Dienstag, 21. August 2012

Hl. Pius X. - der Programmpapst

Alles in Christus erneuern
Da der Hl. Papst Pius X. nicht nur der Patron einer abtrünnigen Priesterbruderschaft ist (nein, er hätte dafür kein Verständnis gehabt!), sondern auch unsere Tochter Pia am 21. August Namenstag feiert, spielt er in unserer Familie seit langem eine besondere Rolle.

Lässt man einmal das dumme Gerede beiseite, das die heutige "Mainstream-Meinung" über Giuseppe Sarto prägt (wer es sich unbedingt antun will, der lese hier), entdeckt man eine wirklich beeindruckende Persönlichkeit.

Da ist zunächst der atemberaubende Weg vom Sohn eines Postboten in einer italienischen Kleinstadt bis zum "Diener der Diener Gottes": zwar hatte es schon im 18. und 19. Jahrhundert den einen oder anderen "Bürgerlichen" auf dem Stuhl Petri gegeben - ein Papst aus dem "Prekariat" war dennoch etwas ganz Neues, auch wenn Giuseppe Sarto seine "niedere Herkunft" im Laufe der Jahre in einen "geistlichen Adel" transformiert hatte. So beschreibt ihn der franz. Kultusminister Chaumié wie folgt:
"Er ist ein Mann von großer persönlicher Anziehungskraft und eine glänzende Erscheinung . ein offenes Antlitz, aus dem Entschiedenheit spricht, die jedoch durch die Augen gemildert ist . aus ihnen leuchtet der Glanz ewiger Jugend. Jedes Sich-zur-Schau-stellen liegt ihm fern; er hat aber auch nichts Serviles an sich. Seine Umgangsformen ... sind vollendet, es sind die eines Mannes, der vollkommen Herr seiner selbst ist".
Betrachtet man seine auffallend symmetrische kirchliche Laufbahn (8 Jahre Seminar, 9 Jahre Kaplan, 8 Jahre Pfarrer, 9 Jahre Domherr und Kapitelvikar, 10 Jahre Bischof von Mantua, 10 Jahre Patriach von Venedig, 11 Jahre Papst) etwas genauer, findet man das Paradebeispiel eines "Master-Plans". Selten zuvor und auch kaum danach hat ein Stellvertreter Christi vom ersten Tages seines Pontifikates an ein so klares, auf den verschiedenen Stationen seines bisherigen Wirkens erprobtes Programm gehabt, das er noch dazu auf einen einfachen Nenner zu bringen wusste. In seiner Antritts-Enzyklika "E supremi apostolatus cathedra" schreibt er:
"Gestützt auf die Kraft Gotttes verkünden wir, daß Wir für Unser Pontifikat kein anderes Programm kennen als das, alles zu erneuern in Christus, damit Christus alles und in allem sei".
Mit großer Kraft und Disziplin (zum Zeitpunkt seiner Wahl war er fast 70 Jahre alt) hat Pius X. dieses Programm in die Tat umgesetzt: die Erneuerung des liturgischen und sakramentalen Lebens (participatio actuosa: ihr sollt nicht in der Messe, sondern die Messe beten) der Gläubigen, die Reform des Kirchenrechtes, die Herausgabe eines Katechismus, die Stärkung der Katholischen Aktion, die Reform der Kurie, die Verbesserung der Priesterausbildung, die Gründung des Päpstlichen Bibelinstituts - die Liste ließe sich fast beliebig fortsetzen. Wer sich einen Rest an gutem Willen bewahrt hat, wird es angesichts dieses Reformprogramms nicht mehr fertigbringen, das Pontifikat des Sarto-Papstes auf die Bekämpfung des Modernismus zu verengen.

Ein besonderes Augenmerk hatte Pius X. auf die Förderung der "Katholischen Aktion", der ersten großen Laienbewegung des 20. Jahrhunderts. Sie ist gleichzeitig ein Musterbeispiel für die Tatsache, dass der Papst seine Reformbemühungen nicht auf dem Stuhl Petri begonnen, sondern bereits in seiner Zeit als Bischof von Mantua und Patriarch von Venedig umfassend erprobt hatte. Von der von ihm gewünschten Mitarbeit der Laien in den Pfarreien besaß er daher eine klare Vorstellung, dier er 1895 anläßlich einer Versammlung der "Opera dei Congressi Cattolici" so formulierte:
"Nur ein einziges Wort sage ich, um nur eines zu empfehlen: die Tat. Wir wollen nicht große Reden halten; das Geschwätz überlassen wir den Politikern. Uns geht es um Taten. Die Mitglieder der Pfarrausschüsse müssen die Mitarbeiter des Pfarrers sein, müssen ihn in seiner priesterlichen Tätigkeit unterstützen, im Religionsunterricht, in der Leitung der Jugendorganisationen, bei der Wiederherstellung von Frieden und Eintracht in den Familien [...] Wir wollen arbeiten, aber ohne zeitliche Vorteile zu erstreben, ohne private Interessen zu verfolgen, ohne persönlichen Ehrgeiz. Wir wollen unsere Pflichten Gott, dem Nächsten und uns selbst gegenüber untadelig erfüllen".
Klingt das nicht erstaunlich aktuell?




Montag, 20. August 2012

Bischof Erster Klasse

First Class Bishop
Und wieder das gute alte Sommerloch: Dem SPIEGEL ist es eine Schlagzeile wert, dass Bischof Tebartz-van Elst erster Klasse nach Indien gereist ist. Faktisch handelte es sich wohl um ein Upgrade auf der Grundlage von Bonusmeilen, die der mitfliegende Generalvikar zur Verfügung stellte. Da als Zweck der Reise der "Besuch sozialer Projekte" genannt wurde, ist es für das führende Organ des deutschen Qualitätsjournalismus natürlich Ehrensache, die Distanz zwischen dem "Luxus-Reisenden" Bischof und den Nutznießern besagter Hilfsprojekte genüßlich auszuwalzen. Im Kommentarbereich kann man sich dann vergewissern, dass genügend Menschen auf derlei Futter nach dem Modell "Pawlow" reagieren.

Besonders niederträchtig ist in dem "Bericht" die folgende Passage:
Katholiken in seinem Bistum kritisieren Tebartz-van Elst wegen des Umgangs mit dem Vermögen der Kirche. Die Kritik entzündete sich bislang insbesondere am neuen Bischofssitz direkt neben dem Limburger Dom, der mindestens 5,5 Millionen Euro kostet. Der Baukomplex besteht neben einem Wohnhaus unter anderen aus einer Privatkapelle für Tebartz-van Elst, Gäste- und Empfangsräumen, Wirtschaftsräumen, einer Bibliothek und einem eigenen Raum zur Aufbewahrung von Reliquien.
Der "neue Bischofssitz", der hier als bischöfliches "Wohnhaus" mit angegliederten Räumen firmiert, ist in Wirklichkeit das "Diözesane Zentrum St. Nikolaus": eine Kombination aus dem Arbeitsbereich der engsten Mitarbeiter des Bischofs, Konferenz- und Empfangsräumen sowie einer Kapelle. Bischof Tebartz-van Elst bewohnt im rückwärtigen Teil des Gebäudekomplexes eine 3-Zimmer-Wohnung ("kombiniertes Wohn- und Esszimmer neben der Küche" und ein Schlafzimmer mit angrenzendem Bad).

Liebe Kollegen vom SPIEGEL: Man kann ja über alles reden, z.B. auch über die Angemessenheit oder Nicht-Angemessenheit von Erster-Klasse-Flügen bei Bischöfen. Die bösartige Verdrehung aller Fakten in obiger Passage zeigt aber leider mal wieder: eine sachliche Diskussion ist beim Thema "Kirche" das Letzte was ihr wollt ...

Montag, 13. August 2012

Katholisches Sommerloch

Der Gipfel der Gipfelkreuze
Touristen aus arabischen Ländern sind in Bayern gerngesehene Gäste. Besonders auf dem höchsten Berg Deutschlands scheint man an dieser Besuchergruppe interessiert - und zu manchem Zugeständnis bereit zu sein. So berichtete kath.net, die Betreibergesellschaft der Zugspitzbahn habe aus Prospekten für den arabischen Raum das Gipfelkreuz "herausretuschiert", um Gäste mit muslimischem Glaubenshintergrund nicht unnötig zu verschrecken. 

Nun ja, ganz so wild scheint es nicht zu sein - retuschiert hat man wohl nicht, sondern für die entsprechenden Projekte Bildmaterial ohne Gipfelkreuz ausgewählt. Angesichts der Tatsache, dass es selbige Betreibergesellschaft war, die vor einiger Zeit besagtes Kreuz neu hat vergolden lassen, muss man wohl nicht gleich das christliche Abendland im Sommerloch versinken sehen. Man wird wohl eher schmunzeln bei der Vorstellung, wie verstört der geneigte Moslem dreinschauen wird, wenn er am Ziel seiner Reise ankommt und dann doch unter dem Zeichen des Kreuzes das Panorama genießen muss.

Aber auch für diesen Fall haben die Tourismus-Manager schon seit längerem vorgesorgt. Kann sich der so hereingelegte Mohammedaner doch an Ort und Stelle in einen passenden Gebetsraum zurückziehen, der vor 2 Jahren für seinesgleichen eingerichtet wurde, damit er in luftiger Höhe sein Stundengebet verrichten kann. 

Sollte ihm die ganze Sache - trotz zahlreicher arabischer Spezialitäten auf der Speisekarte des Plattformrestaurants - doch auf den Magen schlagen, kann er sich auf ein, seinen speziellen kulturellen Bedürfnissen angepasstes, stilles Örtchen begeben. Dort muss er sich nicht mit Toilettenpapier herumschlagen, sondern darf sich der alternativ zur Verfügung gestellten Duschbrause bedienen. 

Da sage noch einer, der Bayer habe nicht ein feines Näschen für multikulturelles Entgegenkommen oder verweigere sich bockbeinig den Erfordernissen der politischen Korrektheit im Umgang mit Minderheiten.

Nein, der Bayer ist seit eh und je weltoffen - es waren Preußen, die die seinerzeitige "Toiletten-Eröffnung" alarmistisch und äußerst unfein als "Halal Kacken" verunglimpft haben.


 

Forever my Pope ...

Robert Spaemann erzählt in dem vor kurzem erschienenen - und in jeder Hinsicht lesenswerten -  autobiographischen Gesprächsband "Über Gott und die Welt" von einer Begegnung mit Johannes Paul II. in Castel Gandolfo. Bei dieser Gelegenheit sprach der Papst über die Frage der Allerlösung - im vollen Bewußtsein, dass ihm diese Irrlehre von den Lord-Siegel-Bewahrern der katholischen Rechtgläubigkeit unterstellt wurde.

Spaemann berichtet:
So kam er von sich aus auf dieses Thema zu sprechen. Er sagte ungefähr: "Wie ist die Lehre von der ewigen Hölle, also die Lehre von Gotte sGerechtigkeit, vereinbar mit seiner allmächtigen Güte?" Hier rekurrierte der Papst auf das thomistische Lehrstück über die Eigenschaften Gottes. Er sagte dem Sinne nach: Wir müssen Gott verschiedene positive Eigenschaften zuschreiben, so die Gerechtigkeit, so die Barmherzigkeit. Es sind dies für uns zwei verschiedene Eigenschaften. Ein Mensch kann die eine der beiden besitzen, ohne die andere zu besitzen. In Gott gibt es keine Pluralität von Eigenschaften. Sein Wesen ist einfach. Nur wir sehen das Licht gebrochen in die Regenbogenfarben. Das bedeutet: Gerechtigkeit und Barmherzigkeit sind in Gott nicht zwei verschiedene Eigenschaften. Wir können uns aber die Identität dieser beiden Eigenschaften nicht vorstellen. Wir können sie lediglich denkend postulieren.
Was aber bedeutet das konkret? (Der Papst sprach übrigens deutsch). "Es bedeutet", so sagte er, "dass Gott am Ende jedem Menschen im Tiefsten seines Wesens gerecht werden wird. Und das ist sowohl seine Gerechtigkeit wie seine Barmherzigkeit". Er beendete das Gespräch mit den Worten: "Viele Fragen, wenig Antworten".
Man sieht beim Lesen dieser letzten Worte das spitzbübische und zugleich weise Augenzwinkern von JP II vor sich. Was für ein Theologe ...

Mittwoch, 8. August 2012

Die schiefe Bahn

Die CDU streitet angeblich über das Ehegatten-Splitting für schwule Lebensgemeinschaften. Angeblich deshalb, weil jeder der Beteiligten weiss, dass diese Position nicht zu halten ist und die CSU lediglich einmal wieder versucht, sich ihrer konservativen Wählerschaft anzuempfehlen. Konservativ heißt hier nach bester CSU-Manier: "Wir machen jede gesellschaftliche Fehlentwicklung mit - nur einige Monate später als alle anderen". 

Das Vorenthalten des Ehegatten-Splittings für Lebensgemeinschaften ist in dem Kontext, den die konservative "C"-Partei trägt und mit herbei geführt hat, auch sachlich nicht haltbar. Es ist eine "Ungleichbehandlung" und die wird das Verfassungsgericht nicht durchgehen lassen. Dass es sich nur dann um eine "Ungleichbehandlung" handeln würde, wenn Ehe und schule Lebensgemeinschaft das Gleiche wären, wird diese Logik nicht aufhalten können. Denn "faktisch" sind Ehe und Lebensgemeinschaft das Gleiche, da die Lebensgemeinschaft sich von der Ehe in 90% aller wesentlichen Punkte vor dem Gesetzt nicht mehr unterscheidet. Wie dann die letzten 10% verteidigen?

Solche Nachhutgefechte sind peinlich: erstens verliert man sie und zweitens argumentiert man nicht mehr konsistent, weil man das Hauptgefecht nicht mehr führt. Bei diesem würde es um die Ehe, ihr (vorstaatliches) Wesen und ähnliche Dinge handeln. Aber dieses Hauptgefecht hat man eben preisgegeben. Der Rest geht nach dem Gesetz der schiefen Bahn dahin.

Die nächste "Grundsatzdebatte" steht übrigens schon vor der Tür: das Adoptionsrecht für homosexuelle Lebensgemeinschaften. Auch dieses Gefecht kann man sich sparen, weil man es ebenso verlieren wird. Das liegt daran, dass man sich - auch bei der CSU - längst auf die Definition "Wo Kinder erzogen werden, da ist Familie" eingelassen hat. Warum sollte also "Schwuchtel + Schwuchtel + Adoptivkind" nicht eine Familie sein können? Dagegen würden wieder nur naturrechtliche Argumente helfen. Da man sich diese beim Themenkomplex "Ehe und Familie" längst hat aus der Hand schlagen lassen, wird man mit ihnen in der öffentlichen Debatte keinen Blumentopf mehr gewinnen können - man argumentiert ja wieder inkonsistent.

So wird die kranke Politik der "Homo-Gleichstellung" also weiter gehen bis zum bitteren Ende. Eine "konservative" Partei, die sich dagegen einigermaßen glaubwürdig zur Wehr setzen könnte, gibt es im Spektrum der Bundesrepublik nicht mehr. Das können auch die angesprochenen Nachhutgefechte nicht verschleiern.

P.S.: Nein, die Verwendung des Ausdrucks "Schwuchtel" ist nicht unchristlich und lieblos. Ich respektiere Homosexuelle durchaus. Wer allerdings so etwas Menschenverachtendes wie die Adoption von Kindern durch homosexuelle Paare fordert, der verdient keine Argumente mehr, sondern Abscheu. Zur Kennzeichnung derselben dient besagter Ausdruck. Auch wenn es nichts helfen wird ...

Samstag, 21. Juli 2012

Beschneidung

Mit oder ohne - das ist hier die Frage
Die Diskussion um die Rechtmässigkeit der Beschneidung trägt alle pathologischen Symptome, die öffentliche Diskussionen in Deutschland regelmässig annehmen, wenn das Thema "Religion" oder "Weltanschauung" tangiert sind.

Mal vorab: ich halte die rituelle Beschneidung von Knaben für überflüssig, wie die meisten rituellen Vorschriften von Religionen. Das liegt daran, dass wir zuhause Christen sind: unser Sohn ist nicht beschnitten, wir essen Schweinefleisch, achten nicht auf die Trennung von Fleischigem und Milchigem, Frau und Töchter gehen zyklusunabhängig in den Gottesdienst, etc. Für mich sind die entsprechenden Regelungen des Alten Testaments religiös überformte kulturelle Übereinkünfte, die in der Regel einen praktischen Hintergrund hatten (z.B. denjenigen der Sicherstellung von Hygiene oder der Abgrenzung von religiösen Praktiken anderer Bevölkerungsgruppen). Um dies im 21. Jahrhundert für einen unumgänglichen Willen Gottes zu halten, muss man meines Erachtens ein Problem mit dem Zueinander von Religion und Vernunft haben - um es einmal zurückhaltend zu formulieren. Aber das ist nur meine Privatmeinung. Grundsätzlich achte ich die religiösen Gewohnheiten anderer Menschen - und seien sie noch so skurril.

Nun kann man sich der ganzen Beschneidungs-Causa juristisch nähern und dann landet man natürlich prompt bei den "Menschenrechten" - darunter tun gerade wir Deutschen es nicht. Es gibt für uns eigentlich gar keine Frage, die man nicht auf dieser Ebene diskutieren könnte, ja geradezu müsste. Heraus kommen dann kluge Artikel, wie der von Bettina Röhl im SPIEGEL: "Plädoyer für das Grundgesetz". Man merkt gleich: es geht ums Ganze! Zunächst muss die Angelegenheit angesichts der Bemühungen des Bundestages, sie auf dem kleinen, gesetzgeberischen Dienstweg aus der Welt zu schaffen, erst einmal auf das richtige Niveau ("Grundgesetz"!) gehoben werden:
Der Bundestag könnte allerdings zu viel versprochen haben, wenn er Abhilfe mit einem einfachen Gesetz in Aussicht stellt. Denn es könnte, wenn die Beschneidung nicht nur gegen ein Strafgesetz, sondern unmittelbar gegen das Grundgesetz verstieße, einer nicht ganz unproblematischen Verfassungsänderung bedürfen.
Geht's noch? Die Beschneidung soll unmittelbar gegen das Grundgesetz verstossen, wenn ein entsprechendes Gesetz sie erlaubt? Ist die Dame des Lesens mächtig? Artikel 2 des Grundgesetzes - und nur auf diesen könnte man sich ja berufen - lautet:
Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Die Freiheit der Person ist unverletzlich. In diese Rechte darf nur auf Grund eines Gesetzes eingegriffen werden.
Aber lassen wir Frau Bettina Röhr ruhig weiter die Grundrechte abwägen. Letztlich krankt die ganze Diskussion an der Einordnung der Beschneidung in die Kategorien "körperliche Schädigung" oder gar "Verstümmelung". Das ist aber offensichtlich Unfug. Was Eltern tun, die ihren Sohn beschneiden lassen, ist schlicht die Wahl einer Option:
  1. Penis mit Vorhaut
  2. Penis ohne Vorhaut
Für beide Optionen gibt es gute Gründe und beiden Optionen ist eines gemeinsam: die beiden Hauptfunktionen des entsprechenden Organs können ohne Einschränkungen ausgeübt werden. Also nichts mit  "Verstümmelung" und nichts mit "körperlicher Schädigung".

Eltern dürfen ihrem Sohn auch die Ohren etwas näher an den Kopf rücken lassen, wenn sie sie für "abstehend" halten. So manche Mutti lässt dem Töchterchen im zarten Alter bereits Löcher für Ohrringe stechen. Kein Problem, weil der Eingriff nicht übermässig riskant ist und die Ohren weiterhin prima funktionieren.

Niemand käme auf die Idee, in diesen Fällen von Menschenrechten zu schwafeln oder die Berechtigung der Eltern in Zweifel zu ziehen, in dieser Weise Entscheidungen für das Kind zu treffen.

Also, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger: einfach Luft ab- und die Kirche im Dorf lassen. 







Freitag, 20. Juli 2012

Die Bruderschaft tritt nach

Federico Lombardi
Pressesprecher des Vatikans
Der Vatikan hat auf die Erklärung des Generalkapitels der FSSPX reagiert. Das Vatikanische Presseamt liess verlautbaren:
Das Generalkapitel der Priesterbruderschaft St. Pius X., welches kürzlich zu Ende ging, hat eine Erklärung veröffentlicht, welche auf die Möglichkeit einer kanonischen Normalisierung der Beziehungen der Bruderschaft und des Heiligen Stuhls Bezug nimmt. 
Obwohl sie veröffentlicht wurde, bleibt die Erklärung vorrangig ein internes Dokument, welches für die Mitglieder der Bruderschaft zu Studien- und Diskussionszwecken dient. [tale Dichiarazione rimane anzitutto un documento interno, per lo studio e la discussione fra i membri della Fraternität.] 
Der Heilige Stuhl hat die Erklärung zur Kenntnis genommen, erwartet aber in Kürze eine offizielle Mitteilung der Priesterbruderschaft bezüglich der Fortführung des Dialogs zwischen der Bruderschaft und der Päpstlichen Komission 'Ecclesia Dei'.
Die Botschaft ist deutlich: Der Vatikan erwartet gemäß den Regeln des vereinbarten Gesprächsprozesses eine Antwort der FSSPX auf den zuletzt übermittelten Text eines Einigungsdokumentes und ist nicht bereit, schwülstige öffentliche Deklarationen des Generalkapitels als Ersatz für eine solche direkte und nicht-öffentliche Antwort zu akzeptieren. Entsprechend wird die öffentliche Erklärung des Generalkapitels als internes Dokument der FSSPX eingestuft, nicht als Teil des Gesprächsprozesses.

Die Bruderschaft hat auf diese vatikanische Mahnung sofort im Stile der wiedergefundenen "Einigkeit in der Unverschämtheit" reagiert und dem Vatikan vorgeworfen, seine Stellungnahme werde der Deklaration des Generalkapitels "nicht gerecht", verbunden mit einem Seitenhieb auf angebliche anti-autoritäre Gepflogenheiten "moderner Theologen".

Die Botschaft ist klar: die FSSPX hat für sich den vertrauten, nichtöffentlichen Gesprächsprozess mit Rom suspendiert und kehrt zurück zur öffentlichen Agitation.

Fast möchte man meinen, die Bruderschaft bettele nun durch Provokationen um die erneute Exkommunikation - hierfür spricht auch ein Text des französischen Distriktoberen, der vor einigen Tagen an die Öffentlichkeit gelang.

Der soziologische Mechanismus ist simpel und von totalitären Systemen her wohl bekannt: man benötigt den Druck von außen in Form einer konstruierten und provozierten Verfolgungssituation, um den Druck im inneren zu kompensieren, den eigenen "Laden" zusammenzuhalten und die Anhängerschaft zu binden.

Es ist bitter, aber es führt kein Weg an der Einsicht vorbei, dass die FSSPX soziologisch von fundamentalistischen muslimischen Gruppierungen kaum zu unterscheiden ist.

Donnerstag, 19. Juli 2012

Die Reihen fest geschlossen

Das stehen Sie und können nicht anders ...
Die Piusbruderschaft hat heute die bereits angekündigte Erklärung zu den Ergebnissen des jüngsten Generalkapitels veröffentlicht. Wie nach den letzten Signalen nicht anders zu erwarten, hat man sich gegen die weitere Verfolgung der Einigungsbemühungen entschieden.

Diese Entscheidung ist in dem - gewohnt verschwurbelten - Text etwas verklausuliert, aber letztlich doch ganz eindeutig:
"So harrt sie [die Bruderschaft] dem Augenblick entgegen, da eine ernste, offene Disputation möglich sein wird, die auf eine Rückkehr der kirchlichen Autoritäten zur Tradition abzielt".
Wir erinnern uns: die Kompromisslinie, die sich zwischen dem Vatikan und der Leitung der Bruderschaft angebahnt hatte, beruhte letztlich auf einer Ausklammerung der eigentlichen dogmatischen Differenzen - bruderschaftsintern war dies als eine "rein praktische" Lösung bezeichnet und von den Führern der interne Opposition (darunter drei der vier Weihbischöfe und der einflussreiche französische Distriktobere) bekämpft worden.

Nachdem die Glaubenskongregation zuletzt darauf bestanden hatte, dass ein Einigungspapier wenigstens einige minimale dogmatische Zugeständnisse bzgl. der Lehren des II. Vatikanums enthalten müsste, hat der Generalobere Fellay diese Gelegenheit genutzt, die Reihen wieder zu schließen. Dies ist letztlich konsequent und nachvollziehbar, da sein "Laden" kurz vor dem Auseinanderbrechen stand.

Wenn die Bruderschaft nun in der oben zitierten Passage schreibt, man harre auf die Möglichkeit einer ernsten Disputation, so ist dies die Absage an die "rein praktische Lösung" und die Rückkehr zur inhaltlichen Kontroverse.

Um ganz deutlich zu machen, wie die Dinge stehen, wird als Ziel einer solchen Disputation die "Rückkehr der kirchlichen Autoritäten zur Tradition" benannt. Im Klartext: eigentlich ist "Rom", "die Konzilskirche", etc. im häretischen Schisma und die allein-wahre Bruderschaftskirche wartet auf deren Bekehrung. Nichts Neues unter der Sonne, sondern die üblichen Unverschämtheiten.

Um auch die Genossinnen und Genossen in den Pius-Gemeinden hinreichend auf das nun Kommende (die Erneuerung des Bruchs mit Rom) einzuschwören, enthält die Erklärung noch eine peinliche Verbrämung der eigenen schismatischen Verstockung als Martyrium:
"Wir vereinigen uns mit den verfolgten Christen in den verschiedenen Ländern der Welt, die für den katholischen Glauben leiden, sehr oft sogar bis zum Martyrium".
Das ist unlogisch, verehrte Piusbrüder! Die allermeisten dieser verfolgten katholischen Christen stehen in voller Gemeinschaft mit den bösen "kirchlichen Autoritäten", die erst noch zur Tradition zurückkehren müssen - ja es gehören sogar zahlreiche dieser kirchlichen Autoritäten zu den Verfolgten. Sie erkennen das Vaticanum II an. Sie feiern die Messe nach dem neuen Ordo (also wahrscheinlich nicht gültig). Sie haben mit "Märtyrern im Kampf gegen Rom" rein gar nichts zu tun.

Mittwoch, 18. Juli 2012

Jungfrau und Müller

P. Matthias Gaudron
"Glaubensgärtner" der Piusbruderschaft
Pater Matthias Gaudron führt den Titel "Dogmatiker der Piusbruderschaft" - ich frage mich immer, ob sich darin schlicht eine barocke Freude an Titeln ausdrückt oder die Bruderschaft auf diese Weise betonen will, dass es in ihren Reihen nur einen Priester gibt, der dieses Fach studiert hat. Meist lese ich dann einige Interviews verschiedener FSSPX-Granden und komme zu dem Ergebnis: es kann sich nur um Grund No 2 handeln.

Wie dem auch sei: Möchte die Bruderschaft eine Stellungnahme abgeben (oftmals in Form einer weiteren Fatwa gegen ein Mitglied des deutschen Episkopats) und hat dabei das Gefühl, das argumentative Niveau von kreuz.net überschreiten zu müssen, wird besagter Pater vorgeschickt (es handelt sich bei Matthias Gaudron übrigens um einen grundsympathischen Kerl, dem man jede Menge Humor zutraut).

Es war abzusehen, dass die Ernennung von Gerhard Ludwig Müller zum Präfekten der Glaubenskongregation ohne besagte Fatwa nicht abgehen würde und natürlich hat das gar nichts damit zu tun, dass Bischof Müller sich wiederholt erdreistet hat, die Bruderschaft daran zu erinnern, dass das Verhältnis katholischer Priestern (auch Vereinigungen solcher Priester) zu katholischen Bischöfen (besonders zuständigen Diözesanbischöfen) vom Gehorsam, dem "Schmiermittel" des kirchlichen Apparates göttlicher Ordnung, geprägt sein sollte.

Gerhard Ludwig Müller
"Glaubensbock" der römisch-katholischen Kirche
Auf jeden Fall hat Pater Gaudron dem frisch ernannten Präfekten (von kreuz.net, dem pervers-publizistischen Sprachrohr des Sedi-Flügels der Bruderschaft, flugs zum "Glaubensbock" gekürt) einige Häresien nachgewiesen, darunter auch seine angebliche Leugnung der "Virginitas in partu".

Erfreulicherweise hat sich in der Blogoezese - zu deren Vorzügen es gehört, dass es dort mehr als einen Dogmatiker gibt - gleich eine theologische Diskussion zu dieser Frage entwickelt. Während Pro Spe Salutis die einschlägigen Äußerungen Müllers für bedenklich hält, sieht sophophilo die Sache wesentlich entspannter. Kern des Disputes ist eine Passage in Müllers Dogmatik-Lehrbuch:
"Es geht nicht um abweichende physiologische Besonderheiten in dem natürlichen Vorgang der Geburt (wie etwas die Nichteröffnung der Geburtswege, die Nichtverletzung des Hymen und der nicht eingetretenen Geburtsschmerzen), sondern um den heilenden und erlösenden Einfluß der Gnade des Erlösers auf die menschliche Natur, die durch die Ursünde "verletzt" worden war. […] Der Inhalt der Glaubensaussage bezieht sich also nicht auf physiologisch und empirisch verifizierbare somatische Details".
Diese Formulierung ist in der Tat nicht ganz überzeugend, freilich aus ganz anderen Gründen als dies der Gaudronsche Handbuch-Positivismus vorgibt (man würde zu gerne einmal wissen, nach welchen Kriterien der Piusbruder das Verhältnis der gerade in dieser Frage durchaus unterschiedlichen Schwerpunktsetzungen der verschiedenen Autoren bestimmt und gewichtet! So einfach ist es mit "der Tradition" im Detail eben nicht!).

Es kann gar kein Zweifel bestehen, dass Müllers Aussage, der Kern der Glaubensaussage beziehe sich nicht auf physiologische Details, völlig richtig ist. Wir glauben, dass Maria "virgo intacta" war und dass dies eine Bedeutung im Heilsgeschehen hat - die physiologischen Details sind demgegenüber selbstverständlich zweitrangig. Spannend wird es auf der Ebene des Zueinanders dieser Ebenen. Denn weder darf aus der Zweitrangigkeit der physiologischen Details auf ihre völlige Bedeutungslosigkeit geschlossen werden (sie sichern die konkrete Glaubensaussage gegen eine Verdunstung ins Nichtssagend-Allgemeine), noch dürfen die Details für das Eigentliche gehalten werden, als wäre der Sinn von Glaubensaussagen das Mirakulös-Spektakuläre.

Die Schwäche von Müllers Formulierung liegt also gerade in der fehlenden Vermittlung dieser beiden Ebenen. Daher klingt seine Bestimmung des Inhalts der Glaubensaussage (der "heilende und erlösende Einfluß der Gnade des Erlösers auf die menschliche Natur") arg allgemein. Anders ausgedrückt: dieser Satz ist auch wahr in völliger Unabhängigkeit von der zur Diskussion stehenden Frage nach der "virginitas in partu".

Müller hätte gut daran getan, den einschlägigen Beitrag Karl Rahners zu Rate zu ziehen (Virginitas in partu", in: Schriften zur Theologie IV, Einsiedeln 1960, 173 ff.), der - als "defensor traditionis" (!) in Auseinandersetzung mit einer von ihm für unzureichend gehaltenen Abhandlung Albert Mitterers - genau diese Vermittlung der "Virginitas in partu" in das Heilsgeschehen vornimmt:
"Biblisch kann der gemeinte Ansatz so formuliert werden: Die konkrete Weise der Geburt erscheint nach dem Zeugnis der Schrift (Gn 3,16) als ein Vorgang, der (neben seiner menschlichen, positiven, gottgewollten Struktur und Sinnhaftigkeit) auch (an sich wie alles andere in der Welt) das Stigma der Sünde und des Todes als der durchgängigen Weltmächte an sich trägt. Ist Maria aber Mutter des erlösenden Wortes Gottes, gehört ihr Gebären als das der Sündenlosen zum Neuanfang der Welt, dann kann ihre Geburt dieses Stigma nicht an sich tragen; diese Geburt muss ‚anders‘ sein. Diejenige, die als von der Konkupiszenz Freie die passiven Vorgänge im Bereich ihres Lebens restlos (wenn auch infralapsarisch) in die Grundentscheidung ihrer Person hineinintegriert, das passiv Erfahrene zum reinen Ausdruck ihrer aktiven Entscheidung zu machen vermag, erfasst das passive Widerfahrnis der (aktiven) Geburt nicht in der gleichen Weise wie diejenigen Menschen, die das an ihnen durch die Mächte des Lebens in der Welt geschehende immer als das Fremde, das Einschränkende, das über sie zum Schaden ihrer Freiheit Verfügende erfahren".
Sancta Maria
Virgo ante partum, in partu et post partum
Präziser kann man den "Inhalt der Glaubensaussage" wohl kaum formulieren: Maria ist diejenige, die - weil sie bereits in dem mit Christus angebrochenen neuen Äon steht - "das passiv Erfahrene zum reinen Ausdruck ihrer aktiven Entscheidung zu machen vermag". Wo für die unter der Erbsünde und ihren Folgen stehende Mutter passiv leidet und die Geburt dadurch in ihren Begleiterscheinungen auch Ausdruck der menschlichen Gottferne ist, kann Maria sie in das aktive Mitwirken am Anbruch des Reiches Gottes machen. Da eine Geburt kein rein geistiger Vorgang ist und auch in diesem Fall nicht sein kann (Christus ist wahrer Mensch!), muss das "Andere" dieser Geburt sich auch leiblich auswirken - über die Details dieses physiologischen Vorgangs kann man spekulieren - verpflichtender Bestandteil der Glaubensaussage sind sie nicht.

In den Worten Rahners:
"die Lehre der Kirche sagt mit dem Kern der Tradition: die (aktive) Geburt Marias ist (von dem Kind und seiner Mutter her), so wie ihr Empfangen, von der Gesamtwirklichkeit her (als ganzmenschlicher Akt dieser ‚Jungfrau‘) auch in sich (und nicht nur von der Empfängnis her wie nach Mitterer) dieser Mutter entsprechend und darum einmalig, wunderbar, ‚jungfräulich‘, ohne dass wir aus diesem Satz (der in sich aber verständlich ist) die Möglichkeit haben, sicher und für alle verpflichtend, Aussagen über konkrete Einzelheiten dieses Vorgangs abzuleiten".
Ein im engeren Sinne geistlicher Lackmus-Test sei an dieser Stelle dringend empfohlen: Glaubensaussagen müssen meditiert, betrachtet werden können. Der Rahnersche Text kann auch gelesen werden als Anleitung zu einer solchen vertiefenden Betrachtung der Heilsgeheimnisse - das zeichnet ihn aus und beglaubigt ihn. Nur ein religiös abnormer Charakter kann sich vorstellen, im Mittelpunkt einer solchen Betrachtung stünden unversehrte Hymen und nicht eröffnete Geburtskanäle.


Dienstag, 17. Juli 2012

Auch eine Berufung

Melinda Gates III.
zum Thema Familienplanung
- echt jetzt?
Melinda Gates, Milliardärsgattin, Erfinderin von "Karl Klammer" (wer erinnert sich?) und unangefochtene Königin der Philanthropie, hat den Sinn ihres Lebens entdeckt und es gleich der "ZEIT" erzählt:
"Ich werde die Familienplanung in den nächsten 30 Jahre zu meiner obersten Priorität machen".
Macht das denn Sinn, mit 47 Jahren noch 30 Jahre Familienplanung betreiben zu wollen - und das gar als oberste Priorität?

Es geht natürlich nicht um die persönliche Familienplanung von Bill und Melinda, sondern um die Rettung der Welt vor all' diesen überflüssigen Mäulern. Drunter tut es Linda (immerhin auf Platz 6 der "Liste der mächtigsten Frauen der Welt") nicht.

Und ganz aufgeregt ist die Gute:
"In London wollen wir mit dem UN-Bevölkerungsprogramm, vielen Regierungen und NGOs beschließen, dass wir weiteren 120 Millionen Frauen bis 2020 Zugang zu Verhütungsmitteln verschaffen."
So löst man die Probleme des Planeten: nicht durch Bildung, nachhaltige Entwicklung oder ein partnerschaftliches Verständnis der Beziehung von Mann und Frau, sondern mit technokratischen Programmen:
"Die besondere Fähigkeit unserer Stiftung liegt darin, den Müttern zuzuhören. Meist suchen sie nach etwas, was sie wie die Dreimonatsspritze nutzen können, ohne dass ihr Mann es bemerkt."
Dumme, lendengesteuerte Männer und schlaue Frauen mit "Dreimonatsspritzen" - von so schlichter Brillianz kann ein Weltbild sein.

Würde der halsstarrige alte Mann in Rom das nur endlich verstehen; die schöne, neue Welt wäre zum Greifen nahe.


Erhörte Gebete

Versöhnung vorerst gescheitert -
Fellay bleibt lieber selber Papst!
Ein bitterer Kelch scheint an den Katholiken vorbei gegangen zu sein: in scheinbar voller Gemeinschaft mit einer Gruppe von unverbesserlichen Schismatikern und Häretikern leben zu müssen. Eine "Wiederversöhnung" von öffentlichen Sündern ertragen zu müssen, die es nicht ein einziges Mal fertig gebracht haben, ihre Schuld auch nur ansatzweise zu bereuen.

Menschen in gewisser Weise "kirchenamtlich" als Lordsiegelbewahrer der Tradition eingesetzt zu sehen, die aus dieser hl. Tradition mit fast jeder öffentlichen Äußerung eine Karikatur machen. Das II. Vatikanische Konzil ("Sacrosanctum Concilium") dem Spott von theologisierenden Patres preisgegeben zu sehen, die in jedem Interview, jeder Stellungnahme, jeder neuen Anklage ihr Verharren im Stande der intellektuellen Adoleszenz prostituieren.

Eine gnädige Vorsehnung scheint es uns zu ersparen, eine "Übereinkunft" ertragen zu müssen zwischen dem Stellvertreter Christi auf Erden und einer Gruppe von Personen, deren Gründer dem seligen Vorgänger dieses Stellvertreters öffentlich ins Gesicht gespuckt hat. Die unter ständiger Berufung auf ein halluziniertes "Ewiges Rom" (welch lächerliches Deckmäntelchen für die eigene Hybris!) den Sitz des Hl. Apostels Petrus mit Kübeln von Dreck und Kot übergiessen. 

Aber hätte man nicht hoffen müssen auf die Wiederherstellung der Einheit? Natürlich hat man darauf hoffen müssen - aber eben auf die "Wiederherstellung der Einheit". Diese gibt es mit Sündern aber nur auf der Grundlage von "Reue und Vorsatz". 

Aber darf man die Piusbrüder denn Sünder nennen? Ja, das darf man. Die verbotenen Bischofsweihen waren Sünde, die schwerste denkbare Sünde gegen die göttliche Ordnung der Kirche. Bis heute hat sich die Bruderschaft von dieser Sünde, ihrer "Gründungsurkunde", ohne die es sie in ihrer heutigen Gestalt gar nicht geben würde, mit der sie ihre mehr als 500 Priester dauerhaft der Gemeinschaft und Einheit mit dem Hl. Vater und den Nachfolgern der Apostel entzogen hat - bis heute hat sie sich von dieser Sünde nicht distanziert. Selbst die Bereitschaft Benedikts XVI., mit der Aufhebung der Exkommunikation Gnade vor Recht gehen zu lassen, hat sie dazu nicht bringen können. 

Beten wir also, dass ihre Verstockung nicht von Dauer sei.





Samstag, 5. Mai 2012

Wer anderen eine Grube gräbt ...

Die, na sagen wir mal, elegant komponierten Passagen in der Doktorarbeit von Frau Ministerin Schavan sind nicht von Pappe. Auf dem entsprechenden Blog "Schavanplag" kann man sich bei Bedarf etwas darein vertiefen.

Da kommt einem doch gleich ein Video in Erinnerung:


Donnerstag, 23. Februar 2012

Sehr nett ;-)

Schlagfertig muss man sein:
Unter dem Applaus der Anwesenden in der Audienzhalle Paul VI. führte Kardinal Dolan seine Mutter Shirley hinauf zum Podium des Papstes und stellte sie vor: „Heiliger Vater, hier ist meine Mutter!“ Dann fragte er, ob der Papst sie nun zur “First Lady” des Kardinalskollegiums machen könne. Schließlich sei er, Dolan, einer der wenigen im Kollegium, der jung genug sei, um eine noch lebende Mutter zu haben. 
Dann habe der Papst, wie Dolan berichtet, seiner Mutter gesagt: “Sie sehen zu jung aus, um die Mutter eines Kardinals zu sein.“ Sofort habe seine Mutter geantwortet: „Heiliger Vater, war das eine unfehlbare Aussage?“

Ganze Geschichte hier auf kath.net ...

Samstag, 18. Februar 2012

Adversus Schmidbergeris III

Pater Recktenwald hat auf seinem Portal zur katholischen Glaubenswelt auf den zweiten Beitrag meiner kleinen Reihe Bezug genommen und bezweifelt, ob man Pater Schmidberger Demagogie und Falschmünzerei vorwerfen sollte: "Ich neige aber eher dazu, dahinter statt eines bösen Willens einfach mangelnde theologische Kompetenz, fehlendes Problembewußtsein und die Unfähigkeit zu theologischer Reflexion zu sehen". Ich kann Pater Recktenwalds Bedenken sehr gut verstehen, halte das Ganze aber letztlich für eine Geschmacksfrage: ich persönlich ziehe es im Falle eines Falles vor, als Demagoge denn als Dummkopf angesehen zu werden.

Schauen wir uns ein weiteres Paradebeispiel der Schmidberger'schen Theologie aus seinem kath.net-Interview an. Auf die Frage "Was heißt es für Sie, >cum et sub Petro< die Wahrheit des Glaubens zu verteidigen?" gibt er folgende Antwort:
Der heutige Papst ist genauso wie jeder Gläubige an die dogmatischen Verlautbarungen seiner Vorgänger gebunden. „Cum et sub Petro“ die Wahrheit des Glaubens zu verteidigen bedeutet also nichts anderes, als unter dem Lehramt des ewigen Roms für die kirchliche Lehre einstehen, die Stiftungen Jesu Christi – sein Priestertum, sein Opfer, die Sakramente, insbesondere die Ehe – als Konkretisierungen dieses Glaubens zu schützen und zu fördern, bedeutet aber auch, für den Papst in seinem schweren Amte zu beten und ihn als Vater der Christenheit zu verehren.
Hier wird ganz deutlich, wie sich die Bruderschaft dem "Zugriff" des Hl. Vaters entziehen möchte. Ein Lehramt hat in diesem Text nicht der Papst inne, sondern man lebt "unter dem Lehramt des ewigen Roms" - für den Papst "in seinem schweren Amte" (welches Amt hat er denn, möchte man fragen) ist man freundlicherweise bereit zu beten und verehren tut man ihn als "Vater der Christenheit". Man kann lange rätseln, wird aber wohl kaum eine Antwort auf die Frage finden, was mit dem "Lehramt des Ewigen Roms" gemeint sein soll. Zur Erinnerung: die Kirche ist von ihrem Herrn nicht auf eine Stadt gegründet, sondern auf eine Person. Diese Person (nicht die Stadt) hat das höchste Lehramt in der Kirche inne und dieser Person schuldet der Katholik Gehorsam.

Das "Ewige Rom", von dem Pater Schmidberger und die Piusbruderschaft im allgemeinen gerne sprechen, ist also bei Licht besehen nichts anderes als eine fromm klingende Machination, die keinen anderen Zweck hat, als dem Nachfolger des Apostels Petrus den Gehorsam zu verweigern. Ich wäre gerne dabei, würde Pater Schmidberger versuchen, diesen Hütchenspieler-Trick bei einem der Pius-Päpste des 19. und 20. Jahrhunderts anzubringen, die er ja angeblich so verehrt: "In aller Ergebenheit, Hl. Vater, ich gehorche nicht Ihnen, sondern dem Ewigen Rom". Zumindest bei Pius IX. ist ganz gut überliefert, wie er auf den Versuch von Leuten reagiert hat, die gegen die Autorität seines Amtes die Tradition ausspielen wollten ...





Mittwoch, 15. Februar 2012

Adversus Schmidbergeris II

In dem auf kath.net veröffentlichten Interview gibt Pater Schmidberger einen kurzen Abriss der "Argumente", die seine Bruderschaft gegen die Rechtgläubigkeit des II. Vatikanischen Konzils und eine "Hermeneutik der Kontinuität", d.h. die organische Anknüpfung seiner Lehren an die bisherige Lehrverkündigung der Kirche vorbringt. Nichts wäre besser geeignet, um sich ein klare Bild von der geistigen Verfassung der FSSPX zu machen als diese "ipsissima verba" eines "Distriktoberen":
In „Lumen gentium“ heißt es gleich in § 1, die Kirche sei das Sakrament der Einheit des Menschengeschlechtes. Aber wo in der Heiligen Schrift, bei welchem Kirchenvater, in welcher päpstlichen Verlautbarung und in welchem Konzil hat man jemals etwas Ähnliches gelesen? Die Kirche ist dazu eingesetzt, den mystischen Herrenleib aufzubauen und dazu die Seelen mit dem übernatürlichen Glaubens- und Gnadenleben zu beschenken, aber eben nicht zu einer innerweltlichen Menschheitsverbrüderung.
Das Konzil, so der implizite Vorwurf, verkündet die Kirche nicht mehr als von Gott eingesetztes Heils-Instrument, sondern will sie den flachen Idealen und Utopien einer "innerweltlichen Menschheitsverbrüderung" unterordnen (Wenn P. Schmidberger unter seinesgleichen ist, fügt er hier wahrscheinlich noch Hinweise auf die französische Revolution, die Freimaurerei und die UNO hinzu). Nun lesen wir einmal den Originaltext:
Christus ist das Licht der Völker. Darum ist es der dringende Wunsch dieser im Heiligen Geist versammelten Heiligen Synode, alle Menschen durch seine Herrlichkeit, die auf dem Antlitz der Kirche widerscheint, zu erleuchten, indem sie das Evangelium allen Geschöpfen verkündet (vgl. Mk 16,15). Die Kirche ist ja in Christus gleichsam das Sakrament, das heißt Zeichen und Werkzeug für die innigste Vereinigung mit Gott wie für die Einheit der ganzen Menschheit. Deshalb möchte sie das Thema der vorausgehenden Konzilien fortführen, ihr Wesen und ihre universale Sendung ihren Gläubigen und aller Welt eingehender erklären. Die gegenwärtigen Zeitverhältnisse geben dieser Aufgabe der Kirche eine besondere Dringlichkeit, daß nämlich alle Menschen, die heute durch vielfältige soziale, technische und kulturelle Bande enger miteinander verbunden sind, auch die volle Einheit in Christus erlangen.
Der Taschenspielertrick von Pater Schmidberger besteht - wie bei allen geistigen Falschmünzern aller Zeiten - in einer Auslassung und in einer Hinzufügung. Das Konzil sagt nicht einfach, dass die Kirche das Sakrament der Einheit des Menschengeschlechtes sei, sondern "Zeichen und Werkzeug der innigsten Vereinigung mit Gott" sowie der "Einheit der ganzen Menschheit". "Werkzeug der innigsten Vereinigung mit Gott" (das ist die trickreiche Auslassung) will ja nichts anderes sagen, als dass in der Kirche und ihrem Gnadenleben der Mensch der Gemeinschaft mit dem lebendigen Gott teilhaftig wird, d.h. - in der Sprache der Tradition, von der diese Leute immer faseln - sein übernatürliches Ziel erreicht. Diese Sendung der Kirche, den Menschen das Leben Gottes in Jesus Christus zu bringen, ist universal, d.h. sie richtet sich - pardon für die narzisstische Kränkung, aber es ist unser Herr selbst, der hier "kränkt" - nicht nur an die kleine Schar der Piusbruderschaft, sondern an alle Menschen. Die wahre "Einheit des Menschengeschlechtes", die in der immer stärker zusammenwachsenden Welt (das Konzil sieht hier beinahe prophetisch die "Globalisierung" voraus) zu einer immer realeren Vision wird, kann also nicht "innerweltlich" (das ist die bösartige Hinzufügung des Paters) realisiert werden, sondern nur "in Christus" und durch seine Kirche.

Was, Herr Pater, bleibt von ihrem Argument übrig, wenn man den Text von Lumen Gentium mit der ehrlichen Gesinnung liest, die einem Kind der Kirche (ja, der auf den Felsen Petri erbauten lebendigen Kirche Jesu Christi und nicht des "Ewigen Roms", was auch so eine unreinliche Konstruktion ihrer After-Theologie ist) angemessen und selbstverständlich ist? Haben Sie diesen Text nie gelesen oder ist er für sie nur ein Steinbruch, aus dem man sich mit unlauteren Methoden bedient, um seine Ideologie zu transportieren? Schlimmer noch: Ist das vielleicht auch ganz allgemein Ihr Umgang mit den Texten der kirchlichen Tradition, die sie angeblich so hoch schätzen? Das mag Ihnen bei Ihrem Fanclub durchgehen, aber - Vorsicht! - es gibt Menschen, die Ihnen auf die Finger schauen und gegebenenfalls auch klopfen, weil ihnen diese Texte ("vor"- und "nachkonziliar") heilig sind und weil sie es nicht vertragen, wenn mit der Sprache (die ja auch ihre Heiligkeit hat für eine Religion, an deren Anfang der "Logos" steht) Schindluder getrieben wird von Demagogen und anderen Betrügern - tragen sie nun ein geistliches Gewand oder nicht.

Adversus Schmidbergeris I

Pater Franz Schmidberger, FSSPX, ist zur Zeit ein begehrter Interview-Partner. Nicht nur Paul Badde in der Welt, sondern auch Armin Schwibach auf kath.net geben dem bekanntesten und "ranghöchsten" deutschen Vertreter der Piusbruderschaft eine Plattform zur Rechtfertigung der weiterhin ablehnenden Haltung der FSSPX gegenüber dem Einigungsvorschlag des Hl. Vaters.

Dahinter steckt wohl der gute Wille, diese Einigung im Sinne des Hl. Vaters zu unterstützen - es ist aber doch schwer zu verstehen, warum "kernkatholische" Journalisten Pater Schmidberger seine teilweise unsäglichen Polemiken gegen das Lehramt und in besonderer Weise gegen das II. Vatikanische Konzil weitestgehend unwidersprochen durchgehen lassen.

Ich werde in den Nächten Posts einige der skandalösen Aussagen Schmidbergers etwas detaillierter beleuchten. Was einem aber als ewiger basso continuo der Bruderschaft jenseits aller Details auf die Nerven geht, ist die anmassende Behauptung der eigenen Erwählung. So sagt Schmidberger am Ende des Badde-Interviews:
Die Pius-Bruderschaft hat viele Krisen gesehen und ist aus all diesen immer eher gestärkt als geschwächt hervorgegangen. Darüber hinaus hat sie sich mit all ihren Mitgliedern und Häusern am 8. Dezember 1984 der Muttergottes geweiht und geschenkt. Ich glaube kaum, dass Gott ein Werk Seiner eigenen Mutter fallen lässt.
Hier haben wir den ersten kleinen, aber ganz typischen Hütchenspieler-Trick: Aus der Tatsache, dass die Bruderschaft sich der Muttergottes geweiht hat, wird im letzten Satz die Aussage, sie - die Bruderschaft - sei "ein Werk Seiner eigenen Mutter". Nein, die FSSPX ist zunächst einmal das Werk eines im Stande der Exkommunikation gestorbenen Erzbischofs und der von ihm in einem schismatischen Akt geweihten Bischöfe.

Dienstag, 7. Februar 2012

Bischof Müller platz die Hutschnur!

Gestern hatte ich mal wieder - mit dem üblichen schlechten Gewissen - über das etwas seichte öffentliche Gerede eines deutschen Bischofs gemosert. Heute hat mir ein anderer deutscher Bischof bewiesen, dass es auch gänzlich unseicht geht: klare Worte und deftige Polemik (ja, wenn es denn sein muss auch einmal "ad hominem", Herr Bundestagspräsident) - das Ganze kombiniert mit theologischer Klarheit und echter ökumenischer Gesinnung im Geiste des 2. Vatikanums.

Ich kann mich gar nicht so recht erinnern, wann ich das letzte Mal einen deutschen Bischof so kraftvoll habe schreiben sehen. Also: Tag im Kalender rot anstreichen, den Text noch einmal freudig lesen und den guten Bischof Müller heute ganz fest ins Nachtgebet einschließen.

Ach ja, noch ein paar Kostproben als Appetitanreger:
Aber von einer Neuevangelisierung eines müde gewordenen christlichen Europas, der Weitergabe des Glaubens an die Jugend und einer Vertiefung der sakramentalen und personalen Frömmigkeit ist wenig zu hören. Stattdessen richten sich die „Kirchenträume“ auf Zustände und Vorgänge, die man bei anderen christlichen Gemein-schaften als Errungenschaften sieht, die als Ausweis gelten für den „Protestantismus“ als die modernere Version des Christentums: Liberalisierung der Sexualmoral, Zugeständnisse in der Bioethik, Zulassung von Frauen zu allen kirchlichen Ämtern unter Maßgabe feministischer Ideologien, die demokratische Abstimmung über die Glaubenswahrheiten, womit der Mensch bestimmt, was Gott eigentlich zu offenbaren gehabt hätte. Kern und Stern aller Reform-Rhetorik ist der verbissene Kampf gegen den Zölibat der Priester wie zu Reformationszeiten.
Wie wollte man das besser sagen?
Spätestens wenn ein theologisierender Politiker im Brustton selbstverliebter Ignoranz als „protestantisch veranlagter Katholik“ sich während einer Predigt selbst uraufführt, bedarf es der Nachfrage, was denn unter „Protestantismus“ zu verstehen ist, der den Katholizismus endlich aus dem Mittelalter herausführen und mit der Moderne versöhnen soll.
Uups, "theologisierender Politiker", "selbstverliebte Ignoranz" - da kappt jemand in heiligem Zorn die Taue zum ZdK.
Ein einziger gewissenhafter Katholik wie der heilige Thomas Morus, der für den Primat der Wahrheit seinen Kopf verlor, hat für die Erneuerung der Kirche unendlich viel mehr getan als die feige Mehrheit, die mit dem Eid auf einen Machtpolitiker als oberstes Haupt der Kirche von England Christus als König und Haupt verlor, der seine Kirche unzerstörbar auf Petrus gebaut hat.
Vielen Dank, Exzellenz!

Montag, 6. Februar 2012

Kardinal Marx und der Zivilisationsbruch

Seit Donnerstag geht mir das Interview im Kopf herum, das Kardinal Marx der ZEIT gegeben hat. Genauer gesagt, ist es eine kurze Sentenz, der mir wieder und wieder aufstößt:
Ich halte nichts vom Begriff der »guten alten Zeit«, das ist eine Erfindung der Nachgeborenen. Was mich zum Beispiel bedrückt: In einem Land, wo wahrscheinlich die Kenntnis der Zehn Gebote intensiver war als heute, wo die Ehen stabiler waren, wo der Kirchenbesuch erheblich über unserem heutigen lag, ist der größte Zivilisationsbruch aller Zeiten passiert.
Man kann das ganz harmlos finden, vielleicht sogar "nachdenklich". Mir will aber nicht einleuchten, warum ein deutscher Kardinal in diesem Zusammenhang die antifaschistische Keule schwingen muss und einen negativen Zusammenhang zwischen "höherem Kirchenbesuch" und dem "größten Zivilisationsbruch aller Zeiten" herstellt. DAS (und nicht jede Rede von der "guten alten Zeit") ist grob unhistorisch. Es waren nicht die regelmässigen Kirchgänger und schon gar nicht die katholischen, die Herrn Hitler und seine Partei gewählt haben (zur Erinnerung: die NSDAP hat in den freien Wahlen der Weimarer Republik nie mehr als 20% der Katholiken für sich gewinnen können). Und was soll die Herstellung des Zusammenhang überhaupt bedeuten? Dass die Nichtkenntnis der Zehn Gebote, die Lebensabschnittsgemeinschaft und die Abstinenz vom Kirchgang mehr Zivilisation hervorbringen?

Und weiter: stünde es kirchlichen Würdenträgern nicht gut an, in Interviews dieser Art einmal die Zivilisationsbrüche unserer Tage zumindest beim Namen zu nennen? Zum Beispiel die Tatsache, dass Jahr für Jahr ca. 150.000 Kinder das Licht der Welt nicht erblicken dürfen. Oder - wenn wir schon beim historischen Vergleich sind - das Faktum, dass Menschen mit Down-Syndrom heute mit höherer Effizienz getötet werden als zu Zeiten des staatlich verordneten Euthanasie-Programms?

Ein letztes: Der Kardinal beklagt die Neigung zur Schwarz-Weiß-Argumentation und analysiert in diesem Zusammenhang auch die Haltung "radikaler katholischer Internetseiten" mit dem Satz "Man will klare Verhältnisse, so unklar die Lage oft auch ist". Einige Zeilen vorher sagt er über den Weltbild-Ausstieg:
Aber müssen Bischöfe selbst erwerbswirtschaftlich tätig sein? Das, meine ich, muss nicht sein.
Jahre-, wenn nicht jahrzehntelang haben die Bischöfe in dieser Frage nach dem Motto "die Lage ist nicht so klar" gehandelt. Es waren nicht zuletzt die bösen "katholischen Internetseiten", die nun einen Sinneswandel erzwungen haben.

Fremdschämen bezüglich der "guten alten Zeit" und Schönreden bei den eigenen Fehlern - mir gefällt diese Kombination nicht besonders gut ...



Dienstag, 31. Januar 2012

Noch einmal: Braucht uns Gott?

Zu meinem letzten Posting über die Frage, ob Gott uns braucht, hat es zwei interessante Kommentare gegeben, die sich auf je eigene Weise an der scheinbaren "Gefühlslosigkeit" und "Unpersönlichkeit" des von mir skizzierten "Gottesbildes" stossen.

Zunächst handelt es sich hier nicht um ein "Gottesbild" - und schon gar nicht um ein "philosophisches". Ich hatte lediglich in stark verkürzter Form den Glauben der Kirche dargestellt, wie ihn uns die Schultheologie lehrt. Philosophisch ist diese Theologie nur insofern sie sich in philosophisch geklärten Begriffen ausdrückt - was aber jede Theologie tun muss, die ihren Namen verdient. Womit nicht geleugnet werden soll, dass es auch andere Wege gibt, den Glauben auszudrücken, etwa in der Sprache der Poesie.

Was macht nun diese an Klarheit (und damit auch Schönheit!) des Gedankens wohl nicht so leicht zu überbietende Theologie für uns Heutige so unattraktiv? Ein Satz im Kommentar von Sperantia scheint mir den deutlichsten Hinweis zu geben: "Doch er hat uns geschaffen, um mit uns in einer Beziehung zu stehen". Ich fürchte, hier muss man widersprechen - umgekehrt wird ein Schuh daraus: Wir stehen mit Gott in einer Beziehung, weil er uns geschaffen hat. Ein Geschöpf Gottes zu sein, von ihm ins Sein gerufen, aufgrund seiner sich verströmenden Liebe (Selbstmitteilung) nicht "Nicht-zu-sein", das begründet unsere Beziehung zu Gott. Es ist vielleicht das größte Defizit des modernen Menschen, dass ihm dieser Zusammenhang so wenig evident ist. Aber letztlich ist dieses Defizit ja nur Ausdruck der Ursünde des Menschen: seine Geschöpflichkeit nicht anerkennen zu wollen, seine Vollendung nicht zu finden im sehnsüchtigen (Zurück-)Streben zu seinem Ursprung, sondern einen verzweifelten Selbststand ausserhalb des von Gott vorgegebenen Plans finden zu wollen: selbst ein kleiner Gott sein zu wollen. Auch als Christen, die wir die "zweite Chance" ergreifen, die uns im menschgewordenen Gottessohn entgegengestreckt wurde, sollten wir nicht vergessen, dass die Annahme des Geschöpfseins bereits genug gewesen wäre, um selig zu sein.

"Sonst wären wir nur ein lebendiges Spielzeug" - nein, Gott spielt nicht mit uns im Sinne eines "Zeugs". Mit unserer Existenz lässt er uns an seinem Sein teilhaben und damit auch an seiner Freiheit. Aber es ist nicht das schlechteste Bild unserer Bestimmung, dass wir vor Gott "spielen". Denn was ist Spielen anderes als der Inbegriff des "Bei-sich-Seins", was christlich nichts anderes bedeuten kann, als "Bei-Gott-Sein"? Und ist das versunkene Spielen eines Kindes nicht der stärkste Ausdruck des staunenden Geniessens der Schöpfung? Und als Loslösung von allen Zwecken und Bedürfnissen gleichzeitig das höchste Bild menschlicher Freiheit?

Als Menschen im gefallenen Zustand steht uns der Weg einer "unmittelbaren" Rückkehr zu unserem Schöpfer allerdings nicht mehr offen - wir müssen uns von Christus erlösen lassen und an seiner Hand und in seiner Nachfolge unseren Weg zum Vater gehen. Von daher hat Walter Schwaiger ganz recht, wenn er schreibt, "dass im Christentum der Weg nur über Christus führen kann". Ganz unverständlich ist mir aber seine Aussage, der menschgewordene Gott sei "eine Brücke, die uns den Abstand zwischen Schöpfer und Geschöpf überwinden lässt". Das klingt so, als sei Gott für seine Geschöpfe per se (also qua ihrer Geschöpflichkeit) unerreichbar. Unüberbrückbar ist aber nicht der Abstand zwischen Schöpfer und Geschöpf, sondern die Trennung zwischen Gott und dem Sünder. Diesen Abgrund hat Christus für uns überwunden und über ihn "eine Brück gebaut".

Ich habe auch die größten Probleme mit der Aussage, Menschwerdung bedeute "Bedürftig werden". Natürlich "bedurfte" der Mensch Jesus der Nahrung, der Kleidung, des Schlafes, etc. Aber bedurfte er menschlicher Liebe in der Weise, wie wir uns Liebe kaum vorstellen können ohne das Bedürfnis "zurückgeliebt" zu werden? Ich finde für eine solche Behauptung beim besten Willen keinen Anhaltspunkt in der Hl. Schrift. Ist es nicht fast befremdlich, wie wenig Jesus selbst der Liebe seiner Mutter "bedurfte"? Und ist die Frage an Petrus "Simon bar Jona, liebst Du mich?" (Joh 21) etwas anderes als die Gründung des Amtes auf die ungeteilte Hingabe an den Herrn?

Zuletzt: "weil mein Gottes- und Jesusbild so viel personalisierter und persönlicher ist". Hierin steckt noch einmal der Vorwurf an die kirchliche Lehre, sie zeichne ein abstrakt-unpersönliches Bild von Gott. Ich habe schon deutlich gemacht, dass ich diesen Vorwurf nicht nachvollziehen kann, wenn die Theologie von einem persönlichen Gott spricht, in dessen überfließender Liebe Geschöpfe gründen, deren Bestimmung es ist, in einer freien (personalen) Liebe zu ihrem liebenden Schöpfer zurückzukehren und ihn dadurch zu verherrlichen.

Ist es nicht eher so, dass dieses "viel personalisierter und persönlicher" eigentlich ein "viel menschlicher" meint? Ist es nicht doch der Wunsch nach dem "Gott auf Augenhöhe"?

In Jesus Christus ist Gott uns so nahe gekommen, dass wir "Du" zu ihm sagen können. Es bleibt aber das "Du" des Kindes zum Vater, des Geschöpfes zum Schöpfer. Das Neue Testament zeigt uns keinen "Kumpel Jesus", sondern den Herrn, der uns lehrt, dass die höchste Liebe des Menschen in der Befolgung des göttlichen Gebotes besteht. Selbst dort, wo Jesus uns "nicht mehr Knechte, sondern Freunde" nennt, wird dies ganz deutlich:
Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich Euch gebiete (Joh 15).

Montag, 9. Januar 2012

Braucht uns Gott?

Rund um einige Beiträge von Josef Bordat hat sich in der vergangenen Woche eine Diskussion zu der Frage entwickelt, ob Gott unsere Liebe braucht. Ausgangspunkt war ein Beitrag über eine Katechese, die Frère Alois beim Taizé-Treffen gehalten hatte.
Zu Ende der Diskussion scheint sich ein gewisser Konsens herausgebildet zu haben, nach dem man zwar nicht sagen könne, Gott brauche uns in einem "existenziellen Sinn", eine Sehnsucht Gottes nach unserer Liebe könne man aber wohl nicht verneinen (siehe den abschließenden Beitrag von Josef Bordat und die dort angegebenen Verweise auf die Diskussionsbeiträge).
Ich empfinde diesen Konsens und große Teile der Diskussion als ein wenig irritierend. Dies bezieht sich nicht auf die Qualität der Beiträge - es sind viele beeindruckende Gedankengänge darunter. Aber ich frage mich doch, warum zentrale Aussagen des katholischen Glaubens teilweise behandelt werden als seien sie Teil einer Geheimwissenschaft. Dies umso mehr, als in der Diskussion eine Aufstellung dogmatischer Sätze aus einem schultheologischen Lehrbuch ("der Ott") allseits positiv gewürdigt wurde (über diese "254 Dogmen der Kirche" sollte man auch noch einmal reden). 

Gott braucht uns in keiner Weise. Ein solches "Brauchen" widerspräche ganz offensichtlich seiner Vollkommenheit. Es gibt in Gott keinen Mangel, der durch irgendetwas, schon gar nicht durch den Menschen behoben werden könnte und müsste. Nun stellt sich aber die Frage, wie man angesichts des sich selbst genügenden Gottes von Liebe sprechen kann, ja sogar davon, daß "Gott die Liebe ist" (1 Joh 4,8). Hier geht jeder denkerische Ansatz fehl, der die Liebe Gottes von der Liebe des Menschen her konstruieren will. Die Liebe Gottes zu sich selbst ist sein Wesen. Was auch sonst könnte Gott lieben als das vollkommene Gut-Sein, das er selbst ist? 
Die Liebe Gottes zu seinen Geschöpfen besteht nun darin, dass er sich an sie verschenkt, indem er ihnen schenkt, dass sie durch ihn existieren und daß sie (in Freiheit!) zu ihm (zurück-)streben (mit anderen Worten: ihn lieben). Diese Liebe Gottes zu uns ist eine Liebe des Wohlgefallens (amor complacentiae), weil wir an seiner Vollkommenheit teilhaben und ihm unser Endziel haben und sie ist eine Liebe des Wohlwollens (amor benevolentiae), weil Gott in dieser Liebe selbst nichts empfängt, sondern nur schenkt. Sie ist nicht Folge, sondern Ursache unseres Gut-Seins. Die Liebe Gottes ist KEINE Liebe des Begehrens (amor concupiscentiae), weil sie reine Aktivität ist und in ihr keine Passivität sein kann, die gleichsam auf unsere Re-Aktivität "wartet" und keine Emotion, weil Gott nicht bewegt werden kann (er ist der "unbewegte Beweger"). Alle Zuschreibungen von Affekten und Leidenschaften, wie wir sie vor allem im Alten Testament finden (Gott bereut, Gott ist eifersüchtig, etc.) sind Anthropomorphismen und Analogien, die dazu dienen, die Intensität und Herrlichkeit des göttlichen Schöpfungs- und Heilswerkes zu verdeutlichen.

Gott ist also nicht angewiesen auf unsere Liebe, er ist nicht abhängig von ihr, er sehnt sich nicht nach ihr und schon gar nicht lebt er in einer Schicksalsgemeinschaft mit uns. Er braucht unsere Liebe auch nicht für das "Gelingen" seines Heilsplans - wir können Gott nicht sein Spiel verderben, sondern immer nur unseres. Und sollten wir dies tun, vollzöge sich dieser liebvoll-barmherzige Heilsplan in seiner Gerechtigkeit an uns. Dann fehlte uns auf Ewigkeit alles - Gott aber nichts.

So manches Missverständnis in dieser Frage scheint mir in wohlklingenden, meist sicher fromm gemeinten Sätzen der Art "In der Menschwerdung Jesu macht Gott sich verletzlich" begründet zu sein. Diese Sätze haben eine gewisse innere Tendenz, den Zielpunkt der Inkarnation zu verschieben, so als ginge es beim "heiligen Tausch" um die Vermenschlichung Gottes (es ist dann nicht weit zu einem fröhlichen "Mach's wie Gott - werde Mensch") und nicht vielmehr um die Vergöttlichung des Menschen. In Bezug auf unser Thema, die Liebe Gottes zu den Menschen und die Liebe des Menschen zu Gott, ist das Geheimnis von Weihnachten natürlich von größter Bedeutung: es beseitigt die Anthropomorphismen des Alten Testaments und stellt uns die zweite Person der Trinität als jemanden vor Augen, der "ganz Mensch" ist. In ihm sehen wir, wie die göttliche Liebe "als Mensch" handelt. Das bedeutet aber nicht, dass damit der Abstand zwischen Schöpfer und Geschöpf beseitigt wäre, von dem der Glaube der Kirche sagt, dass er so groß ist, dass jeder Ähnlichkeit eine noch größere Unähnlichkeit entspricht.