Donnerstag, 2. Juni 2011

Ritenstreit unter Vollgebildeten?

Der von Alipius konstatierte Ritenstreit - mit den Beiträgen von Columbulus, Gregorius Braun und Elsa - kann sehr gut als Demonstration zu meinem vorhergehenden Post dienen. Vor allem dann, wenn man noch Alexander Kisslers Bericht über den Mosebach-Auftritt in Weilheim hinzunimmt, den Elsa zitiert.

Gemeinhin ist der engagierte Laie ein halbgebildeter Institutionenkritiker, dessen Engagement den Herrschaftsbereich des Politischen in die Kirche hinein ausdehnen und also vollenden will. Der engagierte Laie will in der Regel mehr vom Selben, die Welt noch einmal. Das Gegenteil will Martin Mosebach: Konzentration statt Diffusion, Sakrament statt Politik, Hierarchie statt Pluralismus.
Der "engagierte Laie" tritt hier als Feindbild auf - und natürlich ist er halbgebildet. In der Realität ist der "engagierte Laie" (von einer bestimmten Sorte Menschen abgesehen - die kenne ich auch) ein katholischer Christenmensch, der auf die eine oder andere Weise versucht, in einer Pfarrgemeinde mitzuhelfen, dass "der Laden läuft". Und das ist eine ganze Menge. Viele dieser Leute schauen sicher gerne zu (und ich schließe mich da an), wie Alexander Kissler und Martin Mosebach (ich schätze beide sehr) in ihrer Pfarrgemeinde mal "vollgebildet" die Erstkommunionvorbereitung übernehmen. Oder den Besuchsdienst im Altersheim. Bestimmt wendet sich dann prompt alles zum Guten.

Ist diese Breite des katholischen Alltags die böse "Difussion", der Kissler/Mosebach die "Konzentration auf die Messe" entgegensetzen? Ich für mein Teil möchte nicht in einer Kirche leben, in der in dieser Weise "nur" noch die Messe gefeiert wird ...

Kommentare:

  1. Ich denke, daß hier ein unnötiges Mißverständnis vorliegt. Auch wenn ich das Bedürfnis verstehen kann, eine Mitte für die eigene Position zu finden, ist sie durch solche Wortklaubereien doch teuer erkauft.

    Weder Kissler noch Mosebach haben etwas gegen engagierte Laien. Wenn hier das Wort vom "engagierten Laien" gebraucht wurde, dann um einen bestimmte Typus zu bezeichnen, und nicht um das Engagement von Laien grundsätzlich zu verurteilen.

    Bei den "engagierten Laien" handelt es sich, wenn wir beim Typus bleiben, um Menschen, die aus ihrem Engagement für die Kirche meinen, diese Kirche nach ihren Vorstellungen formen zu dürfen, statt sich von dieser selbst formen zu lassen. "Ich tue, deshalb darf ich" statt "ich darf tun."

    Wenn jemand bereit ist, Erstkommunionunterricht zu geben, gibt ihm das noch nicht das Recht, die Lehre der Kirche al Gusto zurechtzubiegen. Das gleiche gilt für gewählte Gemeindevertreter, vom Pfarrgemeinderat bis hin zum ZdK.

    Davon, daß "nur noch die Messe gefeiert wird" war an keiner Stelle die Rede. Das aber die Messe der Höhepunkt des Glaubenslebens ist, das alles von Christus ausgeht, der sich uns in der Messe schenkt und dem wir so in der Messe begegnen dürfen, wird wohl kaum einer bestreiten.

    Die Frage ist berechtigt und ich stelle sie gerne noch einmal selbst: "Was kann es in der Kirche wichtigeres geben als die Messe?" Wenn es dort klappert, dann braucht man sich über Ausfälle an anderen Stellen nicht wundern.

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  2. a) Ich bin mit Dr. Alexander Kissler persönlich bekannt. Er verfügt über tadellose Manieren, eine grundsolide theologische Ausbildung und einen kompromisslosen Glauben. Das alles vermischt sich mit einwandfreiem, dabei quirlig-fröhlichem und sehr lebhaftem Auftreten. Falls ich ein EK-Kind hätte, würde ich es ihm jedenfalls bedenkenlos anvertrauen.
    b) woher weiß denn der Blogautor, dass AK nicht all diese Dinge in seiner Heimatgemeinde macht? Oder ging es nur darum, ihn dabei erleben zu wollen. Dann konnte a) vielleicht einen Eindruck vermitteln.

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  3. Hallo Elsa,

    ich habe gar keinen Zweifel, dass Alexander Kissler über all' die guten Eigenschaften verfügt, von denen Sie berichten. Es steht zwar schon in meinem Posting, ich sage es aber gerne noch einmal: ich schätze seine publizistische Arbeit sehr!

    Seine Charakterisierung des "engagierten Laien" finde ich in ihrer Allgemeinheit aber trotzdem ungerecht. "Prüfet alles, das Gute behaltet" - ich bin mir sicher, dass dieses "Gute" auch unter den Menschen weit verbreitet ist, die sich in den Niederungen der ganz normalen Gemeindearbeit engagieren.

    Warum mich der Ausdruck "halbgebildet" im Zusammenhang mit Martin Mosebach ärgert, habe ich ja in einem weiteren Posting erläutert. Man tut der "guten Sache" (und Engagement für die "Alte Messe" ist aus meiner Sicht eine gute Sache) keinen Gefallen, wenn man theologisch nicht wirklich substantiell argumentiert. Und damit meine ich nicht irgendeine aktuelle theologische Mode, sondern die gute, alte neuscholastische Schultheologie.

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  4. Es geht doch nicht um persönliche Sympathiebekundungen, sondern darum, mit welcher Attitüde hier jemand auftritt. Um auf
    Mosebach zu kommen: Dieser pflegt die Attitüde des poeta doctus und verbirgt dahinter seine Unverschämtheiten. In einer schwierigen Phase der Kirche, in welcher Mosebach fern des rechten katholischen und apostolischen Glaubens stand, hatte Paul VI. das Schiff der Kirche zu leiten und Kurs zu halten, was ihm im großen Ganzen gelungen ist. Wer mal die progressistischen Liturgievorschläge dieser Zeit studiert hat, wird ihm dieses Urteil auch für die Liturgie zubilligen müssen.
    Statt dies anzuerkennen, nutzt der Obergescheite das ihm gewährte Forum für seinen Dauerangriff auf eines der Oberhäupter der katholischen Kirche. "Tyrann"! sagt der Mann, und hat die Liturgiereform schon genügend in die Nähe zur chinesischen Kulturrevolution gerückt, um beim Hörer/Leser die Diktatoren des 20. Jahrhunderts zu assoziieren. Doch halt! Sein Blick schweift in die Ferne. "Ihr Ungebildeten! Der ist natürlich nicht genau das Schwein, für das Ihr ihn jetzt haltet. Das Schwein ist antik." Dabei übersieht der Herr Dichter gerne, dass ein Tyrann im antiken Sinn natürlich alles Mögliche bedeuten kann und gar nicht auf den Traditionsbrecher festgelegt ist.

    Gegen Benedikts Usus-Regelung z.B. lässt sich mit Recht manches Bedenken vorbringen. Und manche theologische Ungereimtheit findet sich auch dort, ganz zu schweigen von gewissen Ungeschicklichkeiten in seiner Amtszeit als Pontifex. Aber da würde sich der mutige Dichter wohl nicht trauen, die Stimme zu erheben.
    Stattdessen verbreitet er weiter heiße Luft. Oder mit Matthias Claudius zu reden:
    "Im Hexameter zieht der ästhetische Dudelsack Luft ein,
    im Pentameter drauf lässt er sie wieder heraus."

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