Freitag, 9. Dezember 2011

Katholikentag

Eher durch Zufall bin ich über die Website für den nächsten Katholikentag in Freiburg gestossen. Ganz reizend die Liste unter "Unsere Ideale":

  • Wir sind viele!
  • Wir sind modern!
  • Wir sind politisch!
  • Wir sind katholisch!
Alles klar: viele + modern + politisch = katholisch. Selten so eine überzeugende Definition gelesen.

Den Zusammenhang zwischen politisch und katholisch erläutert dann Herr Alois Glück, seines Zeichens Chef des Zentralkomitees:
Kirche und Gesellschaft stehen gleichermaßen an einem Wendepunkt. Ohne den tatkräftigen Willen zur Erneuerung werden wir weder die gegenwärtige Krise unserer Kirche überwinden, noch die gesellschaftlichen und politischen Herausforderungen in unserem Land und in der globalisierten Welt bewältigen", unterstrich der Präsident des ZdK, Alois Glück, bei der Vorstellung des Leitwortes. "Mit dem Katholikentag wollen wir ein Zeichen setzten, dass sich Christinnen und Christen sowohl an der Erneuerung ihrer Kirche als auch der Gesellschaft beteiligen wollen."
Ein wahrhaft heroisches Unternehmen: Neben der Abwendung der Weltfinanzkrise wird von den Berufs-Katholiken dann auch gleich noch die Kirchenkrise durch einen "neuen Aufbruch" überwunden.

Gut, dass wir das ZdK haben ...

Donnerstag, 17. November 2011

Weltbild - was nun?

Der heutige Rücktritt des Aufsichtsratsvorsitzenden und die zugehörige Erklärung des Bistums Augsburg deuten darauf hin, dass bei Weltbild diesmal nicht alles beim Alten bleiben wird. Das ist rundum erfreulich!

Gleichzeitig möchte man in der Haut der Bischöfe, die sich bei der Sitzung des Ständigen Rates der DBK in der kommenden Woche mit dem Thema beschäftigen werden, nicht stecken. Jede Handlungsoption, die man nun ins Auge fassen könnte, hat es in sich:

  1. Alles beim Alten lassen: das ist wohl vorbei (siehe oben).
  2. Die große Lösung: Den Konzern verkaufen. Da könnte es ein böses Erwachen geben. Was, wenn den Laden niemand haben will? In der Tat kann man sich ja nicht so recht vorstellen, wer einen Online-Buchhandel, eine Buchhandelskette und einen Sack von Beteiligungen in dieser Kombination gebrauchen könnte. Für die direkte Konkurrenz ist Weltbild entweder zu klein (Amazon) oder zu groß (Thalia). Bliebe wohl nur eine differenzierte Verkaufsstrategie, d.h. die Unternehmensbestandteile einzeln an den Mann bringen. Das ist aufwendig und solche Transaktionen (sowie die darauf spezialisierten Beratungsfirmen) haben keinen allzu guten Ruf. 
  3. Harte inhaltliche Revision: Diese Variante kann man aus der Augsburger Erklärung zwischen den Zeilen herauslesen. Das ist die nobelste Variante, aber es ist doch sehr fraglich, ob sie gelingen kann, ohne den - ohnehin nicht besonders ertragstarken - Konzern im Bestand zu gefährden. Würde man sich auf die "harten" Themen (Erotik, Gewalt) beschränken, wäre der Schnitt vielleicht überschaubar, es bliebe aber fraglich, ob eine solche Operation zu nachhaltigen Ergebnissen führen würde. Vor allem: Mit welchem Personal macht man so etwas? Die derzeitige Konzernführung käme wohl kaum in Frage.
Letztlich spricht eine Abwägung aller Faktoren wohl für Variante 2. Vielleicht könnte man dem einen oder anderen unschlüssigen Interessenten bei der Gelegenheit gleich noch die Beteiligung am Fernsehballett als Gratis-Happen mit drauflegen ...


Wiederverheirate Geschieden = Josephsehe?

Auf die Debatte bei Alipius hatte ich mit einem eigenen Beitrag reagiert, auf den nun wieder Damian geantwortet hat. Schön, dass das Thema auf ein gewisses Interesse stößt.

Damian freut sich über meine Feststellung, dass die "Josephsehe" nur in einer öffentlichen Form das Problem wiederverheiratet Geschiedener (sprich: ihren Ausschluss aus der Sakramentengemeinschaft) wirklich lösen könnte, ist aber arg enttäuscht, dass ich diesen Weg nicht für gangbar halte. Darüber hinaus hält der den Grundansatz, für diese Menschen eine Lösung jenseits "pastoraler Zuwendung" finden zu wollen, für verfehlt.

Beginnen wir mit dem Letzteren: Das kirchliche Recht hat Analogien zum staatlichen Recht, aber auch wesentliche Unterschiede. So ist die kirchliche Gemeinschaft nicht zunächst und vor allem Rechtsgemeinschaft (wie der Staat), sondern Liebesgemeinschaft. Von daher stehen Sanktionen unter einem ganz anderen Rechtfertigungsdruck als dies im Staat der Fall ist. Ich habe mir an keiner Stelle die Rede von der "Unbarmherzigkeit" der Kirche in Bezug auf die wiederverheirateten Geschiedenen zueigen gemacht. Wenn eine große Zahl von Menschen, denen die Kirche zumindest zu Teilen eine gute Absicht und einen Willen zur kirchlichen Gemeinschaft unterstellen muss, in einen irregulären Zustand gerät, dann wird sich diese Kirche aber aufgerufen fühlen, nach wirklicher Abhilfe zu suchen. Um ein aktuelles Beispiel anzuführen: auch den vier Bischöfen der Piusbruderschaft und allen ihren Anhängern versucht die Kirche ja gerade, aus einer solchen irregulären Situation herauszuhelfen. Dies hat mit einer falschen Auflösung der "Spannung zwischen der Berufung zur Vollkommenheit und unserer sündhaften Schwäche" nichts zu tun.

Damians Kritik an meiner Einschätzung der Josephsehe muss ich deutlich widersprechen. Seine Rede von "romantischer Zuneigung" empfinde ich fast schon als denunziatorisch. Die Liebe zwischen Mann und Frau ist aus Sicht der Kirche keine "Romantik", sondern Annahme des Anderen und Hingabe an ihn. Auf dieser Annahme/Hingabe gründet die Lebensgemeinschaft. Die Sexualität spielt hierbei keineswegs - wie Damian unterstellt - eine (trieb-)"befriedigende" Rolle, sondern sie ist Vollzug dieser Liebe. Wie die meisten wissen, ist dieser Vollzug nach traditioneller kirchlicher Ehelehre konstitutiv für die Entstehung des Ehebandes, d.h. erst die vollzogene Ehe ist wirkliches Abbild der Beziehung zwischen Christus und seiner Kirche. Auch das kirchliche Recht trägt diesem Tatbestand Rechnung, indem die Unfähigkeit zum Vollzug des ehelichen Aktes ein Ehehindernis darstellt, Unfruchtbarkeit z.B. aber nicht. Der Verzicht auf diesen Vollzug ist nicht vergleichbar mit der Enthaltsamkeit von Verlobten, wie Damian fälschlicherweise meint. Diese leben noch nicht in einer solchen Liebes- und Lebensgemeinschaft.

Die "öffentliche Josephsehe" leidet als Konstrukt also an vielen Stellen: Vor allem ist sie im kirchlichen Verständnis eben keine Ehe im eigentlichen Sinne. In der konkreten Situation wiederverheiratet Geschiedener könnte sie darüber hinaus leicht als Unterlaufung des eigentlichen Problems missbraucht werden. Durch die öffentliche Erklärung der "Josephsehe" wäre der Ausschluss von den Sakramenten aufgehoben und jeder dann doch erfolgende eheliche Akt wäre dann "nur" eine beichtbare Sünde.

Langer Rede, kurzer Sinn: Ich kann nicht behaupten, dass mich Damians Ausführungen von meiner Einschätzung abbringen könnten, dass die "Josephsehe" nicht die Lösung des Problems sein kann - würde mich aber freuen, wenn der eine oder andere meinen eigentlichen Vorschlag kommentieren würde.




Mittwoch, 16. November 2011

Wiederverheiratet geschieden - wie geht es weiter?

Der HH. Alipius hat letzte Woche ein sehr interessantes Posting zu diesem Thema geschrieben, das viele ebenso interessante Kommentare erzeugt hat. Wie nun umgehen mit der aufgeworfenen Frage?

Da ist zum ersten das Thema "Prävention". Sicher kann und muss man eine Ursache der heutigen Probleme in der Tatsache sehen, dass viele Katholiken schlecht vorbereitet kirchlich getraut werden. Ich muss mich nur an mein eigenes "Brautexamen" erinnern, um da heftig zu nicken. Da wimmelte es von "Eigentlich müsste ich Ihnen jetzt sagen ..." und "Eigentlich müsste ich sie jetzt fragen ...". Am Schluss dann ein "Eine Garantie, dass es gut geht, kann ich Ihnen auch nicht geben" - Prima, herzlichen Dank auch ...

Hier wird man ansetzen können und manches wird kirchlicherseits ja auch angeboten (Ehevorbereitungsseminare, etc.). Man wird aber fragen müssen, ob die Eindeutigkeit, mit der die Kirche die Sakramentenspendung an die Tatsächlichkeit eines Lebens in der Kirche und aus dem Glauben bindet, nicht viel früher ansetzen muss. Durch die Simulation von "Volkskirche" wird eine nicht geringe Zahl an Menschen mit dem ganzen Spektrum an Sakramenten(zugängen) versehen (Taufe, Erstkommunion, Firmung, Ehe), ohne jemals wirklich am kirchlichen Leben teilgenommen zu haben. Stellen diese Menschen plötzlich fest, dass ihr Leben fern der Kirche zu Konsequenzen führt, wird dies verständlicherweise als "Unbarmherzigkeit" empfunden.

Aber kommen wir zum Kern des Themas zurück: Welche Möglichkeit hat die Kirche, Menschen, die ernsthaft kirchlich leben wollen nachdem sie eine zweite Ehe eingegangen sind, zu helfen?

Die ernüchternde Antwort lautet: Auf der Grundlage der kirchlichen Sakramentenlehre ist dies eigentlich nicht möglich. Als Wirkung des sakramentalen Ehevertrages wird ein Eheband gestiftet, das sich vom "character indelebilis" anderer Sakramente nur dadurch unterscheidet, dass es nicht über den Tod hinaus wirkt. Dieses Eheband repräsentiert übernatürlich die Treue zwischen Christus und seiner Kirche und ist nicht auflösbar. Jeder sexuelle Akt mit einer anderen Person ist daher Ehebruch und eine erneute dauerhafte Verbindung Polygamie. Verschärfend kommt hinzu, dass eine zivile Wiederverheiratung ein öffentlicher Akt der Ablehnung der kirchlichen Ehelehre ist. Das ist der eigentlich Grund, warum Wiederverheiratete Geschiedene vom Sakramentenempfang dauerhaft ausgeschlossen sind.

Die Interpretation der Binde- und Lösegewalt der Kirche als Möglichkeit zur Auflösung einer gescheiterten Ehe ist eine nur theoretische Möglichkeit. Zwar gibt es diese Praxis in der Ostkirche, doch hat die römische Kirche eine konstant andere Lehre und Praxis - mit guten Gründen und (am Rande bemerkt) vielen Referenzen auch bei den griechischen Kirchenvätern. Die vom Evangelium her gegebene Deutung des Ehebandes als Abbild des Treueverhältnisses zwischen dem Herrn und seiner Kirche lässt eine solche "Lösung" einfach nicht zu.

Es bleibt also scheinbar nur der Ausweg, den auch HH. Alipius empfiehlt: die "Josephsehe", d.h. die sexuelle Enthaltsamkeit in der neuen Verbindung. Ich muss allerdings gestehen, dass mich diese Konstruktion wenig überzeugt. Hiermit wird ein Sonderfall besonderer Heiligkeit zur praktischen Norm erhoben, der einem halbwegs realistischen Blick auf die conditio humana (und dieser realistische Blick war immer ein Kennzeichen katholischer Pastoral!) nicht standhält. Ist es nicht eine wirkliche Errungenschaft der letzten 100 Jahre, dass die Kirche gelernt hat, die Sexualität in der Ehe nicht nur als pflichtgemässe Regelung der zur Unordnung neigenden Triebhaftigkeit zu sehen, sondern als echten Wert, in dem - recht verstanden und kontrolliert von der Tugend der Maßhaltung - die Liebe zwischen Mann und Frau sich erfüllt, ja, auf den sie hinzielt? Der an dieser Stelle gerne gegebene Verweis auf den Zölibat verfängt meines Erachtens nicht. Weder lebt der Zölibatär in einer Liebesbeziehung zu einer Frau, noch hat auf der Gegenseite ein Liebespaar die Standesgnade für den Zölibat. Ganz am Rande sei bemerkt, dass der "Josephsehe" von der Kirche eine öffentliche Form gegeben werden müsste, um die oben angesprochene öffentliche Abkehr von der Kirche durch die zivile Wiederverheiratung aufzuheben. Ist das alles realistisch und ein gangbarer Weg? Ich meine: Nein.

Gibt es also keine Abhilfe?

Ich habe einen schüchternen Vorschlag: Die Kirche hat immer darauf bestanden, dass sie die Gewalt besitzt, Ehehindernisse aufzustellen, d.h. Kriterien zu definieren, die Voraussetzung für die Gültigkeit einer kirchlich geschlossenen Ehe sind (seit Trient hat dieser Anspruch den Charakter eines Dogmas im strengen Sinne). Wäre es nicht denkbar, dass die Kirche einen - durch Zeugen untermauerten - Nachweis einer wirklichen kirchlichen Praxis beider Brautleute sowie eine ernsthafte Vorbereitung zur Voraussetzung für eine gültige sakramentale Eheschliessung erhebt? Wäre das nicht ein sinnvolles Ziel, dass jeder, der von der Kirche getraut wird, wirklich weiss, was dieser Schritt für sein Leben bedeutet? Könnte man von solchen Eheleuten dann nicht mit Recht die Einsicht verlangen, dass das Scheitern ihrer Verbindung ein Schicksalsschlag ist, der dann - wie so manches andere schuldlose Leid - unter Verzicht auf eine neue Verbindung in der Treue zu Christus getragen werden muss?

Als "Nebeneffekt" einer solchen Regelung könnte für eine Übergangszeit die Annullierung von Ehen "großzügiger" gehandhabt werden. Nicht als "Wegschauen und Schwamm drüber", sondern als konsequente Anwendung des rückwirkend feststellbaren, anerkannten Ehehindernisses.

Mir ist bewusst, dass auch mit einer solchen (aus meiner Sicht dogmatisch vertretbaren) Änderung in Zukunft nicht alle Arten von "Härtefällen" vermieden werden können. Andererseits scheint es mir auf der Hand zu liegen, dass die gegenwärtige Situation zu einem nicht unerheblichen Teil "hausgemacht" ist. Die Kirche täte gut daran, alles in ihren Möglichkeiten stehende zu tun, um sowohl Menschen vor einer letztlich leichtfertigen kirchlichen Eheschliessung abzuhalten als auch möglichst vielen Paaren, die - auch durch pastorale Versäumnisse der Vergangenheit - in eine irreguläre Situation geraten sind, einen Weg zurück in die volle Gemeinschaft der Kirche zu eröffnen.

Montag, 7. November 2011

5 Kinder in Deutschland

Wir ziehen im Dezember in ein Nachbardorf. Heute erzählte eine Bekannte, die wir dort bereits haben, dass sie jemandem aus dem Dorf von uns erzählt habe. Die Reaktion: "Ja haben wir schon gehört: eine Familie mit 5 Kindern - Hartz IV".

Es wird einem ja immer mal wieder klar, dass Familien mit mehr als den 1,5-Durchschnittskindern in bestimmten Kreisen als asozial gelten. Aber dass jetzt schon in oberbayerischen Dörfern der logische Schluss "5 Kinder = Hartz IV-Empfänger" fest in den Köpfen verdrahtet zu sein scheint, schockiert einen dann doch.

Denkt man ein bißchen weiter, kann es dafür zwei Gründe geben:

  1. Man denkt, dass 5 Kinder das logische Ergebnis einer Hartz-IV-Laufbahn sind - oder
  2. man denkt, dass eine Harzt-IV-Laufbahn das logische Ergebnis von 5 Kindern sind
Mir scheint, dass beide Varianten dafür sprechen, dass in unserem Land etwas nicht in Ordnung ist.


Donnerstag, 3. November 2011

Imaginem Mundi esse vendendam!

Auf kath.net ist heute ein Beitrag von Theodor zum Thema "Weltbild" erschienen. Hoffen wir mal, dass die Bischöfe bald ein Einsehen haben ...

Haeckeriana

Theodor Haecker
Die wenigsten werden wissen, dass das Pseudonym des Autors dieses Blogs auf Theodor Haecker anspielt,  einen katholischen Autor der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, der schon alleine aufgrund seiner Schrift "Satire und Polemik" als einer der "Kirchenväter" der Blogoezese taugen würde.

Ich halte Theodor Haecker für einen der bedeutendsten katholischen Denker des 20. Jahrhunderts im deutschen Sprachraum. Mit seiner Verbindung einer existentialistischen Subjektphilosophie (Haecker hat zahlreiche Werke Kierkegaards ins Deutsche übersetzt und zu dessen Bekanntwerden in Deutschland nicht wenig beigetragen) mit thomistischem Gedankengut hat der "Freizeit-Schriftsteller" Haecker Wege beschritten, die bis heute keineswegs ausgetreten sind. Als geistiger Wegbegleiter der "Weißen Rose" hat er in gewisser Weise auch Geschichte geschrieben. Eine sehr schöne Charakterisierung Haeckers stammt daher aus der Feder Sophie Scholls: "Er hat ein sehr stilles Gesicht, einen Blick, als sähe er nach innen. Es hat mich noch niemand so mit seinem Antlitz überzeugt wie er."

Leider gehört Haecker zu den heute fast vergessenen Gestalten der vielleicht produktivsten Periode des deutschen Katholizismus. Seine Werke werden - bis auf die "Tag- und Nachtbücher" - seit langem nicht mehr aufgelegt. Ich habe mich daher entschlossen in lockerer Folge Haecker-Brocken in meinen Blog einzustreuen.

Anfangen möchte ich mit einem Aphorismus zu einem klassischen katholisch-protestantischen Topos:
In principio erat Verbum - Im Anfang war das Wort. 
Estote autem factores verbi! - seid Täter des Wortes!
Luther haßte die Epistel des Jakobus um dieses Wortes willen und nannte sie eine stroherne. Das >Wort< kann man nur hören; es selber tut alles zum Heile des Menschen, und allein. Wie hat sich dieses Mißverständnis gerächt bei seinen Nachfolgern und ist ins Gegenteil umgeschlagen! Der Mensch tut alles, und allein. Ohne das Wort. Im Anfang war die Tat. Die Wahrheit aber ist, daß beides gilt, und die Ordnung der Wahrheit ist, daß im Anfang das Wort ist. Es soll gehört und getan werden; aber im Hören ist schon ein erstes Tun, und im Tun soll ohne Unterlaß ein Hören sein.
 aus: Der Geist des Menschen und die Wahrheit

Mittwoch, 2. November 2011

Wer leitet die Piusbruderschaft?

Es wird immer chaotischer. Das Generalhaus der Piusbruderschaft sieht sich genötigt, die durch einen Newsletter des Distriktoberen für Großbritannien ausgelösten Meldungen zu neutralisieren und hat eine Pressemitteilung herausgegeben, die betont, dass nur der Generalobere im Namen der Bruderschaft spricht und sprechen wird. Darin findet sich der folgende Satz:
Der Grund ist ein Rundschreiben des englischen Distriktoberen, Pater Paul Morgan, das gestern für kurze Zeit im Internet zu lesen war, in dem er ähnliches behauptet haben soll.
Nein, er soll nicht behauptet haben, sondern er behauptet. Nein, es war nicht gestern im Internet zu lesen, sondern es ist immer noch im Internet zu lesen.

Ich stelle mir gerade vor, dass ich als Vorstand eines Unternehmens eine Fusion verhandele und dann gibt ein Bereichsleiter solche Erklärungen ab. Das Ergebnis liegt auf der Hand: Da hat jemand seinen Laden überhaupt nicht im Griff!

Die "Ökumene" mit der FSSPX scheint zunehmend unter demselben Problem zu leiden, wie die Ökumene mit dem "Protestantismus" seit jeher: Mit wem soll Rom eigentlich reden?

Die Piusbruderschaft wird ablehnen!

Im aktuellen Newsletter des Distriktoberen für Großbritannien finden sich die folgenden Zeilen:


The first day of the meeting covered three issues: an overview of the contacts with Rome since 1987; a summary of the doctrinal discussions; and an oral exposition of the Doctrinal Preamble document itself. 
With regard to the doctrinal talks it was disappointing to note that the Roman commission failed to acknowledge the break between traditional and conciliar teachings. Instead it insisted upon the ‘hermeneutic (interpretation) of continuity,’ stating that the new teachings included and improved the old!
It was interesting to learn that the 14th September meeting had not touched upon the doctrinal talks at all, but rather was dedicated to expounding possible practical solutions for the Society. 
So it was perhaps not surprising to learn that the proposed doctrinal basis for any canonical agreement in fact contained all those elements which the Society has consistently rejected, including acceptance of the New Mass and of Vatican II as expressed in the New Catechism. Indeed, the document itself conveys the impression that there is no crisis in the Church... 
Hence the stated consensus of those in attendance was that the Doctrinal Preamble was clearly unacceptable and that the time has certainly not come to pursue any practical agreement as long as the doctrinal issues remain outstanding. It also agreed that the Society should continue its work of insisting upon the doctrinal questions in any contacts with the Roman authorities. 
In many ways we can see the hand of Providence in this meeting, falling as it did on the Feast of the Holy Rosary, given the clarification of Rome’s persistence in the modern errors, and the consequent necessity of continuing with the fight against modernism through fidelity to Catholic Tradition. 

Das klingt doch sehr beruhigend. Rom besteht also auf den folgenden Punkten:

  1. Das Konzil ist in der Kontinuität zu interpretieren und dies ist auch möglich
  2. Die FSSPX hat den Glauben der Kirche in der Form des gültigen Katechismus zu bekräftigen
  3. Die FSSPX muss die Gültigkeit der "Neuen Messe" anerkennen



Montag, 31. Oktober 2011

So eindrucksvoll ...

Wenn es Elsa nicht gäbe, müsste man sie wirklich erfinden. Auf kath.net kann muss man ein Interview über ihren Weg zur Kirche lesen.

Besonders angefasst hat mich die folgende Stelle:
Da Sie aber konkret nach dem Schlüsselerlebnis fragen, also jenes, welches die Pforte des Weges öffnete, der zum Nachdenken und letztlich zu meiner Bekehrung führte, dann ist das ganz bestimmt der Abend, an dem Johannes Paul II. starb. 
Ich entsinne mich noch, ich fühlte mich zunächst ungeheuer belästigt. Zu lange war der schwerkranke Papst schon in den Medien breitgetreten worden. Versuchte, die Bilder aus Rom wegzuzappen. Kehrte immer wieder zu den Übertragungen zurück. Zu den Aufnahmen der singenden und betenden Menschen auf dem Petersplatz in Rom.
Das hat mich so berührt, dass ich am Ende, unter Tränen, versucht habe, seit langer Zeit wieder ein christliches Gebet zu sprechen - für diesen Papst, der mir zu seinen Lebzeiten eher wenig bedeutet hatte. Ich denke schon, dass dieser Moment eine Initialzündung war, und ich bin mir sehr sicher, dass ich nicht der einzige "Ungläubige" gewesen bin, der an diesem Abend auf den Weg gebracht wurde. 
Da werden so viele Erinnerungen wach an den April 2005 und an diesen Abend, der nicht nur "Ungläubige" auf den Weg gebracht hat, wie Elsa es so schön schreibt, sondern auch vielen "Gläubigen" bis auf den Grund ihrer Seele gegangen ist und ihnen die Augen dafür geöffnet hat, was es mit der Kirche und der Heiligkeit auf sich hat. Dass die Liebe des Gekreuzigten, wenn sie in einem Menschen gegenwärtig wird, buchstäblich die Welt erschüttert und die Herzen der Menschen öffnet.

Streitkultur

Nein, das hat nichts mit dem interreligiösen Dialog zu tun. Es ist auch kein Tipp für Mannheim II, Mannheim III und Mannheim IV.

Es ist einfach nur ein sehr lustiges Plakat ;-)


Donnerstag, 27. Oktober 2011

Dienstag, 25. Oktober 2011

Sie verdienen nicht einmal Geld damit ...

Wenn man dem heute auf welt.de veröffentlichten Beitrag von Bernhard Müller glauben darf, dann generiert das Engagement der Kirche bei WELTBILD keine nennenswerten Erlöse. Vielmehr wurden im Laufe der Jahre erhebliche Summen (Müller nennt 182 Millionen) investiert, um das Wachstum des Unternehmens zu unterstützen.

Der Versuch eines Verkaufs ist im Jahr 2009 angeblich durch die Finanzkrise verhindert worden. Schaut man ein wenig auf die Medienbranche, kommt einem der Verdacht, dass dieses kleine Imperium sich zu Tode gewachsen hat. Wer kauft die Nummer 2 in einer Branche? Bestenfalls die Nummer 1, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass Amazon in der Übernahme von WELTBILD ein irgendwie lohnendes Geschäft sieht. Was soll ein weltweit agierender Online-Buchhändler mit einem Gemischtwarenladen anfangen, zu dem Hunderte von Buchhandlungen gehören, um deren Rentabilität es nicht zum Besten stehen dürfte? Deren Verluste mit dem guten Geld aus dem Online-Geschäft kompensieren?


Es spricht einiges dafür, dass die kirchlichen Eigentümer sich von der konfessionslosen Geschäftsführung in eine Einbahnstrasse haben locken lassen. Das umsatz-, aber offenbar nicht besonders ertragstarke Unternehmen muss weiter "auf Teufel kaum raus" die Märkte mit dem bedienen, was sie nachfragen. Umsatzgefährende Einschränkungen (etwa durch eine sorgfältige Überprüfung des Programms) könnten schnell in eine Situation führen, in der saniert werden muss, d.h. der halbwegs zukunftssichere Online-Handel kann verkauft, die tendenziell defizitären Buchläden und Verlage müssen abgewickelt werden. Dort sitzt der Großteil der Mitarbeiter des Konzerns und spätestens dann wird sich die Öffentlichkeit daran erinnern, dass WELTBILD ein kirchliches Unternehmen ist.

Die armen Bischöfe sollten vielleicht doch noch einmal die Rede des Hl. Vaters zum Thema "Entweltlichung" studieren ...


Die Piusbrüder und die Action Française

Vor kurzem hat die Piusbruderschaft auf Ihrer deutschen Homepage einen Artikel von Michael Klonovsky aus dem Focus veröffentlicht. Die eine oder andere Passage in diesem Beitrag ist ganz nett formuliert, etwa diese:
Papstgegner waren Männer wie Kaiser Friedrich Barbarossa, Heinrich VIII., Luther, Calvin, Voltaire, Robespierre, Napoleon, Bismarck, Nietzsche oder Stalin; eine Institution, die dergleichen überstanden hat, muss sich vor Claudia Roth und Volker Beck nur in Maßen fürchten.
Der Autor zollt der katholische Kirche Respekt für ihre reaktionäre Ausstrahlung, macht aber keinen Hehl daraus, dass er den Glauben dieser Kirche für unsinnig hält. Hierfür beruft er sich auf den Preußenkönig Friedrich II.:
"Wenn man eine lächerliche Religion abschafft", auch darüber war sich der Preußenkönig im Klaren, "dann tritt etwas noch Unsinnigeres an ihre Stelle." In der Tat sind die aktuellen Ersatzreligionen ziemlich unsinnig, weil deren Anhänger nicht zu glauben meinen, sondern zu wissen wähnen.
Um ganz deutlich zu machen, woher bei diesem "Papst-Verteidiger" der Wind weht, sei der Schlusssatz seines Beitrages zitiert:
Er sei "nicht christlich, aber katholisch", bekannte Charles Maurras – eine Idee, die mir von Tag zu Tag plausibler erscheint.
Macht man sich deutlich, dass "nicht christlich, aber katholisch" das Leitmotiv der Action Française war, jener royalistisch-nationalistischen Bewegung im Frankreich der ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts und berücksichtigt man, dass bereits der Namensgeber der Bruderschaft, der hl. Papst Pius X. diese Bewegung verurteilt hat, wundert man sich doch sehr, dass nicht wenigstens der Schlußsatz des Beitrags von der Redaktion mit einer entsprechenden einschränkenden Note versehen wurde.

Vielleicht muss man sich aber doch nicht allzu sehr wundern, denn die Ideologie der AF kommt dem politisch-gesellschaftlichen Denken der Piusbruderschaft sehr nahe. Die schroffe Ablehnung von "Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit", die - vorsichtig ausgedrückt - starke Reserve gegen Republik und Demokratie sowie der antisemitische Einschlag stellen deutliche Schnittmengen dar.

Ich bin mir sicher, dass der Hl. Vater auf ein "Viva Benedetto" sehr gut verzichten kann, wenn es von Leuten stammt, denen die Kirche als possierliches anti-zeitgeistiges Relikt in den Kram passt, die ihren Glauben aber für Unsinn halten.



Montag, 24. Oktober 2011

Pornos beim Borromäusverein

Der Verkauf von Pornographie scheint fester Bestandteil des gesamten Medienbetriebs der katholischen Kirche in Deutschland zu sein.

Der Borromäusverein wurde im Jahre 1845 gegründet mit dem schönen Titel
Verein vom Heiligen Karl Borromäus zur Förderung des katholischen Lebens und zur Begünstigung guter Schriften und Bücher
 In seinem "Leitbild" finden sich schöne Sätze:
Wir beurteilen Medien und sprechen Empfehlungen nach Maßstäben literarischer und inhaltlicher Qualität und auf Grundlage des christlichen Menschenbildes aus. 
Wer auf der Startseite von borromaeusverein.de den Begriff "Porno" eingibt, erhält ein reiches Angebot an DVDs "auf der Grundlagen des christlichen Menschenbildes":



Vielleicht sollten die Deutschen Bischöfe Ihre Medien-Strategie mal einem grundsätzlichen Review unterwerfen ...

WELTBILD zu hoch gehängt?

Mir ist von Lesern bedeutet worden, der Weltbild-Skandal, über den ich mich hier und hier empört habe, sei doch eher eine Kleinigkeit und man solle den Ball etwas flach halten. Ich kann mich dieser Meinung nicht anschließen:

  1. Die DBK ist auf die Sex-Angebote des Weltbild-Verlages seit Jahren immer wieder hingewiesen worden. Es gab Anweisungen an den Sekretär, sich dieser Sache anzunehmen und sie abzustellen. Das ist nicht passiert.
  2. Keinesfalls ist es so, dass hier über undurchsichtige Mechanismen irgendwelche Schmuddel-Bücher automatisch im Angebot von Weltbild online landen. Die Verlagsgruppe Droemer-Knaur, die zu 50% der Weltbild-Gruppe gehört, stellt solche Bücher selbst her.
  3. Das Problem scheint, wie mein Hinweis auf den St. Michaelsbund in München und seinen Online-Shop "Lesetraum.de - Bücher für die Familie" zeigt, auch über die Grenzen des Weltbild-Verlages hinaus zu bestehen.
  4. Die publizistische Politik des Weltbild-Verlages ist auch über das Thema "Sex" hinaus dubios. So wurde von der Verlagsgruppe Droemer-Knaur vor kurzem der O.W. Barth-Verlag übernommen. Ausweislich des aktuellen Kataloges verlegt O.W. Barth fast ausschließlich buddhistische und esoterische Literatur. 
Ich bin der Meinung, dass jedes wirtschaftliche Engagement der Kirche kompatibel mit der katholischen Moral- und Gesellschaftslehre sein muss. Gerade beim Thema "Sexualität" sollte die Kirche aus den Erfahrungen des letzten Jahres gelernt haben: sie hat hier nach innen und außen eine besondere Verantwortung.


Sonntag, 23. Oktober 2011

Erneuerung der Kirche ...

Allein den Betern kann es noch gelingen
Das Schwert ob unsern Häuptern aufzuhalten
Und diese Welt den richtenden Gewalten
Durch ein geheiligt Leben abzuringen.

Denn Täter werden nie den Himmel zwingen:
Was sie vereinen, wird sich wieder spalten,
Was sie erneuern, über Nacht veralten,
Und was sie stiften, Not und Unheil bringen.

Jetzt ist die Zeit, da sich das Heil verbirgt,
Und Menschenhochmut auf dem Markte feiert,
Indes im Dom die Beter sich verhüllen,

Bis Gott aus unsern Opfer Segen wirkt
Und in den Tiefen, die kein Aug' entschleiert,
Die trockenen Brunnen sich mit Leben füllen.

Reinhold Schneider

Der Sex-Buchladen des Erzbistums München

Der Kardinalerzbischof von München und Freising steht im Ruf ein Macher zu sein, jemand, der seinen Laden im Griff hat. Weil dem so ist, gibt er auch gerne zu aktuellen Themen kernige Macher-Kommentare ab:
Wenn wir davon hören, gehen wir der Sache nach und dann wird das unterbunden.
Ratzfatz, kurzer Prozess, wow - Laden im Griff eben ...

Für die Medienarbeit in der Diözese von Erzbischof Marx ist der St. Michaelsbund e.V. verantwortlich. Er betreut die Münchner Kirchenzeitung, das Münchner Domradio und auch den Online-Auftritt des Erzbistums. Zum medialen Regional-Medienimperium gehört auch ein Internet-Buchladen mit dem wirklich schönen Namen "lesetraum.de" und dem Claim "Bücher für die Familie". Es gibt dort aber nicht nur Bücher, sondern auch tolle DVDs für die ganze Familie, sorgfältig auf die verschiedenen Lebensphasen des Katholiken abgestimmt:
  • First Love - das erste Mal Sex
  • Sex! - Der Porno für Paare
  • Sex in der Schwangerschaft
  • Endlich toller Sex - Sex ab 40
Alles mit FSK 16 und teilweise mit dem geilen Aufdruck "Unzensiert". Ich hatte mir kurz überlegt, hier ein paar Cover aufzunehmen, will aber nicht riskieren, dass Google mir meinen Blog dichtmacht (die "Amis" sind manchmal furchtbar prüde).

Schlappe 817 Treffer spuckt lesetraum.de für den Begriff "Sex" aus, für den etwas ungeduldigeren Zugriff über "Porno" sind es immerhin noch 54.

Im Erzbistum München und Freising wird eben noch durchgegriffen - ratzfatz - ich bin beeindruckt!



Samstag, 22. Oktober 2011

WELTBILD - damals und heute

In der Blogoezese ist hinreichend auf den Skandal um den Vertrieb von pornographischen Medien durch den katholischen WELTBILD-Verlag hingewiesen worden (z.B. hier). Empörend ist nicht nur der Sachverhalt, sondern vor allem die Reaktion der Verantwortlichen. So lässt Erzbischof Marx folgendes verlautbaren:
«Wir wollen in unseren Verlagen weder Pornografie noch Gewaltverherrlichung», betonte Marx. «Wenn wir davon hören, gehen wir der Sache nach, und dann wird das unterbunden.»
Hierzu eine kleine Geschichte:

Im Spätsommer 2002 besuchte ich gemeinsam mit einigen Freunden Bischof X (wir berieten ihn damals in Fragen der Stammzellforschung). Wir legten ihm einige Bücher auf den Tisch, die wir kurz zuvor für diesen Zweck bei WELTBILD erworben hatten und fragten ihn, warum er an einem Unternehmen beteiligt sei, das solche Bücher vertreibe. Er war ziemlich entsetzt und versprach, sich der Sache anzunehmen. Einige Zeit später berichtete er uns von der vorausgehenden Herbst-Vollversammlung der Bischofskonferenz. Er habe unsere Bücher dort herumgereicht und gefragt, ob den Kollegen bekannt sei, dass diese zum Sortiment von WELTBILD gehörten. Man sei allgemein ein wenig überrascht, aber nicht besonders "tatendurstig" gewesen. Schließlich sei der Sekretär der Bischofskonferenz, Pater Langendörfer SJ, gebeten worden, sich der Sache anzunehmen und für Abhilfe zu sorgen, was dieser auch zugesichert habe. Insgesamt habe er aber nicht den Eindruck gehabt, als sei man an der Sache sonderlich interessiert. Persönlich habe er sich einmal mehr als Aussenseiter in dieser Runde empfunden.

Das ist nun 9 Jahre her und "unterbunden" wurde rein gar nichts.

Halt, doch, letztes Jahr wurde die Amtsausübung von Bischof X - unter tätiger Mitwirkung von Erzbischof Marx - dauerhaft "unterbunden" ...

Freitag, 14. Oktober 2011

Piusbrüder und ZdK

Angeregt durch einen Kommentar von Frischer Wind zu einem vorherigen Post, möchte ich noch ein paar Gedanken zu rechts und links in der Kirche loswerden.

Frischer Wind ist der Meinung, dass in Anlehnung an das Gleichnis von den drei Söhnen die Piusbruderschaft für den Sohn steht, der "Nein" sagt, dann aber den Willen des Vaters tut, das ZdK für den zweiten Sohn, der "Ja" sagt, aber den Willen des Vaters dann nicht tut. Sie schließt daraus, dass die FSSPX dem Hl. Vater näher steht als das ZdK.

Ich kenne diesen Gedanken von mir selbst, weiss aber auch, dass er einer sachlichen Überprüfung nicht standhält. Gerade im Verhältnis zum Hl. Vater zeigt sich der eigentliche Unterschied ganz deutlich:

Das ZdK meckert über dieses und jenes in der Kirche, fordert den Hl. Vater zu irgendwelchen Reformen, es tut aber nichts, was der Autorität des Hl. Vaters zuwiderlaufen würde. Es gibt beim ZdK sicher den einen oder anderen, der sich das Priestertum der Frau wünscht. Aber kein Mitglied des ZdK ergreift irgendwelche eigenmächtigen Schritte in diese Richtung. Und ich habe allergrößte Zweifel, ob eines der Mitglieder des ZdK einen Bischof unterstützen würde, der plötzlich beginnt, das wirklich zu tun.

Ganz anders die Piusbruderschaft: Auch Erzbischof Lefevbre war der Meinung, dass der Papst bestimmte Dinge falsch macht. Er aber hat diese Überzeugung in die Tat umgesetzt und die Anhänger der FSSPX sind ihm darin gefolgt. Heute sagen die Piusbrüder, sie würden den Papst anerkennen, praktisch aber verweigern sie ihm nach wie vor den Gehorsam: sie weihen ohne Erlaubnis Priester, etc.

Ein anderes Beispiel: viele ZdK-Mitglieder mögen kein Latein in der Messe; wenn der Hl. Vater in Deutschland eine Messe hält, in der er das Hochgebet auf Latein betet, nehmen die bösen, bösen ZdK-Mitglieder an dieser Messe teil, beten mit und gehen zur Kommunion. Die FSSPX vertritt die Meinung, dass man gar nicht sicher sein kann, ob die Messen dieses Papstes gültig sind und sagen ihren Anhängern, dass man da besser nicht hingeht.

Es ist also leider keine Frage, wer dem Hl. Vater nähersteht, wenn es an das konkrete Handeln geht ...

Mittwoch, 12. Oktober 2011

Ein kleiner Beitrag zum sozialen Frieden ...

Das Statistische Bundesamt hat heute aktuelle Zahlen (bedeutet in diesem Fall: aus dem Jahr 2007 ;-) über die Verteilung der Steuereinnahmen auf die Steuerpflichtigen veröffentlicht:
1 % der erfassten Lohn- und Einkommensteuerpflichtigen in Deutschland erzielte im Jahr 2007 Einkünfte von mehr als 172 000 Euro. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) weiter mitteilt, entfielen laut Einkommensteuerstatistik auf diese 383 000 Steuerpflichtigen 13,1 % der Einkünfte und 25,0 % der festgesetzten Lohn- und Ein­kommensteuer. 
Man könnte diese Aussagen noch etwas weiter fortführen: die oberen 5% der Steuerpflichtigen tragen 40% zur Einkommenssteuer bei, für die oberen 10% lautet der Wert 53,1%. Gleichzeitig ist es so, dass die unteren 50% der Steuerpflichtigen zum Gesamtvolumen der Einkommenssteuer 6,2 % beitragen.

Ganz so schlimm ist es mit der "Verteilung von unten nach oben" also vielleicht doch nicht ...

Die Piusbrüder und die Messe

Während die Oberen der Piusbruderschaft sich erneut mit dem Studium der doktrinellen Erklärung beschäftigen, die Ihnen der Hl. Stuhl zur Unterschrift vorgelegt hat, habe ich einen Vorschlag, wie man schnell für Klarheit in den Gesprächen mit Rom sorgen könnte.

Hierzu müsste die Bruderschaft nur eine Seite ihrer deutschen Website ausdrucken und Kardinal Levada übersenden. Dort findet man nter dem Titel "Die Haltung der Priesterbruderschaft zur Frage der Neuen Messe" z.B. folgende Nettigkeiten:
Auch wenn die neue Messe gültig sein kann, so kann sie doch objektiv nicht gottwohlgefällig sein, da sie eine ökumenische, protestantisierende Messe ist. Sie stellt eine Gefahr für den Glauben an das katholische Messopfer dar und ist daher abzulehnen. 
Aufgemerkt: Die neue Messe, also diejenige Messe, die der Hl. Vater und Kardinal Levada JEDEN TAG feiern, ist objektiv Gott nicht wohlgefällig. Das bedeutet also, dass der Hl. Vater JEDEN TAG, wenn er an den Altar tritt und sein Priestertum vollzieht, etwas objektiv Gott nicht wohlgefälliges tut. Das gleiche gilt für (fast) alle Messen auf der ganzen Welt. 

Man weiss es ja nicht genau, aber nehmen wir einmal an, die Hl. Messe, die der Hl. Vater heute gefeiert hat, sei gültig gewesen. Dann ist nach Lehre der Piusbrüder folgendes geschehen: Auf dem Altar ist das Kreuzesopfer seines Sohnes vergegenwärtigt worden, ganz objektiv (ex opere operato), aber Gott hatte daran kein Wohlgefallen. Für die einen ist es nur Schwachsinn, für die anderen "wahre Theologie" ...

Es geht weiter:
Für die neue Messe gelten ähnliche Regeln wie für den Besuch nichtkatholischer Gottesdienste. Man darf bei ihnen aus familiären oder beruflichen Gründen anwesend sein, verhält sich dann aber passiv und geht vor allem nicht zur Kommunion.
Wäre ich heute morgen zufällig in Rom gewesen, hätte ich an der eventuell gültigen Messe, die der Hl. Vater feiert, nur teilnehmen dürfen, wenn ich dafür familiäre oder berufliche Gründe gehabt hätte, also etwa meine verrückte Tante beaufsichtigen musste, die unbedingt in diese Messe wollte oder als Fotograf den Auftrag hatte, den Hl. Vater bei der Zelebration abzulichten. Auf jeden Fall hätte ich mich weit hinten an einen Pfeiler gelehnt, kein Gebet gesprochen und wäre nicht zur Kommunion gegangen. Man beachte, dass diese auch nicht, wie sonst bei der FSSPX üblich das Adjektiv "Hl." trägt. Es handelt sich zwar eventuell um die objektive Aufnahme des objektiven Leibes Christi - aber das macht eine solche Neumess-Kommunion natürlich noch lange nicht heilig!

Und weil die Piusbrüder schon dabei sind, erklären sie auch gleich noch, wann man dem 3. Gebot zu folgen hat und wann nicht:
Wer keine Gelegenheit hat, die tridentinische Messe jeden Sonntag zu besuchen, ist von der Erfüllung des sonntäglichen Meßbesuchs entschuldigt, denn dieses Gebot verpflichtet nur zum Besuch der wahren katholischen Messe.
Eine Neue Messe kann also ggfs. gültig sein, es wird also objektiv der Herr Jesus Christus, der die Wahrheit selbst ist, dort gegenwärtig, aber das macht diese Veranstaltung noch lange nicht zu einer "wahren katholischen Messe".

Noch Fragen?

Dienstag, 11. Oktober 2011

Elsa und die Piusbrüder

Elsa hat heute in ihrer unvergleichlichen Art eine Frage in die Blogoezese geworfen bezüglich der Piusbruderschaft:
Kann mir mal jemand erklären ... 
was die FSSPX eigentlich wollen? Immerhin sind SIE diejenigen, die am allermeisten von der "modernen" Religionsfreiheit profitieren (die ja nun wohl so modern auch nicht ist vgl. Justin der Märtyrer) - oder habe ich was falsch verstanden?Der säkulare Staat lässt sie fromm, fröhlich, frei vor sich hinseppeln und ihre Schulen leiten?In einem strikt christlich-katholischen Staatswesen ginge das wohl EHER nicht so flockig.Also was? Seh ich was falsch?
Leider haben sich im Kommentarbereich eine Reihe von Beiträgern verewigt, die meinen, man könne und müsse den von der FSSPX vertretenen Unfug in Sachen der Religionsfreiheit mit theologischen (Schein-)Argumenten verteidigen.

Stein des Anstosses ist u.a. der berühmte Satz aus "Nostra Aetate":
Die katholische Kirche lehnt nichts von alledem ab, was in diesen Religionen wahr und heilig ist. Mit aufrichtigem Ernst betrachtet sie jene Handlungs- und Lebensweisen, jene Vorschriften und Lehren, die zwar in manchem von dem abweichen, was sie selber für wahr hält und lehrt, doch nicht selten einen Strahl jener Wahrheit erkennen lassen, die alle Menschen erleuchtet.
Selbst Elsa ist im Laufe der Diskussion dann der Meinung, die Einleitung dieses Absatzes sei unglücklich formuliert, weil es z.B. fraglich sei, wie weit dieses "Nichtablehnen" gehen soll. Ich meine das liegt auf der Hand, sobald man die Dinge mit konkretem Leben füllt. Wie soll sich die Kirche denn gegenüber einem frommen Juden verhalten, der das "Schma Israel" betet, also jene Sätze, die die Kirche im Alten Ritus bei der Taufe betet ("Wenn Du das Ewige Leben erlangen willst, dann halte die Gebote: Du sollst den Herrn Deinen Gott, lieben mit Deinem ganzen Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft")? Soll sie das ablehnen? Ist es besser, wenn er das nicht betet? Und wenn ich einen frommen Moslem fasten sehe, soll ich das ablehnen, weil es besser ist, wenn er nicht fastet?

Ein Kommentator mit dem Namen "Belarmin" hält den obigen Satz für "problematisch", weil die Kirche den Andersgläubigen mit seiner Religion nicht einfach anerkennen könne - dies widerspreche der Verpflichtung zur Mission. Voila, wie wäre es, wenn man auch noch den unmittelbar folgenden Satz aus "Nostra Aetate" lesen würde:
Unablässig aber verkündet sie und muß sie verkündigen Christus, der ist "der Weg, die Wahrheit und das Leben" (Joh 14,6), in dem die Menschen die Fülle des religiösen Lebens finden, in dem Gott alles mit sich versöhnt hat
Man gebe sich keiner Täuschung hin: die Piusbruderschaft lehnt nicht angeblich "missverständliche" Sätze des II. Vatikanums zur Religionsfreiheit ab, sondern dieses Konzil "in toto" (man lese nur einmal das "Mitteilungsblatt" und darin die Predigten der Oberen einschließlich der in einem schismatischen Akt geweihten Bischöfe). Die Texte des Konzils, approbiert vom Stellvertreter Christi auf Erden, sind (mindestens!) Äußerungen des ordentlichen Lehramtes und verpflichten den Katholiken zur Zustimmung mit Vernunft und Willen, will er in der vollen Gemeinschaft mit der Kirche bleiben. Es wäre gut, wenn diese Tatsache auch in der Blogoezese zum "common sense" würde.







Donnerstag, 6. Oktober 2011

LOS WOCHOS

Johannes hat das Motto "Musik und Themen aus Kindertagen, als die Guten noch richtig gut und die Bösen noch nicht ganz so böse waren" vorgegeben - da fällt mir eine Menge ein, z.B.:


Papa Ben, Adam, Hoss und Little Joe - einfach nur klasse ...

Mittwoch, 5. Oktober 2011

Die Piusbruderschaft ist immer noch verrückt II

Mein vorheriger Post bedarf noch einer Ergänzung, die sich aus der sorgfältigen Lektüre des Interviews von HH. Pfluger ergibt. Man lese die folgende Stelle:
Übrigens war ja auch die Freigabe des katholischen Messopfers die zweite Bedingung, welche die Bruderschaft gestellt hat. Rom ist also zweimal auf die Wünsche der Bruderschaft eingegangen.
Man ist bei der Bruderschaft also immer noch der Meinung, dass die Alte Messe und das katholische Messopfer identisch sind. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass die Neue Messe kein katholisches Messopfer darstellt. Denkt man das logisch weiter, dann ist die Position der FSSPX von einer sedisvakantistischen nicht zu unterscheiden.

Wie gesagt: Wahrscheinlich sind solche Formulierungen ganz gezielte Zugeständnisse an die Williamson-Fraktion innerhalb der Piusbruderschaft. Es ist aber doch sehr die Frage, ob eine Versöhnung ehrlichen Herzens möglich ist, wenn - aus welchen Gründen auch immer - derart unsinnige (und natürlich auch heterodoxe) Positionen im Raum stehen bleiben.

Benedikt und die Piusbrüder

Wie nicht anders zu erwarten, sickern die ersten Details der "Präambel" durch, die der Vatikan der Piusbruderschaft als Voraussetzung für eine Wiedereingliederung zur Unterschrift vorgelegt hat (z.B. hier).


Dienstag, 4. Oktober 2011

Die Piusbruderschaft ist immer noch verrückt!

Auf der deutschen Website der Piusbruderschaft ist ein Interview mit Pater Niklaus Pfluger, dem ersten Assistenten der Bruderschaft erschienen, der tiefe Einblicke in das Selbstverständnis dieser Vereinigung gibt. Was dabei zum Vorschein kommt, ist nicht erfreulich - um das Mindeste und nicht viel Schlimmeres zu sagen.

Liest man den Interview-Text genau und zieht die Verbindungslinien zwischen den teilweise verstreuten Aussagen, dann ergibt sich in etwa der folgende Gedankengang:
Erzbischof Lefebvre hat der Bruderschaft einen Schatz zur Bewahrung anvertraut. Er soll nun der "ganzen Kirche" wieder zugänglich gemacht werden. Dieser Schatz ist "die Tradition", zu der die Kirche wieder zurückkehren soll. Um die Tradition wieder wirkungsvoll in die Kirche einzubringen, braucht die Bruderschaft die garantierte Freiheit, ihr Wirken und ihre Kritik am "modernistischen Rom" weiterführen zu können.
In der Sichtweise dieser Leute gibt es also einen Papst, der mit der Tradition nicht identisch ist, aber durch Zugeständnisse an die FSSPX gewisse Voraussetzungen geschaffen hat, dass man sich von seiner Organisation, dem "modernistischen Rom", kirchenrechtlich anerkennen lassen könnte. Aber nur unter der Bedingung garantierter Agitationsfreiheit gegen alles, was einem in diesem Laden nicht passt.

Mir ist durchaus bewusst, dass der grundsätzlich wohl einigungswillige Hauptflügel der Piusbruderschaft (zu dem HH. Pfluger wohl gehört) zur Zeit alles tut und tun muss, um den eigenen "rechten Rand" (Stichwort Williamson) auf dem eingeschlagenen Weg mitzunehmen. Aber was gibt es eigentlich mit Leuten zu reden, die sich die "Tradition" als etwas vorstellen, was zur Zeit im wesentlichen unabhängig vom Stellvertreter Christi auf Erden existiert? Man muss kann kein Freund des "La traditione sono io" sein, das Pius IX. zugeschrieben wird. Nichtsdestotrotz ist "die Tradition" schlicht der Glaube der Kirche und der Garant der Unversehrtheit dieses Glaubens ist der Nachfolger des Petrus und nicht irgendein im Status der Exkommunikation gestorbener Erzbischof.

Es ist ja durchaus akzeptabel, dass die dogmatische Präambel, die der Bruderschaft im Auftrag des Hl. Vaters zur Unterschrift vorgelegt worden ist, die unterschiedliche Verbindlichkeit lehramtlicher Äußerungen (einschließlich der Dekrete des II. Vatikanischen Konzils) und damit auch die diesen Äußerungen geschuldete Glaubenszustimmung differenziert erläutert. Ein Dokument, auf dessen Grundlage die Versöhnung der Piusbruderschaft mit der Kirche erfolgen soll, wird aber auch die Aufforderung enthalten müssen, der bisherigen und der laufenden Verkündung des ausserordentlichen und des ordentlichen Lehramtes des Papstes und der Bischöfe (!) die angemessene Haltung des Gehorsams entgegenzubringen. Und eine klares Eingeständnis, dass die illegalen Weihen durch nichts gerechtfertigt waren, würde man darin auch gerne sehen.

Es sollte jetzt Schluss damit sein, dass "Rom" Forderungen der Bruderschaft erfüllt - es wird im Gegenteil Zeit, dass diese endgültig aufhört, sich als die wahre Kirche zu gerieren.


Divus Thomas

Der Hl. Thomas und die auf ihn fussende scholastische und neuscholastische Theologie stehen in der theologischen und kirchlichen Diskussion der Gegenwart in keinem hohen Ansehen. Leider gilt dies nicht nur für den "linken" Flügel der deutschen Kirche. Auch in konservativen Kreisen fällt immer wieder eine grosse Unvertrautheit mit der klassischen Theologie des Lehramtes und dem dahinter stehenden Gedankengebäude auf - häufig wird diese durch eine mehr oder weniger selbstgestrickte "Rechtgläubigkeits-Rhetorik" ersetzt, bei der sich sich dem Hl. Thomas und seinen Nachfolgern der Magen herumgedreht hätte.

Umso erfreulicher ist es, dass die Blogoezese ein neues Mitglied hat, das es sich zum Ziel gesetzt hat, "Divus Thomas" auf Augenhöhe mit zeitgenössischen philosophischen Diskursen zu präsentieren.

Ich auf jeden Fall werde Ruben und seinen Blog "Divus Thomas Monacensis" aufmerksam verfolgen. Herzlich willkommen!

Donnerstag, 29. September 2011

Der Herr im Abseits

Hochwürden Alipius hat einen bemerkenswerten Beitrag über Grundfragen der Liturgie geschrieben. Ich auf jeden Fall finde mich da sehr wieder.

Abseits der üblichen "Welche Messe ist besser?"-Diskussionen geht er einer Erfahrung nach, die viele Menschen bei ihrem ersten Kontakt mit der "alten" Liturgie machen: man fühlt sich unmittelbarer in das eigentliche Geschehen (die Begegnung des gekreuzigten, auferstandenen und erhöhten Herrn mit seiner Gemeinde) hineingenommen. "Wie hältst Du es ganz persönlich mit Jesus Christus?" könnte man als Thema über derlei Erfahrungen schreiben.

Mindestens ebenso gut bringt er einen nicht ganz untypischen Eindruck in so mancher "neuen" Messe auf den Punkt: man wird das Gefühl nicht los, dass der ganzen Sache irgendwie die Mitte abhanden gekommen ist. Stattdessen leerer Betrieb: "Man ist halt beisammen und da möchte man dann auch 'was draus machen".

Wer sich dabei einsam fühlt, der sollte bedenken, dass nur einer wirklich einsam ist in einer solchen Veranstaltung: der im Tabernakel ...


Samstag, 17. September 2011

Ehe zwischen Mann und Frau ein Ideal?

Der neue Erzbischof von Berlin wird heute an verschiedenen Stellen (z.B. hier) folgendermaßen zitiert:
Woelki erklärte bei dem Treffen, er persönlich und die katholische Kirche insgesamt wollten keineswegs Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung diskriminieren oder ausschließen. Zugleich habe er klargestellt, dass die Kirche vom Ideal einer für Kinder offenen Ehe zwischen Mann und Frau nicht abweiche. Diesem Ideal sei auch in kirchlichen Einrichtungen Rechnung zu tragen. 
Nennt mich jetzt gerne kleinlich, aber ich halte diese Art von Sprachverwirrung für fast ebenso schädlich wie irgendwelche "Ungehorsamsaufrufe". Wie sollen die Menschen die kirchliche Lehre verstehen, wenn sie ihnen auch von Bischöfen öffentlich falsch erklärt wird?

Dass die katholische Kirche nur die "für Kinder offene Ehe zwischen Mann und Frau" anerkennt, hat mit Idealen gar nichts zu tun. Die so beschriebene Ehe ist schlicht die einzige, weil nur sie mit der Natur- und Schöpfungsordnung und dem geoffenbarten Willen Gottes in Übereinstimmung zu bringen ist. Die Kirche hält auch nicht am "Ideal des Nicht-Mordens" fest ...

Samstag, 10. September 2011

Neues Interview mit Saskia Wendel

Prof. Dr. Saskia Wendel
Saskia Wendel, Initiatorin des Theologen und Theologinnen-Memorandums und ausgewiesene Expertin für Gender- und Genderinnen-Theologie, hat in einem aktuellen Interview mit "ZOMBIE - das Magazin für Kirchenreform" den Zusammenhang zwischen dem norwegischen Amoktäter Anders Breivik und konservativen katholischen Kreisen bekräftigt, den sie bereits an anderer Stelle vorgetragen hatte.


ZOMBIE: Liebe Frau Wendel, erlauben Sie mir zunächst einmal ganz persönlich Ihnen meine Bewunderung für Ihren beispiellosen Mut auszudrücken. Ihr Kampf für eine Reform der Kirche findet in unserer Gruppe "Jugend für den Aufbruch" uneingeschränkte Unterstützung; wir kämpfen seit Jahren ...

WENDEL: Vielen Dank ...

ZOMBIE: ... für das Ende der sexuellen Repression in der Kirche. Mit "Humanae Vitae" hat es angefangen. Es braucht Leute wie Sie, damit jetzt endlich ...

WENDEL: Ja, ja, vielen Dank ...

ZOMBIE: ... etwas passiert. Erst gestern habe ich zu meiner Frau gesagt: Saskia Wendel ist eine wirkliche Hoffnungsträgerin. Ich habe einfach keine Lust mehr, mir von denen in Rom unter die Bettdecke schauen zu lassen!

WENDEL: Ja, sicher, ganz richtig - aber vielleicht stellen Sie mir jetzt einmal eine Frage ...

ZOMBIE: Das wäre ja schon meine erste Frage: Woher nehmen Sie diesen Mut, so völlig gegen den Strom des Zeitgeistes zu schwimmen?

WENDEL: Ohne den Zuspruch so vieler  Geschwister aus den Reihen der katholischen Reform-Bewegung wäre das für mich gar nicht aus- und durchzuhalten. Ich habe seit dem ZEIT-Interview schon mindestens zwei Briefe erhalten, in denen gerade junge Leute mir ihre Unterstützung zugesagt haben ...

ZOMBIE: Das freut mich ausserordentlich - ganz im Vertrauen: Meine Frau und ich haben Ihnen auch geschrieben.

WENDEL: Oh, das ist jetzt aber ...

ZOMBIE: Haben Sie keine Angst vor Repressionen durch die Amtskirche?

WENDEL: Sicher würde sich der eine oder andere freuen, wenn man meine Befähigung als katholische Theologin in Zweifel ziehen könnte. Aber da werden sie sich die Zähne ausbeissen - ich veröffentliche fast nichts - und wenn, dann hat es mit Theologie in der Regel nichts zu tun.

ZOMBIE: Sie meinen also, es könnte Bestrebungen geben, Ihnen die kirchliche Lehrerlaubnis zu entziehen?

WENDEL: Ich habe da jetzt keine ganz konkreten Hinweise, aber so etwas passiert ja ständig, dass kritische Theologinnen und Theologen mundtot gemacht werden. Denken Sie nur an das jüngste prominente Opfer römischer Willkür, meinen Kollegen Hans Küng ...

ZOMBIE: Richtig, das ist noch nicht lange her. Für meine Frau und mich war der Fall Küng 1980 eine Art Initialzündung. Wir waren damals junge Leute von knapp 40 Jahren und haben uns gesagt: ab jetzt lassen wir uns von denen in Rom nicht mehr unter die Bettdecke schauen. Seitdem arbeiten wir mit unserer Gruppe "Jugend für den Aufbruch" dafür, dass sich in der Kirche etwas bewegt.

WENDEL: Sehr verdienstvoll ...

ZOMBIE: Kommen wir auf den Sprengstoff zu sprechen, der in Ihrem Interview mit der ZEIT liegt. Sie haben den katholischen Traditionalisten dort endlich mal die Maske vom Gesicht gerissen und dabei auch den Staat in die Verantwortung genommen ...

WENDEL: In der Tat! Wenn sich der Verdacht erhärten sollte, dass es zwischen Breivik und den traditionalistischen Gruppen unterirdische Verbindungen gibt, sehe ich keine andere Möglichkeit als ein energisches Eingreifen staatlicher Stellen. Überhaupt muss man viel offener die Frage diskutieren, ob der Staat vor Dingen wie dem Zölibat oder der Alten Messe weiterhin die Augen verschliessen kann. Bisher gibt es ...

ZOMBIE: Schon Paulus sagt ja: Keine Freiheit für die Feinde der Freiheit ...

WENDEL: ... bisher gibt es noch keine eindeutigen Beweise für diese Verbindungen, aber ich habe mir sagen lassen, dass der SPIEGEL ein Team mit 12 Journalisten auf die Sache angesetzt hat. Die Wahrheit wird also ans Tageslicht kommen.

ZOMBIE: Man will ja nichts beschreien, aber ist es denn auszuschließen, dass es solche Verbindungen auch zwischen Breivik und hochrangigen Leuten in Rom gegeben hat? Breivik war Freimaurer und ich habe mir sagen lassen, dass Kardinal Ratzinger seinerzeit einen Kulturpreis dieser Leute angenommen hat.

WENDEL: Nun, das war Hans Küng ... aber kommen wir wieder auf unser Thema zurück ...

ZOMBIE: Der deutlichste Hinweis auf Breiviks Verbundenheit mit katholisch-konservativen Kreisen ist ja sein Lob für den "Reichtum der katholischen Liturgie".

WENDEL: Ganz richtig. Klarer kann man den Geist des Konzils kaum leugnen als mit dieser Parole vom angeblichen "Reichtum der Liturgie". Die Liturgie muss ja im Gegenteil arm sein - nur so entspricht der Gottesdienst der Bergpredigt und damit auch dem Motto der Reformbewegung: Selig, die arm sind im Geiste!

ZOMBIE: Frau Wendel, ich möchte noch auf ein aktuelles Thema eingehen. Sie haben sich durch das seinerzeitige Verbot von Bischof Fürst nicht abschrecken lassen und führen jetzt ausserhalb der Diözese Rottenburg-Stuttgart die Veranstaltung "Let's think about sex" durch.

WENDEL: Die Enttabuisierung dieses Themas im kirchlichen Raum ist neben der Gender-Theologie ein zentrales Anliegen meiner wissenschaftlichen Bemühungen. Sex ist etwas ganz Natürliches.

ZOMBIE: Eben, schließlich hat Gott uns als Mann und Frau geschaffen.

WENDEL: So einfach ist das nun auch wieder nicht - "Mann" und "Frau" sind keine biologischen Begriffe, sondern vor allem kulturelle Festlegungen, von denen wir uns befreien müssen. Die offizielle Lehre der Kirche muss diese bahnbrechenden Erkenntnissen der Gender-Forschung endlich zur Kenntnis nehmen. An unserer Fakultät planen wir deshalb die Einrichtung eines Lehrstuhls für vergleichende homo-, hetero- und transanimalische Mainstreaming-Theologie.

ZOMBIE: Hochinteressant - wichtig scheint mir dabei zu sein, dass wir uns von Rom nicht länger unter die Bettdecke schauen lassen ...

WENDEL: Also, Herr Wiesner, ich habe den Eindruck, ...

ZOMBIE: Frau Wendel, wir bedanken uns für dieses Interview!

Der unsägliche Herr Schüller ...

... träumt ganz offensichtlich von der großen Revolution in der Kirche. Wie anders kann man sich den folgenden Interview-Beitrag erklären:
Dann kann es ziemlich schnell gehen Niemand hat im Sommer 1989 vorausgesehen, dass Europa im Spätherbst völlig anders aussehen wird. Warum soll das in der Kirche nicht auch ganz schnell gehen? Vielleicht innerhalb von Monaten"
Na klar, nachdem Dr. Martinus Schüller seine Ungehorsams-Thesen an die Tür der österreichischen Kirche genagelt hat, kann es jetzt nicht mehr lange dauern, bis der Reformations-Sturm durch Europa tobt und "innerhalb von Monaten" alles hinwegfegt, was dem verkorksten Generalvikar a.D. nicht passt. Und wenn alles gut geht, dann kann der Herr Oberreformator vielleicht auch noch seine Katherina von Bora heimführen, denn:
"Ich habe das nie ganz ausgeschlossen und trete dafür ein, dass man frei wählen kann" (kath.net)
Warten wir doch mal ganz entspannt ab, welche historische Analogie früher eintritt: der öffentliche Zusammenbruch des "Honecker-Benedikt-Systems" oder die Erfüllung der ganz privaten "In der Woche zwier"-Sehnsüchte ...

Dass er sich mit seinem Reformatiönchen beeilen muss, ist dem Klerikal-Populisten Schüler aber durchaus bewusst:
Junge Geistliche sind momentan überwiegend gegen Reformen. Im Gegenteil: Sie sagen uns Alten, dass unsere Fragen nicht zulässig sind.
Soviel Ehrlichkeit war lange nicht in der ach so jungen kirchlichen Reform-Bewegung ...

Kirchliche Medien

Heute seit langem mal wieder bei katholisch.de vorbeigeschaut und festgestellt, dass es dort einmal in der Woche die "katholisch.de -News" gibt - eine Art "Tagesschau für Katholiken". Schaut man dann einmal die letzten Sendungen durch, langweilt neben dem etwas gestrigen Format (Frontalnachrichten ohne Kommentare) der übliche Mainstream. Missbrauch und Dialogprozess sind Dauerthemen, ansonsten ein bisschen WJT und viel Zollitsch (aber kein Meisner). In der aktuellen Ausgabe fällt noch ein Bericht über die Piusbruderschaft auf, die - man glaubt es kaum - immer noch nicht das Konzil anerkennen will.

Wie es die Katholische Kirche in Deutschland doch immer wieder schafft, sehr viel Geld für Medienprojekte auszugeben, die keinen Hund hinter dem Ofen hervorlocken - da lobe ich mir doch die Blogoezese, die entgegen anderslautender System-Propaganda quietsch-lebendig ist ;-)

Mittwoch, 31. August 2011

Mensch und Hund ;-)









Kirchliche Statistik

Die statistischen Werte der Katholischen Kirche werden immer schlechter - das ist wohl der Grund, warum das Zahlenmaterial in diesem Jahr erstmals aufgeschminkt wie ein Unternehmens-Geschäftsbericht daher kommt.
Das Wichtigste gleich vorweg: es geht uns so richtig gut! Man schaue auf Seite 43 unten und wird sehen, dass die Kirchensteuereinnahmen in 2010 den Rekordwert von 4,8 Milliarden erreicht haben, das ist eine satte Milliarde mehr als 1990! Was macht es da schon, dass es weniger als 50.000 Trauungen gab (1990 fast 120.000), die Zahl der Priester um fast ein Viertel zurückgegangen ist und die Zahl der Gottesdienstbesucher fast um die Hälfte.
Den Herrn Erzbischof Zollitsch und seine Handlanger in Bonn ficht das alles nicht an. Weil sie so viel Geld haben, können sie sich jetzt zünftige Marketingleute leisten. Die produzieren dann so etwas:
Die Zahl der Laien im pastoralen Dienst wächst ständig: So hat sich die Zahl der Pastoralreferenten etwa seit 1990 fast verdoppelt. Damit sind in Deutschland so viele Männer und Frauen im pastoralen Dienst tätig wie nie zuvor. Gleichzeitig geht allerdings die Zahl der Priesterkandidaten zurück. Ende des Jahres 2010 konnten für die deutschen (Erz-)Diözesen 120 Neuaufnahmen verzeichnet werden. Im Vergleich zum Jahr 2009 sind das 41 Männer weniger, ein Minus von 25,5 Prozent. Die Zahl der Neupriester sank von 99 im Jahr 2009 auf 80 im Jahr 2010. Auch die Gesamtzahl der Seminaristen sank von 842 (2009) auf 798 (2010). (S. 12)
Den vernichtenden Zahlen beim Priesternachwuchs wird also eine völlig unerhebliche Jubelzahl über "Laien im pastoralen Dienst" vorangestellt. Will man sich die Dramatik in den Seminaren vollständig vor Augen halten, dann muss man sich klar machen, dass 1990 noch 250 Neupriester geweiht wurden, im Jahr 1962 waren es 550.

Im Klartext: die gesamte Kirche in Deutschland hat kaum noch mehr Seminaristen als die der Alten Liturgie verbundenen Institute. Diese erhalten übrigens keinen Euro aus den Kirchensteuer-Milliarden. Ein Schelm, wer hier einen Zusammenhang sieht.

Aber was will man von einer Institution erwarten, die nicht einmal ihren Namen richtig schreiben kann. In der Marketing-Broschüre liest man ständig "katholische Kirche" mit kleinem "k" - Nomen es Omen ...

Dienstag, 26. Juli 2011

Es lebe der Hunsrück!

Na, das ist doch wirklich eine Freude für Theodor! Ein Bischof, der ebenfalls aus dem Hunsrück gebürtig ist, spricht ihm aus der Seele:
Diejenigen, die auf Grund ihres Glaubens und religiösen Engagements in Erwartung der authentischen Liturgie der Kirche ohnehin kommen, werden mit vielen dieser Gottesdienste nur noch genervt und gelangweilt, weil sie nichts anderes sind als eine öde, auf die Nerven gehende Wiederholung dieser faktischen Welt an heiliger Stätte. Bar jeder Faszination für das Heilige und sich grundlegend unterscheidende Göttliche macht man vielfach aus dem Gottesdienst einen banalen „Event“. 
"Eine öde, auf die Nerven gehende Wiederholung dieser faktischen Welt" - kann mir jemand ein Zitat eines deutschen Bischofs nennen, dass das Problem vieler Gottesdienste so präzise auf den Punkt bringt?

Donnerstag, 14. Juli 2011

Kirche und Partizipation

Einer der innerkirchlich angesagtesten Soziologismen lautet "Partizipation / Beteiligung". Auch die vom Mannheimer Dialogkongress formulierte Vision "Kirche 2015" lässt sich fast vollständig auf dieses Thema reudzieren. Beteiligung von Frauen / Beteiligung von Laien, Beteiligung von Homsexuellen, Beteiligung von wiederverheirateten Geschiedenen, etc.

Einer der Sätze (Nr. 34 hier) aus dem Forderungskatalog bringt diese Vorstellung auf den Punkt:
Mehr Beteiligung ist durch verlässliche synodale Strukturen auf Dauer gestellt, um ein glaubwürdiges Zeugnis von Gott zu geben.
Beteiligung an Leitungsstrukturen erscheint hier fast schon identisch mit der Sendung der Kirche ("Zeugnis von Gott" zu geben), zumindest aber als ihre grundlegende Voraussetzung. Nun will ich den Gedanken gar nicht per se verwerfen, dass es für den Mensch unserer Tage, der jede Institution ganz selbstverständlich unter diesem Gesichtspunkt betrachtet, ein Stolperstein sein kann, dass die katholische Kirche hier "anders tickt". Und im Umgang mit der Berechtigung solcher "Barrieren" muss die Kirche immer selbstkritisch sein.

Nicht verstehen kann ich, dass die Vision "Kirche 2015" nichts dazu sagt, wie Partizipation in der Kirche ihrem Wesen nach aussieht. Dass der Katholik an seiner Kirche vor allem partizipiert, indem er mit ihr betet und die Sakramente feiert. Den Einwand, das sei doch selbstverständlich, lasse ich an dieser Stelle nicht gelten. Zumindest die Frage, was es für eine Institution bedeutet, dass mehr als 80% ihrer "Mitglieder" sich in diesem Bereich nicht "beteiligen", gehörte doch - rein soziologisch - auf den Tisch, wenn man angeblich ganz ehrlich und "ohne Ängste" über die Probleme der Kirche in Deutschland sprechen will. 

Es sei nur am Rande angemerkt, dass der Herr dieser Kirche das Pochen auf (Beteiligungs-)Gerechtigkeit in seiner Verkündigung mit einem großen Fragezeichen versehen hat. Wer das nicht glaubt, lese einmal wieder das Gleichnis von der Arbeitern im Weinberg. 

So leicht beeindruckt man einen Erzbischof

Welche Schlüsse über den Zustand der katholischen Kirche in Deutschland muss man eigentlich ziehen, wenn der oberste deutsche Katholik sich zwei Tage mit 299 Bischöfen, Priestern, Ordensleuten, Theologieprofessoren und Pfarrgemeinderäten zusammensetzt und seine Eindrücke dann so zusammenfasst:
Ich bin beeindruckt von der großen Solidarität und Sympathie in Bezug auf unsere Kirche
Nee klar, das konnte man in diesem Kreis natürlich nicht erwarten - wirklich beeindruckend ...

Ich fühle mich verarscht

Unsere Zeit ist ja so vergesslich: auf das Memorandum mit den unglaublich neuen Forderungen zu einer Kirchenreform folgte die Petition Pro Ecclesia. Hinter beiden Positionen versammelten sich ungefähr gleich viele Unterzeichner im Internet. Für beide Positionen gab es deutlich vernehmbare Befürworter in den deutschen Medien. Man hatte den Eindruck: es steht pari.

Die deutschen Bischöfe, allen voran EB Z. (z.B. hier), signalisierten, dass diese Tatsache angekommen sei und zogen einen nachvollziehbaren Schluss: Lasst uns mal drüber reden.

Bereits nach Lektüre der Einladungsliste zur ersten Dialog-Veranstaltung schwante einem nichts Gutes: fehlten da nicht ein paar Namen, die man mit der Position von Pro Ecclesia hätte in Verbindung bringen können?

Die erste Berichterstattung über die Veranstaltung in Mannheim hinterließ dann Ratlosigkeit. Anscheinend hatten sich alle wohlgefühlt. Und Wichtiges musste geschehen sein, schließlich soll der Hl. Vater höchstpersönlich über die Fortschritte informiert werden. Den Äußerungen der Teilnehmer war jedoch nicht der kleinste Hinweis darüber zu entnehmen, über was eigentlich geredet worden war und zu welchen Ergebnissen das geführt hatte. Oder kann jemand aus dem folgenden Zitat des EB Z. eine inhaltliche Information destillieren:

Das Wagnis hat sich gelohnt. Die Standortbestimmung, wo wir im Glauben heute stehen, war notwendig. Es gab eine Atmosphäre des Zuhörens. Der Austausch von Erfahrungen, Sorgen und Hoffnungen war bereichernd. Ich bin beeindruckt von der großen Solidarität und Sympathie in Bezug auf unsere Kirche.
Mittlerweile weiss man (z.B. dank Elsa), was und mit welchem Ergebnis im Kreis gestuhlt wurde. Eine "Standortbestimmung, wo wir im Glauben stehen" möchte man den 37 Thesen von Mannheim besser nicht entnehmen, sehr wohl aber eine Vision, wie die Kirche der 300 im Jahr 2015 aussehen soll. Und wer hätte es gedacht: es ist die Kirche der Memorandisti, seit bald 500 Jahren auch unter dem Namen "Kirche der Reformation" bekannt, erkennbar an den sieben Gaben der Hl. Geistin: Verheiratete Priester, geweihte Frauen, wiederverheiratete Geschiedene, gleichberechtigte Laien, synodale Strukturen, anerkannte Homsexualität, Pille für alle.

Das ganze geheimnisvolle Drumherumgerede hatte also nur den einen Zweck, die simple Tatsache zu verschleiern: ein Dialog der unterschiedlichen Positionen in der katholischen Kirche in Deutschland hat nicht stattgefunden.

Dienstag, 28. Juni 2011

Facharbeit zur Alten Messe

In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift "Gottesdienst" findet sich unter dem Titel "Ein Weg in die Zukunft?" der Beitrag einer Abiturientin, die ihre Facharbeit zum Thema "Die Messe im außerordentlichen Ritus" verfasst hat. Hierzu hat sie eine Befragung unter den Teilnehmern der Messe im außerordentlichen Ritus vorgenommen, die montags abends in der Pfarre St. Marien / Herzogenrath zelebriert wird und mit dem verantwortlichen Pfarrer, H.H. Dr. Guido Rodheudt, ein ausführliches Interview geführt.

Bemerkenswert ist das persönliche Resümee der Autorin. Positiv bemerkt sie:
Beim Besuch der Tridentinischen Messe habe ich die dort herrschende Still positiv empfunden. Ich hatte das Gefühl, vieles bewusster wahrzunehmen - auch die Beziehung zu Gott. Es gibt keine Ablenkung vom Wesentlichen in Form von Gesängen, Lesungen, Predigt(en) ohne geistliche Tiefe, wie sie in manchen Messfeiern in der erneuerten Form vorkommen. Die persönliche Beziehung zu Gott steht im Vordergrund. Der gleichförmige Ablauf der Messe lässt einen zur Ruhe kommen.
Hieran schließt sich aber auch Kritik an:
Auf der anderen Seite ist in der Tridentinischen Messe kaum Patz für Gemeinschaft. Die geheimnisvollen Riten und die lateinische Sprache betonen die Distanz zwischen dem, der die Zeremonie leitet, und den Gottesdienstbesuchern mit Gast- bzw. Zuschauerstatus. Durch die Stille und die lateinische Sprache bedeutet diese Messe für jeden Besucher etwas Anderes. Es gibt keine Botschaft, die sich an alle richtet, wie sie uns ansonsten oft in der Auslegung des Wortes Gottes oder - vielleicht manchmal zu viel - in Aktionen junger Menschen oder in Symbolen mitgegeben wird. Aber man kann fehlende Spiritualität und mangelnde Sakralität nicht mit fehlender Gemeinschaft und Verständlichkeit bekämpfen. Auch ist das Verbot von Ministrantinnen in meinen Augen nicht mehr angebracht.
Als Schlussfolgerung ergibt sich:
Als Weg in die Zukunft kann ich mir die Wiedereinführung der Tridentinischen Messe nicht vorstellen, wenn in der Kirche selbst tiefe Uneinigkeit über diese Form herrscht.
Und: Menschen, die man zum Glauben führen möchte und denen man die Botschaft Gottes und den "Schatz" der Messfeier vermitteln möchte, darf man nicht den Rücken zukehren und sie auf Distanz halten.
Zunächst ist es recht erfreulich, dass das offizielle Organ des Deutschen Liturgischen Instituts einen solchen "Erfahrungsbericht" überhaupt abdruckt. Offensichtlich scheint man die Alte Messe dort wieder als eine Option wahrzunehmen, mit der man sich auseinandersetzen muss - anstatt sie totzuschweigen.

Ferner ist es gut, wenn auch junge Menschen, die der Alten Messe sichtbar fern stehen, das Defizit an Spiritualität und Sakralität wahrnehmen und benennen, welches so viele "ordentliche" Gottesdienste prägt.

Und es ist ein Vorrecht der Jugend, Eindrücke auch einmal recht unvermittelt nebeneinander zu stellen und auszudrücken. Es verblüfft aber doch ein wenig, wenn ausdrücklich betont wird, dass die Beziehung zu Gott bewusster wahrgenommen wird und gleichzeitig behauptet wird, der Besucher habe nur Gast- bzw. Zuschauerstatus. Ist jemand nur Gast/Zuschauer, der seine Gottesbeziehung intensiver erlebt? Wird mir nicht das immer wieder als Begründung für liturgische Irrwege genannt, dass sie dazu dienen sollen, dass Menschen eine "Gotteserfahrung" machen können?

Mittwoch, 22. Juni 2011

Pro multis IV

Pro spe salutis hat unseren kleinen Dialog über das "Pro Multis" fortgeführt. Bevor ich darauf antworte, möchte ich eine Bemerkung vorausschicken: Es freut mich sehr, das Thema in dieser Weise auf einem guten theologischen Niveau verhandelt zu sehen. Das ist ja keine Selbstverständlichkeit, gehört das "Pro Multis" doch zum klassischen Set einer traditionalistischen Überzeugung.

Einige Punkte habe ich inhaltlich dann doch noch:

  1. Mir ging es vor allem darum, dass man die Übersetzung "für alle" nicht als falsch oder illegitim bezeichnen kann ("es kann nicht "für alle" heissen, hatte Pro spe salutis formuliert). Wenn er das mit dem Halbsatz 'Meinethalben kann man auch "für alle' übersetzen" zurücknimmt, sind wir hier schon ganz nah beinander.
  2. Einem soeben (von Benedikt XVI. !!!) selig gesprochenen Papst häretische Tendenzen in allerzentralsten dogmatischen Fragen zu unterstellen, ist für mich gänzlich inakzeptabel. Hallo, wo sind wir hier eigentlich? Was würde das, ganz nebenbei, über den regierenden Hl. Vater sagen, wenn er einen (semi-)häretischen Vorgänger im Schnelldurchgang selig gesprochen hätte? 
  3. Mir ist der Unterschied zwischen der "objektiven" Seite der Erlösung und ihrer "subjektiven" durchaus bewusst. Das Interessante an dem von mir angeführten Römerbrief-Zitat ist ja, dass Paulus hier über die Gerechtsprechung/Rechtfertigung, also die "subjektive" Seite spricht und dennoch von "allen" spricht, resp. "alle" und "viele" synonym verwendet. Hatte der gute Apostelfürst am Ende auch "Allversöhnungstendenzen"? Man kann doch wirklich niemandem über den Weg trauen ... 
  4.  Der eigentliche Knackpunkt unserer Diskussion scheint mir das Wort "Angebot" zu sein. Jede Faser in mir sträubt sich, diesen marktwirtschaftlich versauten Terminus an dieser Stelle zu verwenden (Ist es nicht das große Krisenphänomen unserer Tage, dass die Kirche ständig "Angebote" machen will?). 
  5. Was geschieht im Abendmahlssaal? Christus nimmt seinen Opfertod vorweg, in dem die Liebe (das innere Wesen des dreifaltigen Gottes) über die Sünde siegt. Die überströmende, (menschlich) masslose Liebe des Sohnes zum Vater, aus der heraus er sich für dessen Geschöpfe opfert. Liebe bietet sich nicht an, Liebe überwältigt! Das ist die Grunderfahrung der Kirche, ihrer Heiligen, ihrer Mystiker: das Überwältig-Sein von der überströmenden Liebe Gottes, die sich in der endgültigen Liebestat Christi neu offenbart. 
  6. Diese Liebe Gottes war schon offenbar in seiner Schöpfung. Die innertrinitarische Liebe ist ja die "Weltformel", die ureigentliche Kraft des Universums. Wenn wir einmal nicht mehr "durch einen Spiegel schauen", werden wir das feststellen: dass die ganze Schöpfung im Großen und im Kleinen getragen, durchwaltet ist von der trinitarischen Liebe Gottes. Und dieses Liebe hat sich noch einmal überboten in der Menschwerdung und im Opfertod unseres Herrn und Heilands. 
  7. "Natürlich hat Christus die ganze Welt erlöst, ist sein Blut für alle Menschen geflossen" schreibt Pro spe salutis. Nein, nichts daran ist natürlich! Es ist Gnade, reinste Gnade, Ausfluss der alles und jeden überwältigenden Liebe Gottes zu Dir, zu mir und selbst zu Adolf Hitler.
  8. Es ist richtig, dass ich mich selbst immer wieder als jemanden erfahre, der sich von dieser überwältigenden Liebe nicht überwältigen lässt. Der kleingläubig und spiessig auf seinem Selbststand besteht, seine eigenen Prioritäten setzt, seinen Lüsten und Lüstchen frönt, usw. Diese Erfahrung stellt wirklich und in tödlicher Ernsthaftigkeit mein Heil in Frage. Aber sie steht nicht auf einer Ebene mit Gottes Liebe, das wird ihren endgültigen Sieg, den Durchbruch des Reiches Gottes in seiner Herrlichkeit nicht rückgängig machen.
  9. Schon gar nicht werde ich in dem Augenblick, in dem die Kirche in Gemeinschaft mit den himmlischen Heerscharen sich die Großtaten Gottes und die endgültige Liebestat Christi jubelnd vergegenwärtigt, nach links und rechts schauen und zufrieden feststellen, dass der Adolf (und so mancher andere) natürlich nicht dabei ist (hat halt das "Angebot" nicht angenommen, das Dummerchen - Danke, Herr, dass ich nicht bin wie dieser).
  10. "Denn es sind - leider - nicht 'alle', die sich dem Heil Gottes öffnen und hierdurch erlöst werden, wiewohl auch für sie das Blut Christi vergossen worden ist" - so Pro spe salutis. Ich weiss das nicht - ich weiss nur, dass ich selbst in Gefahr bin, nicht dabei zu sein. Und solange ich noch in der Gemeinschaft der Heiligen Eucharistie feiere, kann, darf und muss (!) ich auch für mich hoffen. 
Weil ich glaube, dass es sich so verhält, meine ich (mit dem seligen Johannes Paul), dass die Übersetzung "für alle" völlig legitim ist. Und bestätigt fühle ich mich vor allem durch die Tatsache, dass die Kirche in ihrer (vorkonziliaren) Liturgie am Gründonnerstag diesen Gedanken, dass Christus für alle Menschen ("omniumque") gestorben ist, als Einleitungstext für den "Einsetzungsbericht" gewählt hat. Wie anders sollte ich das verstehen, denn als Interpretations- und ggfs. Übersetzungshilfe für das "Pro Multis"? Es ist vielleicht kein Zufall, dass Pro spe salutis zu diesem Argument bisher nichts eingefallen ist ... 

Sonntag, 19. Juni 2011

Viele - Alle - und der Hl. Paulus

Ich werde noch einmal versuchen, den Kern meiner Stellungnahme zur Pro Multis-Diskussion unmittelbar aus der Hl. Schrift zu erläutern.

Der Hl. Paulus schreibt im Römerbrief, Kapitel 5 über den Zusammenhang von Sünde und Erlösung. In der Vulgata lauten die Verse 18 und 19:
igitur sicut per unius delictum in omnes homines in condemnationem sic et per unius iustitiam in omnes homines in iustificationem vitae
sicut enim per inoboedientiam unius hominis peccatores constituti sunt multi ita et per unius oboeditionem iusti constituentur multi.
In der deutschen Übersetzung:
Wie es also durch die Übertretung eines einzigen für alle Menschen zur Verurteilung kam, so wird es auch durch die gerechte Tat eines einzigen für alle Menschen zur Gerechtsprechung kommen, die Leben gibt.
Wie durch den Ungehorsam des einen Menschen die vielen zu Sündern wurden, so werden auch durch den Gehorsam des einen die vielen zu Gerechten gemacht werden. 
Wie man unschwer sehen kann, verwendet der Hl. Paulus "omnes" und "multi" hier völlig synonym. Das ist es, was der selige Johannes Paul in seiner Stellungnahme zu unserer Frage als "typisch semitische  Ausdrucksweise" bezeichnet hat.

Man kann also nach wie vor der Meinung sein, die "wörtlichere" Übersetzung "für viele" sei im liturgischen Kontext angemessener - man kann nicht behaupten, dass es gegen die Übersetzung "für alle" irgendein stichhaltiges dogmatisches oder exegetisches Argument gäbe.