof von Limburg zu verteidigen. Ich habe daraufhin noch einmal sorgfältig meine Blog-Beiträge gelesen und bin (beruhigt) zu dem Ergebnis gekommen: ich habe den Bischof nicht verteidigt. Ich wüßte auch gar nicht aus welchem Grund: weder ist er mir persönlich bekannt, noch bisher einmal durch irgendeine "Heldentat" positiv aufgefallen.
Dass mir die im Geld schwimmende (und u.a. aus diesem Grund überall lustig vor sich hin bauende) deutsche Kirche durchaus im Magen liegt, habe ich an dieser Stelle schon mehrfach zum Ausdruck gebracht. Und ich habe keinen Grund Bischof Tebartz van Elst nicht unter diese deutsche Kirche zu subsumieren.
Worum es mir geht, ist eine konsequente Nicht-Unterwerfung der Kirche unter die Gesetze des allgegenwärtigen Gossen-Journalismus mit seiner Skandal-Sucht. Gegen Bischof TvE liegen im wesentlichen zwei Vorwürfe auf dem Tisch:
Dass mir die im Geld schwimmende (und u.a. aus diesem Grund überall lustig vor sich hin bauende) deutsche Kirche durchaus im Magen liegt, habe ich an dieser Stelle schon mehrfach zum Ausdruck gebracht. Und ich habe keinen Grund Bischof Tebartz van Elst nicht unter diese deutsche Kirche zu subsumieren.
Worum es mir geht, ist eine konsequente Nicht-Unterwerfung der Kirche unter die Gesetze des allgegenwärtigen Gossen-Journalismus mit seiner Skandal-Sucht. Gegen Bischof TvE liegen im wesentlichen zwei Vorwürfe auf dem Tisch:
- Eine Indienreise Erster Klasse (und dem medienprovozierten Kollateralschaden einer eventuell falschen eidesstattlichen Erklärung)
- Ein offensichtlich aus dem Ruder gelaufenes Bauprojekt in seinem Bistum
Zu Punkt 1: ich habe kein grundsätzliches Problem damit, dass ein Bischof Business Class (und mit einem Upgrade auch First Class) fliegt. Ein Bischof ist ein Bischof und wenn es sein Etat hergibt, kann er das so handhaben. Ich finanziere ihm das via Kirchensteuer gerne - ich muss ja auch Frau Merkel und Herrn Westerwelle ein eigenes Flugzeug bezahlen und der Finanzwelt auf dem Umweg der "Euro-Rettung" ihre Spekulations-Exzesse. Dann doch lieber einem Bischof einen standesgemäßen Flug. Der aktuelle Hype um den franziskanischen Papst Franziskus geht mir ziemlich auf die Nerven. Der Papst hat - wie der Bischof - ein Amt, zu diesem gehört eine bestimmte Form der Repräsentation und ich bin zufrieden, wenn das Amt ordentlich ausgeübt wird. Kombiniert sich diese ordentliche Amtsführung mit einer vorbildlichen Lebensführung, freue ich mich. Eine solche Lebensführung werde ich aber nicht an Symbolhandlungen festmachen - das ist mir zu billig.
Dass sich Bischof TvE in der Abwehrschlacht gegen die seinerzeitige Medienkampagne eventuell zu einer unklugen eidesstattlichen Erklärung hat hinreißen lassen, bedauere ich. Besser wäre es gewesen, sich mit diesen Galgenvögeln auf einen juristischen Streit gar nicht erst einzulassen. Aber das ist sicher leichter gesagt, als in der konkreten Situation getan.
Zu Punkt 2: Bezüglich es Bauprojektes fehlen mir Informationen, die für eine solide Meinungsbildung nötig wären. Deshalb begrüße ich die Prüfung des ganzen Vorhabens durch Experten und warte den entsprechenden Bericht gerne ab. Sollte sich tadelnswertes ergeben, dann kann der Bischof getadelt werden. Sollte er in diesem Zusammenhang Rechtsbrüche begangen haben, kann es auch zu Sanktionen kommen. Eine direkte oder indirekte Amtsenthebung auf der Basis von "wir sind doch jetzt alle so franziskanisch" halte ich weder für angebracht, noch für kirchenrechtlich möglich.
Das Bild, das ich mir zur Zeit von den Anklägern des Bischofs machen kann, fällt reichlich erbärmlich aus: renitente Diözesanpriester, die den "konservativen" Bischof seit Jahren los sein wollen; ein erfahrungsgemäß ferngesteuerter Journalist in der Zeitung mit den klugen Köpfen, der eine Hasstirade nach der anderen loslässt; Aufsichtsratsmitglieder, die allzu durchschaubar ihre eigene Haut retten wollen; ein DBK-Vorsitzender, der mit dem Papst reden will (worüber, in welcher Eigenschaft und mit welchem Recht?) - nein, das ist alles nicht besonders beeindruckend.
Wer in der Drecks-Journaille unserer Tage als "Protz-Bischof", "Skandal-Bischof", "Prass-Prediger", etc. hingerichtet wird, hat zunächst einmal meine Solidarität. Wer von SPIEGEL, FOCUS, BILD und Konsorten in dieser Weise als Feinbild identifiziert und verprügelt wird, kann eigentlich nicht völlig falsch liegen. Sollten echte Vergehen zum Vorschein kommen, wird man weitersehen.
Es sei nur ganz am Rande noch erwähnt, dass besagte Journaille den neuen Papst so sehr liebt, weil er für eine "barmherzige Kirche" einzutreten scheint. Wer gleichzeitig vollkommen enthemmt eine maximal unbarmherzige Hetzjagd auf den Skalp eines Bischofs dieser Kirche betreibt, kann auf meine Sympathie lange warten.
Donnerstag, 10. Oktober 2013
Soviel zum Thema "Lügen-Bischof"
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| Der Große Vorsitzende hält seine Mitbrüder zum Narren |
Interessant ist eine Formulierung in der zugehörigen KNA-Meldung:
"Zollitsch betont in dem Brief an seine Amtsbrüder, das Freiburger Papier sei ohne sein Wissen vorab veröffentlicht und in den Medien meist zugespitzt und vereinfachend dargestellt worden."Na, dann gehen wir der Historie des Dokumentes doch einmal etwas nach. Es geht zurück auf eine entsprechende Forderung der Freiburger Diözesanversammlung im Rahmen des bistumsinternen Dialogprozesses. In einer Stellungnahme, die der Bischof am Ende der Diözesanversammlung am 28. April 2013 abgegeben hat und die auf den Internet-Seiten des Bistums erreichbar ist, lesen wir:
Für den Umgang mit wiederverheiratet Geschiedenen bin ich intensiv im Gespräch mit den Räten. Diözesanfamilienseelsorger Michael Schweiger und Domdekan Andreas Möhrle habe ich beauftragt, eine Handreichung zu erarbeiten. In der entsprechenden Themengruppe wurde bereits davon berichtet.Es handelt sich bei der "Handreichung" also um eine Auftragsarbeit des Seelsorgeamtes für den Erzbischof höchstpersönlich. Diese Handreichung ist auch nicht zufällig "vorab veröffentlicht" worden, sondern ganz offiziell den Seelsorgern des Erzbistums zugestellt worden. Auch das können wir der Website des Erzbistums entnehmen (auch wenn sich dort seit kurzem die Handreichung selbst nicht mehr zum Download findet):
Das Seelsorgeamt der Erzdiözese hat dazu Empfehlungen veröffentlicht, die seit Anfang Oktober als Handreichung allen Seelsorgern vorliegen. Den Seelsorgerinnen und Seelsorgern, die Paare bei Trennung, Scheidung oder einer zivilrechtlichen Wiederheirat begleiten, soll diese Handreichung als Orientierung dienen - für die Seelsorge-Praxis in den kommenden Jahren.Wir sollen nun also dem Herrn Erzbischof von Freiburg glauben, dass eine offizielle Handreichung des Seelsorgeamtes seines Bistums zu einem hochbrisanten Thema, die er persönlich in Auftrag gegeben hat, ohne sein Wissen auf der Website seines Bistums veröffentlicht und an alle Seelsorger versendet wurde (mit dem Hinweis, dies sei nun für die "kommenden Jahre" offiziell).
Wer soll einen solchen Blödsinn bitte glauben?
Der Bischof hat das alles alleine gemacht ...
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| Das diözesane Zentrum am Limburger Domberg |
Das ist natürlich alles Nonsens. Gebaut hat das Bistum Limburg vertreten durch seine entsprechenden Experten, allen voran der Leiter des diözesanen Bauamts, und unterstützt durch eine Vielzahl von Mitarbeitern, Architekten und Baufirmen.
Wer sich ein Bild von der Historie des Projektes, seinen Grundgedanken und seinen Herausforderungen machen möchte, kann hier ein Video anschauen.
Mittwoch, 9. Oktober 2013
Limburg und München
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| Palais Marx |
Wie man sich erinnert, wohnte Erzbischof Marx nach seiner Ernennung zunächst im Schwabinger Schloss Suresnes, da seine Residenz, das Palais Holnstein zunächst für mehr als 8 Millionen Euro renoviert wurde. Diese hohen Kosten wurden natürlich nicht für die Renovierung der Privatwohnung des Bischofs ausgegeben, sondern durch die Erfordernisse des Denkmalschutzes verursacht; ganz analog zum Diözesanen Zentrum in Limburg.
Parallel erwarb des Erzbistum für knapp 10 Millionen Euro in Rom eine Villa als eine Art "Ständige Vertretung des Erzbistums beim Heiligen Stuhl. Auf Vorhaltungen der Presse über den "Palazzo Marx" reagierte der Bischof verärgert und ließ durch seinen Pressesprecher mitteilen, das Haus sei keineswegs eine Privatwohnung für den Kardinal, sondern stehe auch dem Domkapitel, Mitarbeitern des Ordinariates und der Laienräte" zur Verfügung. Na dann! Überhaupt sei des dazu da, "den engen Dialog mit dem Vatikan zu pflegen". Angesichts der Berufung von Kardinal Marx in den franziskanischen Reformachter also keine Verschwendung, sondern sehr gut angelegtes Geld!
Ach ja, das Erzbistum legte beim Erwerb der römischen Residenz großen Wert darauf, dass für den Ankauf keine Kirchensteuergelder zum Einsatz kamen, sondern Mittel aus dem Vermögen der Erzdiözese - ganz analog zur Kasse des Bischöflichen Stuhls in Limburg, die für das "Diözesane Zentrum" herhalten muss.
Limburg - eine Schmierenkomödie
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| Der Bischofsjäger von Frankfurt |
Bezüglich des Bauprojektes, an dem sich die Kritik keineswegs entzündet hat, sondern das nur ihr öffentlichkeitswirksamer Treibsatz ist, gab es ebenfalls klare Vereinbarungen: die Unterlagen des Projektes inkl. aller Kosten werden einer Kommission der Bischofskonferenz zur Prüfung vorgelegt. Die Ergebnisse werden veröffentlicht.
Ganz offensichtlich befürchten die TvE-Kritiker, dass am Ende dieses Verfahrens nicht jene Sensation stehen könnte, die man als Grund für eine "Entfernung" des Bischofs gerne hätte. Daher wird nun auf der Basis der veröffentlichten Gesamtkosten-Zahl (31 Millionen) das "finale Medienfeuerwerk" gezündet. In vorderster Front die FAZ und der unsägliche Herr Deckers.
Da sind also zweistellige Millionenbeträge aus dem Sondervermögen des sog. "Bischöflichen Stuhls" über mehrere Jahre hinweg in das Projekt geflossen und Schuld ist alleine der Bischof. Die Mitglieder des Aufsichtsrates des Sondervermögens treten skurriler Weise nun als Hauptbelastungszeugen auf und stellen sich selbst als Opfer eines "raffinierten Betrügers" dar. Als ob es nicht ggfs. ihre Aufgabe gewesen wäre, so genau zu prüfen, dass ein solcher "raffinierter Betrug" nicht möglich ist. Natürlich sagen sie nicht, wie dieser Betrug vonstatten gegangen sein soll - und natürlich werden sie von der Deckers-Bande auch nicht nach solchen überflüssigen Details befragt. Sie erfüllen ihre Funktion bei der Bischofs-Hatz und können darauf hoffen
Zum Glück ist Herr Deckers dumm genug, seine Motivation (oder die seiner Auftraggeber) klar zu benennen:
"Wenn Papst Franziskus nicht nur mit Worten für eine Reform der Kirche zum Heil der Seelen stritte, könnte er ihnen mit der Absetzung des Bischofs von Limburg und bei der bevorstehenden Ernennung mehrerer neuer Bischöfe bald Taten folgen lassen".Darum also geht es: einen missliebigen konservativen Bischof loswerden und damit auch gleich ein Zeichen setzen für die anstehenden Neubesetzungen in Köln und Freiburg. Nichts Neues also unter der deutschen Katholikensonne: Politik der primitivsten Sorte. Das ganze natürlich zum "Heil der Seelen". Man kann gar nicht soviel fressen, wie man angesichts dieser Heuchelei kotzen möchte.
Herr Deckers ist nicht nur dumm, er ist auch über alle Maßen eitel. Daher muss er in seinem "Kommentar" auch noch einmal den Skalp vorweisen, den er vor Jahren seinen Hinterleuten stolz präsentiert hat: Walter Mixa. Leider ist Theodor noch nicht senil genug, um sich angesichts der Formulierung "des zunehmend amtsunfähigen Augsburger Bischofs" nicht die Augen zu reiben. Wurde der damals nicht wegen angeblicher Mißhandlungen, des Mißbrauchs von Seminaristen und dubioser finanzieller Transaktionen zur Strecke gebracht? Richtig, alle diese Vorwürfe haben sich in der Folge in Luft aufgelöst. Da ist es doch besser, sich auf die seitdem in kirchlichen Kreisen gestreute Variante des permanent Volltrunkenen zu beziehen.
Schauen wir einmal, ob Papa Buenasera auch schön brav das macht, was die deutschen "Reformkatholiken" zum "Heil der Seelen" von ihm erwarten ...
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