Mittwoch, 9. Oktober 2013

Limburg - eine Schmierenkomödie

Der Bischofsjäger von Frankfurt
Die Entsendung eines päpstlichen Beauftragten für das Krisen-Management im Bistum Limburg hat offensichtlich wenig bewirkt. Zwar hat der Bischof im Zuge des Besuchs von Kardinal Lajolo eine Reihe von Auflagen erfüllt - seine Kritiker scheinen sich um ihre "Gegenleistung", die Zusammenarbeit in einer der Kirche angemessenen Atmosphäre ("neuer Weg in gegenseitiger Liebe und Verständnis" - so die seinerzeitige Formulierung des Papst-Gesandten), wenig zu scheren.

Bezüglich des Bauprojektes, an dem sich die Kritik keineswegs entzündet hat, sondern das nur ihr öffentlichkeitswirksamer Treibsatz ist, gab es ebenfalls klare Vereinbarungen: die Unterlagen des Projektes inkl. aller Kosten werden einer Kommission der Bischofskonferenz zur Prüfung vorgelegt. Die Ergebnisse werden veröffentlicht.

Ganz offensichtlich befürchten die TvE-Kritiker, dass am Ende dieses Verfahrens nicht jene Sensation stehen könnte, die man als Grund für eine "Entfernung" des Bischofs gerne hätte. Daher wird nun auf der Basis der veröffentlichten Gesamtkosten-Zahl (31 Millionen) das "finale Medienfeuerwerk" gezündet. In vorderster Front die FAZ und der unsägliche Herr Deckers.

Da sind also zweistellige Millionenbeträge aus dem Sondervermögen des sog. "Bischöflichen Stuhls" über mehrere Jahre hinweg in das Projekt geflossen und Schuld ist alleine der Bischof. Die Mitglieder des Aufsichtsrates des Sondervermögens treten skurriler Weise nun als Hauptbelastungszeugen auf und stellen sich selbst als Opfer eines "raffinierten Betrügers" dar. Als ob es nicht ggfs. ihre Aufgabe gewesen wäre, so genau zu prüfen, dass ein solcher "raffinierter Betrug" nicht möglich ist. Natürlich sagen sie nicht, wie dieser Betrug vonstatten gegangen sein soll - und natürlich werden sie von der Deckers-Bande auch nicht nach solchen überflüssigen Details befragt. Sie erfüllen ihre Funktion bei der Bischofs-Hatz und können darauf hoffen

Zum Glück ist Herr Deckers dumm genug, seine Motivation (oder die seiner Auftraggeber) klar zu benennen:
"Wenn Papst Franziskus nicht nur mit Worten für eine Reform der Kirche zum Heil der Seelen stritte, könnte er ihnen mit der Absetzung des Bischofs von Limburg und bei der bevorstehenden Ernennung mehrerer neuer Bischöfe bald Taten folgen lassen".
Darum also geht es: einen missliebigen konservativen Bischof loswerden und damit auch gleich ein Zeichen setzen für die anstehenden Neubesetzungen in Köln und Freiburg. Nichts Neues also unter der deutschen Katholikensonne: Politik der primitivsten Sorte. Das ganze natürlich zum "Heil der Seelen". Man kann gar nicht soviel fressen, wie man angesichts dieser Heuchelei kotzen möchte.

Herr Deckers ist nicht nur dumm, er ist auch über alle Maßen eitel. Daher muss er in seinem "Kommentar" auch noch einmal den Skalp vorweisen, den er vor Jahren seinen Hinterleuten stolz präsentiert hat: Walter Mixa. Leider ist Theodor noch nicht senil genug, um sich angesichts der Formulierung "des zunehmend amtsunfähigen Augsburger Bischofs" nicht die Augen zu reiben. Wurde der damals nicht wegen angeblicher Mißhandlungen, des Mißbrauchs von Seminaristen und dubioser finanzieller Transaktionen zur Strecke gebracht? Richtig, alle diese Vorwürfe haben sich in der Folge in Luft aufgelöst. Da ist es doch besser, sich auf die seitdem in kirchlichen Kreisen gestreute Variante des permanent Volltrunkenen zu beziehen.

Schauen wir einmal, ob Papa Buenasera auch schön brav das macht, was die deutschen "Reformkatholiken" zum "Heil der Seelen" von ihm erwarten ...

Kommentare:

  1. Sehe ich absolut genauso: Eine Schmierenkomödie. Der Bischof hat sicher die eine oder andere Ungeschicklichkeit und auch Fehler gemacht. Das, was hier läuft, rechtfertigt sich damit nicht.

    Abgesehen von dem gewohnt unsäglichen Herrn Deckers ist die Opferhaltung des Aufsichtsrates besonders bemerkenswert. Hier wird laut "haltet den Dieb" gerufen und das eigene Versagen im Umgang mit dem Finanzgebaren der limburgischen Diözesanverwaltung auf den Bischof abgewälzt: Wenn der Bischof (der uns eingesetzt hat, um die Finanzströme zu prüfen), ein "Ehrenmann" wäre, dann hätten wir gar nicht prüfen müssen. Weil wir aber, wie sich herausgestellt hat, genauer hätten prüfen müssen, ist er jetzt kein "Ehrenmann" mehr.

    Man stelle sich einen Gärtner ein, der einem die Hecke schneiden soll, und einem, sobald die Hecke zu wuchern anfängt, vorwirft, ein Betrüger zu sein. Herzlichen Glückwunsch!

    Vielleicht hätte der Bischof da jemand anderen einstellen müssen. Vielleicht hatte er auch einfach keine andere Wahl. Auch in Limburg muß man mit dem Leben, was man bekommen kann. Eine Diözesanverwaltung geschlossen zu entlassen, wie ich es mir auch in anderen Bistümern vorstellen könnte, ist keine Option.

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  2. Wer ist denn "Schuld" das TvE überhaupt in Limburg ist?
    Achja… Das Domkapitel hat ihn gewählt.

    Hätten sie doch nur einen anderen gewählt… aber vielleicht wäre es dann genauso gelaufen und der andere stünde heute auf der Abschussliste. Wer weiß. Geschichte passiert nicht im Konjunktiv.

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  3. Manchmal neige ich dazu, dem Bischof zu empfehlen, dem Papst seinen Rücktritt anzubieten. Dies aber nur in dem Wunsch, daß der Papst ihm noch einmal das Vertrauen ausspricht, wovon ich nach wie vor ausgehe.

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