Donnerstag, 28. März 2013

Ubi Caritas et Amor

Heute haben in der Gründonnerstagsmesse zwei unserer Töchter das "Ubi Caritas" (in der Version des Liber Usualis) gesungen. Mich hat das aus zwei Gründen sehr angerührt. Zum einen ist es einfach ein wundervoller Hymnus, der uns zeigen kann, wie "einfach" das Christentum eigentlich ist. Fast in jeder Situation unserer Lebens brauchen wir uns nur die Frage stellen: Wie würden wir jetzt denken, reden und handeln, wenn Jesus dabei wäre?

Zum anderen fühlt man in einem solchen Moment, wie leicht in der Liturgie die scheinbar riesige zeitliche Kluft zwischen uns und den "Vätern" überbrückt wird. Ein Hymnus, der wahrscheinlich im 8. Jahrhundert verfasst wurde; eine Melodie, die vielleicht noch älter ist - und zwei Teenager können sie im 21. Jahrhundert mit ganzem Herzen singen:
Ubi caritas et amor, Deus ibi est.  
Congregavit nos in unum Christi amor.
Exsultemus, et in ipso jucundemur.
Timeamus, et amemus Deum vivum.
Et ex corde diligamus nos sincero. 
Ubi caritas et amor, Deus ibi est. 
Simul ergo cum in unum congregamur: 
Ne nos mente dividamur, caveamus. 
Cessent iurgia maligna, cessent lites. 
Et in medio nostri sit Christus Deus. 
Ubi caritas et amor, Deus ibi est. 
Simul quoque cum beatis videamus, 
Glorianter vultum tuum, Christe Deus: 
Gaudium quod est immensum, atque probum, 
Saecula per infinita saeculorum. Amen.

Wo Güte und Liebe sind, da ist Gott. 
Christi Liebe hat uns geeint,
lasst uns frohlocken und jubeln in ihm!
Fürchten und lieben wollen wir den lebendigen Gott
und einander lieben aus lauterem Herzen. 
Wo Güte und Liebe sind, da ist Gott. 
Da wir allesamt eines geworden,
hüten wir uns, getrennt zu werden im Geiste!
aller Hader und böser Streit sollen weichen
und in unserer Mitte wohne der Herr. 
Wo Güte und Liebe sind, da ist Gott. 
Mit den Seligen wollen wir schauen
dein Antlitz, Christus, dereinst in der Herrlichkeit.
O, welch unermessliche und reine Freude
durch die grenzenlose Weite der Ewigkeit. Amen.

Montag, 25. März 2013

Daniel Deckers dreht durch ...

Die Redaktion von kath.net hat freundlicherweise den folgenden Beitrag von Theodor übernommen:


Der Kampf um die Deutungshoheit des gerade erst begonnenen Pontifikats ist in vollem Gange. Das ist angesichts der vielen irritierenden innerkirchlichen Vorgänge der letzten Wochen und Monate (vom überraschenden Rücktritt Benedikts XVI. bis zur ebenso unerwarteten Wahl Papst Franziskus’) vielleicht nachvollziehbar: so mancher würde gerne wissen, wie es nun weiter geht. Die naheliegende Vermutung, dass es in den meisten Bereichen, in denen sich der Boulevard und so mancher „Kirchenexperte“ in den deutschen Feuilletons Revolutionen erhofft, weitgehend so bleiben wird, wie es war – diese Vermutung mag man noch nicht wahrhaben, obwohl die Anzeichen sich verdichten: Papst Franziskus demonstriert Kontinuität zu seinem Vorgänger, auch mit Papst Franziskus glaubt die Kirche, was sie immer schon geglaubt hat und auch unter dem neuen Pontifikat werden auf dem Petersplatz lateinische Choralmessen gefeiert.

Man könnte angesichts des ganzen Geredes die Achseln zucken – auch Journalisten mit dem Spezialgebiet „Katholische Kirche“ müssen schließlich leben. Ein bestimmter Grad an bizarrer Verzerrung aller Tatsachen, noch dazu erschienen in der ehrwürdigen Frankfurter Allgemeinen Zeitung, kann dann aber doch nicht unwidersprochen bleiben.

Daniel Deckers konstruiert in der FAZ vom 24.3.2013 eine sich formierende konservativen Ablehnungsfront gegen Papst Franziskus, die er mit bekannten Namen des konservativ-kirchlichen Publizismus (Paul Badde, u,a.) verknüpft und schließlich auch mit einer vermeintlich hinter der „Vatileaks“-Affäre stehenden  „gay lobby“ im Vatikan in Verbindung bringt. Dabei schreckt er auch vor Geschmacklosigkeiten nicht zurück, die einem den Atem verschlagen können:

„Der Kult um kostbare Gewänder und üppige Spitzen, das von allerlei erotischen Konnotationen umgebene heilige Spiel, die asexuellen Darstellungen der Gottesmutter Maria und eine überbordende Reliquienverehrung sind das öffentliche und seit Benedikt XVI. wieder päpstlich approbierte Gegenstück zu einer privaten Parallelwelt, in der den Reliquien allerlei Fetische entsprechen: der Marienverehrung der Kult um Magermodels und mädchenhafte Schlagersängerinnen; dem frauenfreien Altarraum die Männersauna und der Darkroom; und dem levitierten Hochamt mit Goldbrokat, Manipel und Spitzenrochetts das Tuntenballett“.

Gewährsmann für seine Identifizierung traditioneller Gottesdienstformen mit einem „Tuntenballett“ ist natürlich David Berger, der aufrechte Kämpfer gegen die „Homophobie“ in jenen konservativen Kirchenkreisen, in denen er selbst über Jahre hinweg reüssierte, bevor er „im Jahre 2010 seine Homosexualität öffentlich machte“.

Wenden wir uns den Fakten zu: Ja, die katholische Kirche hat ein manifestes Problem mit Homosexualität. Wer sich davon überzeugen möchte, lese die Ergebnisse der Studie, die ein anerkanntes Forscherteam unter der Leitung von Prof. Dr. Norbert Leygraf im Auftrag der DBK angefertigt und im letzten Dezember der Öffentlichkeit vorgestellt hat. Diese Auswertung von 78 psychiatrischen Gutachten, die in den letzten 10 Jahre von Mißbrauchspriestern angefertigt worden waren, hat neben allerlei statistischen Daten wenig Auffälliges zu Tage gefördert – mit einer Ausnahme: unter den 78 Mißbrauchspriestern hatten 46% eine homo- oder bisexuelle Orientierung!

Die Einordnung des Ergebnisses der Studie spielt sich zwischen zwei Polen ab: entweder vergreifen sich homosexuelle Priester mehr als 10 mal häufiger an Kindern und Jugendlichen als ihre heterosexuellen Mitbrüder oder der katholische Klerus weist eine um den Faktor 10+x höheren Anteil an Homosexuellen auf als die männliche Durchschnittsbevölkerung – die Wahrheit kann auch überall dazwischen liegen.

Es gibt keinen Hinweis darauf, dass die durch die Leygraf-Studie offengelegte Homosexuellen-Problematik irgendeinen Zusammenhang mit der kirchlichen „Goldbrokat-Fraktion“ hat, wie Deckers dies konstruiert. Kontext (z.B. das Jesuitenkolleg in Berlin) und zeitlicher Schwerpunkt der Missbrauchsfälle (70er, 80er und 90er Jahre) weisen in eine ganz andere Richtung.

Wenn Deckers in diesem Zusammenhang auch noch den Eindruck erweckt, als habe Benedikt XVI. die „Traditions“-Homosexuellen besonders gefördert, so sei er daran erinnert, dass es der Ratzinger-Papst war, der – motiviert auch durch die in seinem früheren Dikasterium zusammengelaufenen Informationen über die Mißbrauchsfälle – das kirchliche Verbot, Homosexuelle zu Priestern zu weihen, im November 2005 noch einmal eingeschärft hat.

Bliebe der Ideengeber von Herrn Deckers, der selbsternannte „schwule Theologe“ David Berger. Dieser hat sich 2010 keineswegs freiwillig zu seiner Homosexualität bekannt, wie Deckers es darstellt, sondern erst nachdem eindeutige und unappetitliche Beweise vorlagen, dass er parallel zu seiner Arbeit für konservative kirchliche Vereinigungen und Publikationsorgane seine Haut (und nicht nur diese) in einschlägigen Gay-Foren im Internet zu Markte getragen hatte.

Man kann mit dem neuen Pontifikat die unterschiedlichsten Hoffnungen verbinden. Möge es Papst Franziskus aber vor allem gelingen, die Konfrontation zwischen „rechts“ und „links“, zwischen „konservativ“ und „progressiv“ in der Kirche zu befrieden, die – zumindest in der westlichen Welt - nicht unerheblich zu ihrer Selbstblockade beiträgt und so absurde Blüten treibt wie den jüngsten Artikel des Kirchenredakteurs der FAZ.

Mittwoch, 20. März 2013

Glaubensinfo á la DBK

Auf dem millionenschweren Portal "katholisch.de" der Deutschen Bischofskonferenz kann man folgende Kurzinfo über das Papstamt lesen:
"Das Papstamt ist eine Besonderheit der römisch-katholischen Kirche [falscher Ansatz und falsche Info - Kopten!]. Es hat seinen Ursprung in den Worten Jesu "Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen" (Mt 16,18) in der Apostelgeschichte [äh, was nun?] und blickt auf eine lange Tradition zurück, die früher jedoch anders war als heute [alles klar!]"
Vielleicht noch einmal nachlesen, nachdenken und dann neu schreiben?

Dienstag, 19. März 2013

Keine Revolution

Die Auguren und Kommentatoren des neuen Papstes arbeiten seit Tagen auf vollen Touren. Neben den üblichen alten Zöpfen ("Wird er nun endlich eine Mischung aus Michail Gorbatschov und Margot Käsmann" * gähn *) gibt es auch diejenigen, die mit großer Sorge nach Rom schauen und den "Neuen" heimtückischer revolutionärer Pläne verdächtigen (so zuletzt auch Herr von Schönburg in der WELT).

Ich habe dagegen eine gewisse Neigung, mich an das zu halten, was ich sehe und höre.

Und ich höre bisher einen konservativen Hirten im allerbesten Sinne des Wortes. Vom Bewahren (conservare) war in seiner Antritts-Predigt heute vor allem die Rede, vom gütig-zärtlichen Behüten all dessen, was Gott uns geschenkt hat: der Schöpfung, der Menschen, die uns anvertraut sind und vor allem unseres eigenen Herzens, das schließlich der Ursprung alles Guten und des Bösen sei.

Gesehen habe ich heute eine Messe zur Amtseinführung, die ebenfalls gar keine Anzeichen einer Revolution trug. Ein lateinisches Hochamt mit dem römischen Kanon (was für ein wundervolles Hochgebet!), begleitet vom lateinischen Choral: Missa de Angelis, Tu es pastor ovium, Ave verum, Salve Regina und Te Deum. Auf dem Altar das "benediktinische Ensemble" mit einem großen, zentralen Kreuz als Fixpunkt der Zelebration (das gab es bei der Einführungsmesse Benedikts noch nicht - seinerzeit war noch "tabula rasa").

Aufgefallen sind mir nur zwei wesentliche Änderungen:

  • Franziskus hat die Gabenprozession im bisherigen Stil abgeschafft. Das ist äußerst wohltuend. Ich habe diese Überreichung von Gaben an den sitzenden Hl. Vater immer als etwas potentatenhaft und als Störung des liturgischen Ablaufs empfunden. Wir bringen unsere Gaben zum Altar, nicht zum Papst.
  • Neben dem Altar stand eine Madonna (ein Geschenk der brasilianischen Kirche an Papst Paul VI.). Papst Franziskus liebt die Muttergottes, der er ja auch an seinem ersten Morgen im Amt Blumen nach Santa Maria Maggiore gebracht hat. Wie schön und wie katholisch!
Noch eine liturgische Kleinigkeit: zum zweiten Mal hat Papst Franziskus in einer Messe das "Suscipiat" als Schlußgebet des Offertoriums verwendet. Auch das ist für mich ein schönes Signal - ich vermisse es in so vielen Messen.

Langer Rede, kurzer Sinn: Papst Franziskus hat bisher kein Signal irgendeiner "progressistischen" Gesinnung (um mal einen Begriff aus dem vertrauten Lagerdenken zu verwenden) gegeben. Er lehnt aber wohl alles ab, was man als Personenkult missverstehen könnte. Das kann der Kirche und uns allen nur gut tun. Dass er auf eine gewisse Einfachheit Wert legt, macht ihn einfach sympathisch. Und sollte er das Anlegen der Hermelin-Mozetta vor dem Habemus Papam wirklich mit den Worten "Das können Sie selbst anziehen" zu Msgr. Marini abgelehnt haben, dann kann ich darüber herzlich lachen.

Vielleicht gewöhnt er den Menschen auf dem Petersplatz auch noch das Popstar-Theater ab, das einen schon so lange nervt. Es geht nicht um "Benedetto, Benedetto" oder "Francesco, Francesco"-Fangesänge, sondern darum, dem obersten Hirten der Kirche zuzuhören und gemeinsam mit ihm zu beten.

Herzlich Willkommen, Papa Francesco!

Freitag, 8. Februar 2013

Der Kern des Problems - Kirche oder Konzern


Die Nächstenliebe
als Konzern-Logo?
Selten war eine Fernsehsendung so aufschlussreich für die Problematik „Kirche und Gesellschaft in Deutschland“ wie die Diskussionsendung „In Gottes Namen – wie gnadenlos ist der Konzern Kirche?“ unter Leitung von Günter Jauch.

Vordergründig ging es um die „Pille danach“ aufgrund der jüngsten Vorfälle im Erzbistum Köln und der Stellungnahme von Kardinal Meisner in dieser Sache. Während Martin Lohmann unter den teilweise arg inquisitorisch wirkenden Fragen des Moderators bemüht war, die kirchliche Position („eine Pille mit verhütender Wirkung bei Vergewaltigung ja, eine solche mit abtreibender Wirkung auch unter diesen Umständen nein“) darzustellen und zu verteildigen,  war der Rest der Runde (und das Publikum) damit beschäftigt, die wenig authentische Fassungslosigkeit über so viel Rückständigkeit zu artikulieren.

Das ist der erste Teil der Diagnose: in unserer Gesellschaft (zumindest in der medial inszenierten) ist eine Diskussion über ethische Frage auf einem auch nur halbwegs angemessenen intellektuellen Niveau schlicht nicht mehr möglich. Das Bewusstsein, dass Ethik etwas mit Denken (also vor allem mit Differenzierung) zu tun hat und nicht zuvörderst mit Empörung, scheint den Deutschen fast vollständig abhanden gekommen zu sein.

Sie beschäftigen sich lieber mit Ersatzdebatten wie der jüngsten „Aufschrei“-Diskussion zum Thema Sexismus.  So ist es in diesem Land nicht der Rede wert, dass nach wie vor 100.000 Kinder im Mutterleib getötet werden – alles nicht so schlimm, solange nur bei Astrid Lindgren der „Negerkönig“ getilgt wird.

Das eigentlich interessante Phänomen war die Tatsache, dass mit Peter Neher noch ein leibhaftiger Prälat in der Runde saß. Das nahm man zum einen nicht so wahr, weil er sein Klerikersein hinter einem dunkelgrünen Sakko und einer violetten Krawatte geschickt verbarg. Zum anderen – und das ist der entscheidende Punkt – war er eben auch nicht als Vertreter der Kirche, sondern als Leiter eines Konzerns dabei.

Prälat Peter Neher ist der Chef der Caritas und in dieser Eigenschaft Oberhaupt des mit mehr als 500.000 Mitarbeitern größten privaten Unternehmens in Deutschland. Konsequenterweise ging es ihm nicht – wie dem „naiven“ Herrn Lohmann – um die ethische Position der Kirche, sondern um den Nachweis, dass die Kirche (u.a. durch sein Unternehmen) viel näher bei der vielbeschworenen „Lebenswirklichkeit“ der Menschen in unserer Gesellschaft ist, als man gemeinhin denkt.

Die Caritas ist das fundamentalste Symbol für die Tatsache, dass die vielbesprochene Krise der deutschen Kirche in ihrem Kern eine Identitätskrise ist. Die katholische Kirche in Deutschland beschäftigt ca. 700.000 Mitarbeiter. Anfang der 60er Jahre waren es noch kaum mehr als 100.000 Menschen, die bei der Kirche angestellt waren. Zu dieser Zeit gingen noch fast 50 % der Katholiken Sonntag für Sonntag zum Gottesdienst – heute sind es kaum mehr als 10%.

Der Tag ist nicht mehr allzu fern (für bestimmte Altersgruppen ist es wohl schon so weit), dass mehr Menschen bei der Kirche angestellt sind als es praktizierende Katholiken gibt. Dann wird die stille Transformation von der Glaubensgemeinschaft zum Wohlfahrts-Konzern abgeschlossen sein.

Was treibt die Kirche in dieses eklatante Missverhältnis? Es ist der Versuch, die zunehmende gesellschaftliche Irrelevanz des christlichen Glaubens mit der Nützlichkeit der Institution Kirche zu kompensieren. Man muss kein Prophet sein, um zu sehen, wohin diese Entwicklung führen wird: an einem bestimmten Punkt wird dieser Moloch auf tönernen Füßen abgeräumt werden wie die Klöster in der Säkularisation.

Die aus Nützlichkeitsüberlegungen geborene Verflechtung der Kirche mit dem staatswirtschaftlichen Komplex beraubt sie gleichzeitig der Fähigkeit, mit dieser Gesellschaft wirklich zu reden. Nicht über das nächste „Gechäfterl“, das man gemeinsam drehen könnte, sondern über grundsätzliche Fragen. Das ist ja der (vom letzten Konzil beeindruckend in Erinnerung gerufene) Weltauftrag der Kirche: in den gesellschaftlichen Diskurs die Stimme des Logos einzubringen, der die Welt besser versteht als sie sich selbst.

Solange die Kirche in Deutschland sich der Frage nach ihrer Identität nicht stellt, sondern sich immer weiter zu einem Rad im Getriebe eines säkularen Staates degradieren lässt, ist eine Besserung der Situation schwer vorstellbar: eine „falsch aufgestellte“ halbstaatliche Groß-Institution entwickelt sich nach ihren eigenen Gesetzen. Am Ende wird man dann nur sagen können: „finanziell ging es uns aber prächtig“ – ob das genügt?

Dienstag, 11. Dezember 2012

God for you(th)

God for You(th)
Nachdem Josef Bordat freundlicherweise schon einen Hinweis gegeben hatte, möchte ich an dieser Stelle auch noch einmal auf eine schöne Aktion im Kloster Benediktbeuern hinweisen. Dort betet die Jugendgruppe "God for You(th)" seit Sonntag Abend 7 Tage rund um die Uhr.

Im Umfeld hat es viele kritische Fragen gegeben, ob so etwas denn sinnvoll sei und ob es nicht viel besser wäre, wenn die jungen Leute ihre Zeit für "echtes Engagement" nutzen würden.

Pater Stefan Oster SDB, der die Gruppe begleitet, hat bei der Eröffnung der Gebetswoche einige Hinweise zu diesem Thema gegeben, die ich hier kurz wiedergeben möchte:

  • Wir beten an, weil jeder Mensch, der wirklich erkannt hat, wer Gott ist, gar nichts anderes tun kann, als ihn anzubeten
  • Wir beten an, weil die Hl. Schrift uns lehrt, dass Menschen, die Jesus Christus wirklich erkannt haben, nicht anders konnten, als anzubeten: "Mein Herr und mein Gott" (Joh 20,28)
  • Wir beten an, weil wir uns darin mit der ganzen Schöpfung, der sichtbaren und der unsichtbaren, vereinigen, die Gott ununterbrochen lobt und preist
  • Wir beten an, weil die Kirche das immer getan (Mönchsbewegung, "Ewiges Gebet") und es ihr Wesen und ihr Ziel ist, Gott zu verherrlichen
  • Wir beten an, weil jede echte Caritas aus der Nachfolge Jesu ("Engagement") ihren Ursprung in einem anbetenden Herz hat
  • Wir beten an, weil die Welt und die Kirche nichts nötiger haben als den Geist der Anbetung Gottes
Einen Zeitungsbericht über die Gebetswoche findet sich bei "Merkur Online".

Montag, 10. Dezember 2012

Lafontaine über Schröder

Die Macht und die Kohle
Interessant wird Politik eigentlich immer erst dann, wenn sie Geschichte geworden ist. So ermüdend und nervend es ist, den Rettungsbemühungen in Euroland zuzuschauen, so interessant werden in 20 Jahren die Memoiren der Beteiligten zu lesen sein. Was könnte z.B. interessanter sein als die "Innenansicht" des letzten Gaunerstücks in Form des griechischen Schuldenrückkaufs? 

Ein gutes Beispiel für die amüsante Dimension, die Politik in der Rückschau haben kann, ist ein Interview mit Oskar Lafontaine in der SZ. Allerliebst darin die folgende Passage:

"Schröder wollte zumindest noch die Macht. Er war ja auf seine Art, das hat mir immer imponiert, auch ehrlich. Einmal habe ich zu ihm gesagt: Was willst du eigentlich? Sag mir mal, was du eigentlich willst. Da saßen wir, so wir jetzt hier sitzen, zu zweit, und es ging um inhaltliche Dinge. Und seine Antwort war: ›Ich will die Macht und die Kohle.‹ Die Macht und die Kohle. So war der. Und das ist ja auch, was ich an ihm geschätzt habe. Er hat in dieser etwas merkwürdigen Brutalität immer gesagt, was er denkt und will. Er war bereit, jede Volte zu schlagen, um die Macht zu erreichen. Seitdem er weg ist, sind die Nachfolger noch nicht einmal dazu in der Lage"
Irgendwie hat man es ja immer gewusst. Bei Frau Merkel ist es wohl ähnlich, nur dass ihr das Thema "Kohle" nicht so wichtig zu sein scheint. Das ist ein bisschen positiv, auf der anderen Seite würde sie dann vielleicht auch vorsichtiger mit dem Geld anderer Leute umgehen ...

Missbrauch ist immer katholisch ...

Jobo hat eine Glosse über die Berichterstattung bei Tagesschau.de zum Thema "Pädophilen-Ring" geschrieben. Dem ist wirklich nichts hinzuzufügen außer dem Dank an den Kollegen ...

Kardinal lobt Gmünder-"Verlag"

Die Süddeutsche Zeitung berichtet unter dem Titel "Kardinal Lehmann bedankt sich bei Schwulen" u.a. über ein Beitrag Lehmanns in der Mainzer Kirchenzeitung. Darin hatte Lehmann die Initiative des Bruno-Gmünder-Verlages ("stoppt kreuz.net") ausdrücklich erwähnt und in diesem Zusammenhang auch geschrieben: "Darum danken wir allen, die zur Klärung beigetragen haben, auch wenn sie nicht Freunde der Kirche sind". Die SZ empfindet dieses Lob für den Gmünder-Verlag als beispiellos.

Der Beitrag von Kardinal Lehmann zeichnet sich auf weiten Strecken durch eine abgewogene Betrachtung der ganzen Angelegenheit aus und die Verantwortungsvolle Art und Weise, in der er mit Pfarrer Jolie und dessen früheren Beiträgen auf der Plattform umgegangen ist, kann man nur mit großer Anerkennung zur Kenntnis nehmen.

Man fragt sich aber doch, ob der Kardinal mit dem Lob für den Gmünder-"Verlag" gut beraten ist. Zwar hat sich in der Berichterstattung der Terminus "Literatur für Homosexuelle" etabliert, doch zeigt ein Blick auf das Angebot dieses "Verlages" (nein, ich setze hier garantiert keinen Link!), dass man den Begriff Literatur schon in sein Gegenteil verkehren muss, um die dort angebotenen Medien unter ihn subsumieren zu können. Es handelt sich in Wirklichkeit fast ausschließlich um pornographisches Material; um Dinge also, die - würde unser Rechtssystem in diesem Bereich auch nur einigermaßen funktionieren - ohne echte Altersprüfung im Internet überhaupt nicht zugänglich sein dürften.

Es sei nur am Rande angemerkt, dass der Screenshot, mit dem die SZ ihren Beitrag dokumentiert, auf unangenehme Weise für sich spricht. Solange die deutsche Schwulen-Szene ihr Selbstbild über Aufzüge wie den dort dokumentierten definiert, wird es ihr wohl nicht gelingen, die Gleichung "Homosexualität = Perversion" aus den Köpfen der Menschen zu verbannen.


Mittwoch, 5. Dezember 2012

Die Causa kreuz.net

Eigentlich zu schön, um wahr zu sein: ganz Deutschland diskutiert über eine katholische Website. Was das millionenschwere "katholisch.de" und auch kath.net nach menschlichem Ermessen niemals schaffen werden, ist den anonymen Machern des "größten katholischen Internet-Portal Europas" (so die Selbstbeschreibung) gelungen.

Der Preis ist freilich hoch und der Schaden nicht unerheblich. Auslöser war - da gibt es wohl keinen Zweifel - ein Beitrag über den Tod von Dirk Bach. Ausgerechnet die Aussage, dieser sei "zur Homo-Hölle gefahren" brachte kreuz.net ins Visier der deutschen Empörungs-Industrie. Die ganze Aufregung hatte etwas Amüsantes - glauben diejenigen, die sich da empörten, in aller Regel doch an nichts und schon gar nicht an die Hölle. Aber klar: die Website war nun "fällig". Der unsägliche David Berger  und seine neuen Freunde vom Gmünder-Verlag organisierten eine "Stoppt kreuz.net"-Kampagne (mit allem Drum und Dran inklusive Kopfgeld von 15.000 €), der ebenso unsägliche Volker Beck schrieb Briefe an Bischöfe und Kardinäle und nun ist den Machern der Boden unter den Füßen zu heiß geworden.

Machen wir es kurz: kreuz.net, einmal ein Treffpunkt diskussionsfreudiger traditionsverbundener Katholiken, hat sich in den letzten Jahren zu einem schlicht peinlichen Forum entwickelt. Gefühlt 150% der Beiträge befassten sich auf meist ekelerregende Weise mit dem Thema "Homosexualität" (auch der Kommentarbereich wurde zunehmend dominiert vom Krieg zwischen "Homos" und "Homophoben"), dazu die stereotype Diktion über "Theolunken" und "Protestunten" - wahrlich nichts, was die Welt bräuchte und was ein Christenmensch mit seinem Glauben in Einklang bringen könnte.

Dennoch kann einen die aktuelle Entwicklung nicht einfach froh machen. Unverkennbar hat der Feldzug von Berger, Beck und Genossen ein übergreifendes Ziel: die katholische Kirche in Deutschland auf Linie zu bringen und das heißt im konkreten Fall: ihre abweichende Meinung zum Thema "Homosexualität" endgültig auf den Index der Political Correctness zu setzen.

Man kann ein Würgen im Hals kaum unterdrücken, wenn Herr Volker Beck, MdB, sich in einem Brief an deutsche Bischöfe und Kardinäle über die zu lasche Bestrafung eines Pfarrers beklagt, der in Kommentaren auf kreuz.net Mitdiskutanten als "Geistesgnome" bezeichnet habe. Über Diffamierung sollte Herr Volker Beck, MdB, Verfasser von Schriften zur Freigabe des einvernehmlichen Sex mit Minderjährigen ("Altersgrenze erst einmal auf 14 Jahre, dann sieht man weiter"), nicht reden. Wer Kardinal Meissner als "Hassprediger" beschimpft, sollte bei diesem Thema einfach mal den Mund halten.

Liest man die Berichte über die ganze Angelegenheit in der Tagespresse, dieses sich ständig überbietende "erzkonservativ", "ultrakonservativ", etc.; nimmt man hinzu, dass bereits versucht wurde, die Fatwa der schwulen Ayatollahs auf kath.net auszudehnen - es verheißt nichts Gutes für die Zukunft. Denn ein wesentlicher Unterschied besteht zwischen dem Portal und seinen Jägern: während kreuz.net nur das verschwurbelte, aber letztlich ohnmächtige Aufbegehren gegen wirkliche und vermeintliche Fehlentwicklungen in Kirche und Gesellschaft war, steht hinter den Jägern die ganze Macht der öffentlichen Meinungsmache (und teilweise auch des Staates).

Zum Glück hat Herr David Berger rechtzeitig die Seiten gewechselt. Darf man daran erinnern (oder ist das Diffamierung?), dass er bis vor Kurzem im nun ach so bösen konservativ-katholischem Umfeld Karriere machen wollte und diesen Versuch keineswegs freiwillig aufgegeben hat, sondern erst, als er als Schriftleiter von "Theologisches" geschasst wurde, weil ruchbar wurde, dass das Mitglied päpstlicher Akademien in schwulen Internetforen mit freizügigen Selbstporträts auf Lustpartner-Pirsch ging ("Safer Sex: Nach Absprache" - "Dirty: Ja, aber nur NS")? Wie schön, dass Herr David Berger nun allerorten als "katholischer Theologe" verkünden darf, dass wahrscheinlich der Hl. Vater höchstpersönlich hinter kreuz.net steht. Was unterscheidet solchen Schwachsinn eigentlich von den Verschwörungstheorien des nun abgewickelten Portals? Wie wenig journalistisches Ehrgefühl muss man haben, um geistige Ausscheidungsprodukte dieser Art in seinem Blatt abzudrucken?

Ein besonders eindrucksvolles Beispiel für den verlogenen Neusprech der auf Schwulen-Gleichberechtigung gebürsteten Journaille ist die durchgehend anzutreffende Charakterisierung des Bruno-Gmünder-Vereins als eines "auf Literatur für Homosexuelle" spezialisierten Verlags. Wenn widerliche Bücher und Videos (einige mit einem klar in Richtung Pädophilie zielenden Appeal) heute unter "Literatur" laufen, kommt fast wieder so etwas wie Sympathie für die Macher des abgeschalteten Portals auf ...

Samstag, 24. November 2012

Alois im Unglück

Was sieht wohl
Alois Glück darin?
Im Jahre 1924 hat ein heute ganz und gar vergessener Schriftsteller namens Carl Christian Bry ein kleines Büchlein über die "Verkappten Religionen" herausgegeben. Er beschreibt darin die seinzeit (und nicht nur seinerzeit) um sich greifende Neigung zu ideologisch bedingter Irrationalität. Eine kleine Leseprobe:
"Man spreche einmal mit einem Menschen, dem etwa der Antisemitismus zur verkappten Religion geworden ist, über das Salzfaß auf dem Eßtisch. Sein besessener, nach Bestätigung hungernder Geist wird nach zwei Sätzen bei der These angekommen sein, daß schon die alten Juden beim Salzhandel aus Phönizien betrogen hätten oder daß der Prozentsatz jüdischer Angestellter in den staatlichen Salinen viel zu hoch sei. Er ist positiv unfähig geworden, ein Salzfaß zu sehen".
Dieser Satz ging mir heute durch den Kopf als ich auf katholisch.de die folgende Nachricht las:
Der katholischen Kirche droht nach Ansicht von Alois Glück ein Bedeutungsverlust in der deutschen Politik. In einem Interview verwies der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Kahtoliken (ZdK) am Donnerstag in Bonn auf die bevorstehenden Bundestagswahlen im Jahr 2013. 
"Es ist davon auszugehen, dass es in der neuen Legislaturperiode deutlich weniger Abgeordnete geben wird, die explizit aus dem kirchlichen Milieu kommen", so Glück. 
Offensichtlich fänden sich derzeit immer weniger Menschen aus dem Umfeld der Kirche bereit, ein öffentliches Amt auszuüben, weil sie befürchten müssten, für ihre politischen Entscheidungen innerkirchlich angefeindet zu werden.
Nun ist an seiner Prognose, dass dem nächsten Bundestag weniger Mitglieder aus dem kirchlichen Milieu angehören werden, wohl kaum zu rütteln. Wie sollte es auch anders sein, wenn dieses Milieu seit Jahrzehnten einem kontinuierlichen Schrumpfungsprozess unterzogen ist?

Eine solch' naheliegende Erklärung aber kommt dem Herrn ZDK-Präsidenten nicht in den Sinn. Es gibt eben immer eine Wahrheit hinter der Wirklichkeit und die lautet: die bösen Bischöfe sind an allem Schuld. Die Heerscharen für den deutschen Bundestag geeigneter Katholiken (pardon: Katholikinnen und Katholiken) - begierig darauf, für die katholische Sache öffentlich zu streiten - kandidieren nicht, weil sie sich vor "innerkirchlicher Anfeindung" fürchten. Dass man nicht selbst darauf gekommen ist!

Man wüsste doch zu gerne, was Herr Glück unter einer durch Parlamentarier garantierten "Bedeutung der katholischen Kirche in der deutschen Politik" versteht. Täuscht man sich oder steht der tapfere Norbert Geis nicht regelmässig einsam auf weiter Flur, wenn er für die Bedeutung des christlichen Familienbildes und den unbedingten Lebensschutz kämpft? Oder hängt die "Bedeutung der Kirche" etwa an den kirchenpolitischen Dummheiten, die die Lammert und Genossen regelmässig, am besten anläßlich von Papstbesuchen, in die Mikrophone plappern?

Im Jahre 2002 hatte ich das Vergnügen, im Auftrag eines deutschen Bischofs ein Gespräch mit Alois Glück (damals noch Fraktionsvorsitzender der CSU) zu führen. Es ging um die Forschung an embryonalen Stammzellen und gemeinsam mit einem Kollegen versuchte ich Herrn Glück davon zu überzeugen, dass wenigstens die CSU eine klare Position einnehmen sollte. Der Versuch war vergebens - Alois Glück votierte nicht nur für die Stichtagsregelung, sondern beschwerte sich anschließend auch bei meinem Doktorvater Hans Maier über die "fundamentalistischen jungen Leute", die da bei ihm gewesen seien.

Die Herrn Glück damals vorausgesagte Entwicklung hat ihren Lauf genommen: Verlängerung der Stichtagsregelung im Jahre 2008, Freigabe der PID im Jahre 2010. Das Thema ist politisch und gesellschaftlich "durch" - so ist das mit der Bedeutung der katholischen Parlamentarier in der deutschen Politik.

Freitag, 28. September 2012

Klarstellungen

Auf meinen Beitrag auf kath.net zum aktuellen Thema "Kirchensteuer" habe ich eine ganze Reihe von Kommentaren bekommen - darüber hinaus liest man natürlich auch das eine oder andere. Zu einigen Punkten möchte ich daher noch ein paar Klarstellungen hinzufügen:

  • Ich bin NICHT der Meinung, dass die Kirchensteuer abgeschafft werden sollte, damit die "bösen" deutschen Bischöfe weniger Geld haben, all' die ebenfalls "bösen" Mitarbeiter rauswerfen müssen und dann endlich die "wahre Kirche" zum Vorschein kommen kann. So scheint sich das der eine oder andere Vertreter der selbst-gemachten Orthodoxie vorzustellen.
  • Ich bin auch NICHT der Meinung, dass die Kirchensteuer abgelöst werden sollte von einer Finanzierung, bei der jedes Kirchenmitglied selbst entscheidet, wo es sein Geld hingibt. Mein Bischof (ja, ich habe "meinen" Bischof, so wie ich "meinen" Papst habe und beiden bin ich zum Gehorsam verpflichtet und ohne beide kann ich nicht katholischer Christ sein) hat Anspruch darauf, dass ich ihm Geld zur Verfügung stelle, das er nach seinen Vorstellungen zum Wohle und zum Aufbau der ihm anvertrauten Diözese einsetzen kann. 
  • Ich bin allerdings der Meinung, dass er mich in Freiheit verpflichten sollte, d.h. der finanzielle Beitrag sollte auf derselben Stufe stehen wie meine sonstigen Verpflichtungen (z.B. Sonntagspflicht).
  • Ich bin NICHT der Meinung, wie der eine oder andere Blogger-Kollege, dass auch mit der Kirchensteuer alles gut werden kann. Die Schere zwischen dem materiellen Wohl- und dem geistlichen Notstand in der deutschen Kirche ist mittlerweile so groß, dass das derzeitige Finanzierungsmodell notwendigerweise zu einem völlig verzerrten Innen- und Außenbild der Kirche führen muss (das hatte ich mit "florierendes Großunternehmen mit angehängtem defizitären Religionsbetrieb" gemeint). 
  • Diese Schere besteht ganz konkret auch zwischen den "praktizierenden Katholiken" und den "Kirchensteuer-Katholiken". Mir ist klar, dass die Grenzziehungen nie eindeutig sind und Probleme aufwerfen - alle vorliegenden Daten legen aber nahe, dass mittlerweile nur ca. ein Viertel der Katholiken praktizieren (d.h. einigermaßen regelmässig am Gottesdienst teilnehmen und die zentralen Aussagen des Glaubensbekenntnisses der Kirche bejahen). 
  • Es sollte auf der Hand legen, dass ein Finanzierungsmodell, das zu 75% von Personen getragen wird, deren Verhältnis zur Kirche bestenfalls als "distanziert" beschrieben werden kann, nicht in Ordnung ist und zu Schiefständen aller Art führen muss.
  • Ein wesentlicher Schiefstand besteht z.B. darin, dass die große Gruppe der "Distanzierten" ganz automatisch das Klima und die Gepflogenheiten in der Kirche mitprägt. Religionsunterricht, Sakramentenkatechese, viele Gottesdienstformen folgen mittlerweile einem Prinzip des "kleinsten gemeinsamen Nenners"; manchmal hat man den Eindruck, dass die Pastoraltheologie dieses Prinzip völlig verinnerlicht hat. Das kann auf die Dauer nicht gutgehen.
Wie gesagt: Nur einige ergänzende Gedanken, die mir aber am Herzen liegen, um nicht missverstanden zu werden.

Mittwoch, 26. September 2012

Die Kirchensteuer ist ein Skandal

kath.net hat freundlicherweise einen Offen Brief von Theodor an die Mitglieder der Deutschen Bischofskonferenz veröffentlicht. Vielleicht antwortet ja jemand ...

Dienstag, 28. August 2012

Groß und klein ...


Tja, mein lieber Giuseppe, wenn Du mal so groß bist wie ich ...



... fällt Dir auch das Buch nicht mehr so oft auf den Kopf!

Die wirkliche Blasphemie

Im April dieses Jahres hat sich die russisch-orthodoxe Kirche dafür entschuldigt, ein Bild retuschiert zu haben, das Patriarch Kyrill zusammen mit dem russischen JustizministerAlexander Konovalov zeigt. Auf dem Original war eine teure Luxus-Uhr des Patriarchen zu sehen, in der manipulierten Fassung fehlte sie.

Diese kleine Episode versteht man erst dann richtig, wenn man eine Debatte kennt, die vergangenes Jahr in der russisch-orthodoxen Kirche geführt wurde. Sie wurde ausgelöst durch Äußerungen des Erzpriesters Wsewolod Tschaplin, der als Mitglied der Heiligen Synode des Moskauer Patriarchats für die Beziehungen der russisch-orthodoxen Kirche zur Gesellschaft verantwortlich zeichnet. Hier ein Bericht von portal-credo.ru:

Erzpriester Tschaplin hatte in einer Fernsehsendung am 11. April auf die Fragen von Jugendlichen, was vom Reichtum der Bischöfe und einiger Geistlicher zu halten sei, geantwortet, dass Geistliche das gesellschaftliche Prestige der Kirche widerspiegeln sollten. Es sei wichtig, dass die Bischöfe, die Kirchen und die kirchlichen Feiern nicht schlechter, sondern eher besser und schöner dastehen sollten als die Vertreter, Gebäude und Festakte der weltlichen Macht. 
Diese Worte sorgten in der russischen Öffentlichkeit für Empörung. So erkundigte sich der orthodoxe Moderator der wöchentlichen Fernsehsendung «Kirche und Welt mit Metropolit Ilarion (Alfejev) », Ivan Semenov, in einem offenen Brief an Erzpriester Tschaplin, ob seine Worte unkorrekt wiedergegeben seien, oder ob er sich ungeschickt ausgedrückt habe. Daraufhin antwortete ihm der Geistliche ebenfalls in einem offenen Brief, der sich vor allem gegen die ewiggestrige «Angewohnheit der dissidenten Intellektuellen, alles Starke, Teure und Mächtige zu verachten», richtete. In dem Brief heißt es: «Das Ausschmücken von Kirchen sowie der Kleider der Geistlichen, und zwar auch derjenigen, die außerhalb der Gottesdienste getragen werden sowie der Gegenstände, die die Geistlichen im offiziellen Rahmen umgeben, habe nicht ich erfunden, sondern ist eine Tradition der Kirche». Seit jeher hätten praktisch alle Bischöfe der christlichen Kirchen und auch der Russischen Orthodoxen Kirche in Residenzen gelebt, die denen der Zaren und Fürsten in nichts nachgestanden hätten. Sogar «Jesus Christus selbst hat in Häusern gespeist, deren Besitzern – im Luxus schwelgenden Dieben und skrupellosen Steuertreibern – heutige Intellektuelle nicht die Hand reichen würden. » Als Beispiel führte Erzpriester Tschaplin den Zöllner Zachäus an, dessen Gastmahl wohl mit unsauberem Geld bezahlt worden sei: «Welch eine Enttäuschung für diejenigen, welche die Kirche nur dann lieben, wenn sie schwach ist, nicht am Fernsehen auftritt, deren Geistliche in zerlumpter Soutane herumlaufen und […] deren Gotteshäuser halb verfallen sind.» Das dürfe aber in einem Land, wo Millionen Menschen sich als orthodoxe Christen bezeichneten, nicht mehr die Norm darstellen. Die Kirche brauche moderne und solide Gebäude, schöne Gewänder, goldene Ikonostasen und materiellen Wohlstand, um auf Augenhöhe mit denjenigen zu sein, die ihre Machtposition aufgrund von Reichtum ausnützten, sei dies ein Vertreter des Vatikans oder ein Geschäftsmann. 
Erzpriester Tschaplin hält es für puren Neid und geistig ungesund, wenn Christen endlos «Glanz und Elend» von Kleidern und Uhren erörterten. Der Patriarch fahre tatsächlich teure Autos und lebe in teuren Residenzen, aber er trage dieses Kreuz als «unvermeidlichen Bestandteil des Gehorsams eines Oberhauptes gegenüber seiner Kirche». Schließlich würden die Gläubigen es nicht verstehen, wenn ein Mufti oder ein Rabbiner ein prestigeträchtigeres Auto fahren würde als der Patriarch. 
Das eine ist es, historisch-gewachsene Kulturgüter in Kirchenbesitz zu verteidigen - einen Lebensstil "auf Augenhöhe" mit korrupten Staatsmännern und Oligarchen als Imperativ unseres Herrn Jesus Christus darzustellen, ist jene Art von wirklicher Blasphemie in Tateinheit mit Heuchelei (Retusche!), von der der Menschensohn den Tempel seines Vaters gereinigt sehen wollte (welche einschlägige Aktion, die in einem subversiven Buch mit dem Titel "Evangelium" berichtet wird, umfassend die "religiösen Gefühle" der seinerzeit Betroffenen verletzt hat).

Das ist in der Tat "Dreck/Scheiße" im Mantel des "Göttlichen". Vor diesem Hintergrund liest sich das "Punk-Gebet" von "Pussy Riot" vielleicht doch noch einmal anders:
Kirchliches Lob für die verfaulten Führer
Prozession aus schwarzen Limousinen
In die Schule kommt der Pfarrer
Geh zum Unterricht – bring ihm Geld!
Der Patriarch Gundjaj glaubt an Putin
Besser würde der Hund an Gott glauben
Der Gürtel der Jungfrau ersetzt keine Demonstrationen
Die Jungfrau Maria ist bei den Protesten mit uns!
Das Prophetische in den Zeichen der Zeit zu erkennen, gerade auch dann, wenn diese Zeichen extrem verstörend sind, ist eine Kunst, die die Kirche nie verlernen sollte. Die Damen von "Pussy Riot" sind keine religiösen Vorbilder, aber sie verfügen offensichtlich über gesunde religiöse Intuitionen ...

Montag, 27. August 2012

Papsting

Als kleines Dankeschön an Alipius für die Ausrichtung des Schwester-Robusta-Preises, hier ein Beitrag zum Thema "Papst und Pferd":


Ok, es handelt sich zwar um Giuseppe Sarto (Pius X.), aber zum Zeitpunkt der Aufnahme war er erst Kardinal.

Vielleicht kann mir mal bei Gelegenheit jemand die Kopfbedeckung erklären? Von der Form her würde man wohl auf einen recht normalen Capello tippen, aber diese flauschige Oberfläche irritiert mich doch sehr.

Und dann wäre da noch dieses Halstuch ...

Vielen Dank!

Es gibt ja eigentlich schönere Dinge, als öffentlich der Trägheit überführt zu werden - immerhin eine der sieben Todsünden. Im vorliegenden Fall, der Verleihung des Schwester-Robusta-Preises der deutschsprachigen Blogoezese in der Kategorie "Trägheit" kann man sich mit der Annahme trösten, dass die abstimmenden Leser kein Urteil über das Seelenheil treffen, sondern hoffentlich überwiegend zum Ausdruck bringen wollten, dass sie sich von dem entsprechenden Blog mehr Beiträge erwarten.


 Eingehandelt habe ich mir die "Rüge" durch eine längere Blog-Pause in der ersten Hälfte dieses Jahres. Zu meiner Entschuldigung habe ich leider weder eine aufregende Weltreise, noch einen sechsmonatigen Rückzug in eine Kartause anzuführen, sondern die schnödeste aller denkbaren Begründungen: ziemlich viel Stress im Beruf und einen privaten Umzug.

Mein Dankeschön geht natürlich in erster Linie an Alipius, der wirklich keine Mühe scheut, diesen Wettbewerb auszurichten. Für alle, die mir ihre Stimme gegeben haben, habe ich in Zukunft eine prima Antwort bei möglicher Kritik: Ihr habt es nicht anders gewollt ;-)

Blasphemie, Sakrileg und der Staat

Die Kommentare zu meinem Beitrag über Pussy Riot legen den Verdacht nahe, dass ich mich nicht deutlich genug ausgedrückt habe. Mir geht es natürlich nicht um eine Verteidigung dieser Mädchen-Gruppe und ihrer Aktion in der Moskauer-Erlöserkirche. Etwas anders sieht es aus, wenn ich mir die Frage stelle, mit wem ich mich eher solidarisieren würde: mit einer politischen Protestgruppe, die sich offensichtlich an der notorischen Paktiererei der Russisch-Orthodoxen Kirche mit dem Staat reibt - oder Herrn Putin? Da neige ich dann doch zu den Mädels, weil mir dieser auf den Rechtsstaat pfeifende De-Facto-Diktator mit seinen zynischen Sprüchen ("Besser 2 Jahre Arbeitslager als Steinigung") einfach völlig zuwider ist. Protest (und sei er noch so fehlgeleitet in den Mitteln) gegen einen Unrechtsstaat hat bei mir einen Sympathie-Bonus.

Viel wichtiger aber ist die Frage, wie man es mit dem staatlichen Schutz der Religion grundsätzlich hält. Und da neige ich zur Skepsis. Alles, was an entsprechenden Verfehlungen "physisch" ist (also Hausfriedensbruch, Vandalismus, etc.) kann mit den normalen Mitteln des Strafrechts verfolgt und bestraft werden - ein Sonderrecht der religiösen Sphäre ist hierfür meines Erachtens nicht notwendig. Man könnte in diesem "Aufgeld" für die religöse Komponente - auch im Kontext der Präambel des Grundgesetzes - eine Verbeugung des Staats vor der Religion. Ein solches Argument hat etwas für sich. Betrachte ich die konkrete Gesellschaftspolitik mittlerweile faktisch aller Parteien der Bundesrepublik und die entsprechenden gesetzgeberischen Maßnahmen, komme ich zu dem Schluss, dass derlei Symbolpolitik bestenfalls Heuchelei ist, dazu angetan, das Drama des Verlustes religiöser Substanz in Gesellschaft, Politik und Staat zu verdecken. Dann kann das Resultat meiner Meinung nach nur lauten: Nein Danke, lieber Staat! Schütze meine "religiösen Gefühle" lieber durch die Verhinderung der massenhaften Kindstötung, einen wirklichen Schutz der Familie, etc. Das ist die Pflicht - über die Kür sprechen wir dann später.

Der Einsatz für besondere "Schutzräume" der Religion ist mir auch deswegen suspekt, weil ich die gelegentliche Verächtlichmachung des Christentums (zum Beispiel im Bereich der "Kunst") für ein Sekundärphänomen halte. Das eigentliche Problem besteht darin, dass eine wachsende Zahl (wenn nicht bereits die deutliche Mehrheit) meiner Mitbürger meine Religion nicht mehr VERSTEHT. Sie mit irgendwelchen Appellen an Liberalität dazu zu bringen, uns unsere "irrationalen Skurrilitäten" durchgehen zu lassen, kann die Lösung dieses Grundproblems nicht sein - eher seine amtliche Besiegelung.

Das Christentum gehört seinem Selbstverständnis nach in die Mitte der Gesellschaft. Es ist "Lumen gentium". Auf das öffentliche Strahlen dieses Lichtes auch in einer weitgehend säkularisierten Umgebung sollten unsere Bemühungen vor allem gerichtet sein.


Sonntag, 26. August 2012

Für eine heute verstorbene Verwandte



Proficiscere, anima christiana, de hoc mundo,
In nomine Dei Patris omnipotentis, qui te creavit,
In nomine Iesu Christi Filii Dei vivi, qui pro te passus est,
In nomine Spiritus Sancti, qui in te effusus est;
Hodie sit in pace locus tuus
et habitatio tua apud Deum in sancta Sion,
cum sancta Dei Genitrice Virgine Maria,
cum sancto Ioseph, et omnibus Angelis et Sanctis Dei.
Ad auctorem tuum,
qui te de limo terrae formavit, revertaris.
Tibi itaque egredienti de hac vita sancta Maria,
Angeli et omnes Sancti occurrant.
Redemptorem tuum facie ad faciem videas
et contemplatione Dei potiaris in saecula saeculorum.
Amen.

Donnerstag, 23. August 2012

Pussy Riot - so einfach ist das nicht!

Die Blogoezese hat sich mit dem "Pussy Riot"-Prozess eher am Rande beschäftigt und sich dabei vielfach auf die Sekundärphänomene (z.B. im Kölner Dom) beschränkt. Lediglich Elsa hat sich mit einem sehr irritierenden Bildbeitrag (oder ist mir die Pointe entgangen?) klar positioniert und sich dabei offensichtlich von einem nicht besonders geschmackvoll titulierten Beitrag des Kollegen Kissler inspirieren lassen.

Ganz allgemein scheint eine Tendenz vorhanden zu sein, die Performance in der Erlöser-Kirche für eine religions-feindliche Aktion zu halten, deren Bestrafung für gerechtfertigt und lediglich das Strafmaß für (etwas) übertrieben. Man liegt wohl nicht ganz falsch, wenn man den zugrundeliegenden Gedankengang folgendermaßen skizziert: "Bei uns kommen die ganzen als Künstler getarnten Gotteslästerer ja immer ungeschoren davon - in Russland kriegen sie wenigstens eins auf die Mütze". Ganz selbstverständlich wird die ganze Angelegenheit auf jeden Fall in die aktuelle Blasphemie-Diskussion eingebaut und in diesem Kontext bewertet.

Mir scheint diese Deutung grundsätzlich in die Irre zu gehen. Liest man die Schlusserklärungen der drei Angeklagten im Prozess (hier, hier und hier), treten ganz andere Deutungslinien hervor. Der Protest von "Pussy Riot" entzündet sich an der zynischen Inanspruchnahme der religiösen Ästhetik der Orthodoxie für seine politischen Zwecke. So erklärt Katja Samutsevich:
Our sudden musical appearance in the Cathedral of Christ the Savior with the song “Mother of God, Drive Putin Out” violated the integrity of this media image, generated and maintained by the authorities for so long, and revealed its falsity. In our performance we dared, without the Patriarch’s blessing, to combine the visual image of Orthodox culture and protest culture, suggesting to smart people that Orthodox culture belongs not only to the Russian Orthodox Church, the Patriarch and Putin, that it might also take the side of civic rebellion and protest in Russia.
[Unser überraschender musikalischer Auftritt in der Kathedrale Christi des Erlösers mit dem Lied "Mutter Gottes, vertreibe Putin" beschädigte die Integrität dieses medial vermittelten Bildes, das die Autoritäten so lange erzeugt und aufrecht erhalten hatten, und offenbarte seine Falschheit. In unserer Performance wagten wir - ohne den Segen des Patriarchen - die orthodoxe Kultur und die Kultur des Protestes visuell zu verbinden, um aufmerksamen Menschen zu vermitteln, dass die orthodoxe Kultur nicht nur der Russisch-Orthodoxen Kirche, dem Patriarchen und Putin gehört; dass sie ihm Gegenteil auf der Seite des zivilen Ungehorsams und des Protestes in Russland stehen könnte]
Der Kern des "Pussy Riot"-Prozesses besteht nicht in der Lästerung Gottes, sondern in der Inanspruchnahme der religiösen Tradition des Landes gegen das Putin-Regime. Sehr deutlich wird das in der vielzitierten Beschimpfung des Patriarchen im "Protest-Gebet":
Der Patriarch Gundjaj glaubt an Putin
Besser würde der Hund an Gott glauben
Der Gürtel der Jungfrau ersetzt keine Demonstrationen
Die Jungfrau Maria ist bei den Protesten mit uns!
So ist die Performance in der Erlöserkirche vor allem eine Anfrage an die Russisch-Orthodoxe Kirche, ihr Verhältnis zum herrschenden politischen System zu überprüfen. Liest man die Erklärung des Obersten Kirchenrates der Russisch-Orthodoxen Kirche zum Prozess, muss man annehmen, dass diese Anfrage bisher geflissentlich übersehen wird. Gleichzeitig offenbart diese Erklärung, wie tief die Identifikation von Religion und Nation im Denken der Kirche verwurzelt ist:
Unser Volk ist durch die Prüfungen der militanten Gottlosigkeit und der faschistischen Aggression gegangen. Das war uns eine tragische Lehre, die eine besondere Sensibilität gegenüber der Schmähung religiöser und nationaler Gefühle in uns herangebildet hat.
Wer religiöse und nationale Gefühle so eng zusammenrückt, wird immer in der Versuchung stehen, die mit dem Christentum grundsätzlich gegebene kritische Distanz zum Staat aufzugeben und zum Opfer politischer Instrumentalisierungen zu werden.

Für die auch in Deutschland virulente Blasphemie-Debatte kann der Fall "Pussy Riot" ein wichtiger Hinweis sein, den "Schutz des Staates" nicht allzu leichtfertig einzufordern. Zurecht erinnert eine der Angeklagten in ihrem Statement an die düstere Seite der Geschichte des Blasphemie-Begriffs und seiner Anwendung. Ihm ist nicht nur Sokrates zum Opfer gefallen, sondern auch unser Herr selbst und sein erster Blutzeuge Stephanus ...