Samstag, 22. Oktober 2011

WELTBILD - damals und heute

In der Blogoezese ist hinreichend auf den Skandal um den Vertrieb von pornographischen Medien durch den katholischen WELTBILD-Verlag hingewiesen worden (z.B. hier). Empörend ist nicht nur der Sachverhalt, sondern vor allem die Reaktion der Verantwortlichen. So lässt Erzbischof Marx folgendes verlautbaren:
«Wir wollen in unseren Verlagen weder Pornografie noch Gewaltverherrlichung», betonte Marx. «Wenn wir davon hören, gehen wir der Sache nach, und dann wird das unterbunden.»
Hierzu eine kleine Geschichte:

Im Spätsommer 2002 besuchte ich gemeinsam mit einigen Freunden Bischof X (wir berieten ihn damals in Fragen der Stammzellforschung). Wir legten ihm einige Bücher auf den Tisch, die wir kurz zuvor für diesen Zweck bei WELTBILD erworben hatten und fragten ihn, warum er an einem Unternehmen beteiligt sei, das solche Bücher vertreibe. Er war ziemlich entsetzt und versprach, sich der Sache anzunehmen. Einige Zeit später berichtete er uns von der vorausgehenden Herbst-Vollversammlung der Bischofskonferenz. Er habe unsere Bücher dort herumgereicht und gefragt, ob den Kollegen bekannt sei, dass diese zum Sortiment von WELTBILD gehörten. Man sei allgemein ein wenig überrascht, aber nicht besonders "tatendurstig" gewesen. Schließlich sei der Sekretär der Bischofskonferenz, Pater Langendörfer SJ, gebeten worden, sich der Sache anzunehmen und für Abhilfe zu sorgen, was dieser auch zugesichert habe. Insgesamt habe er aber nicht den Eindruck gehabt, als sei man an der Sache sonderlich interessiert. Persönlich habe er sich einmal mehr als Aussenseiter in dieser Runde empfunden.

Das ist nun 9 Jahre her und "unterbunden" wurde rein gar nichts.

Halt, doch, letztes Jahr wurde die Amtsausübung von Bischof X - unter tätiger Mitwirkung von Erzbischof Marx - dauerhaft "unterbunden" ...

Kommentare:

  1. LOL! Ich weiß, das ist eigentlich alles gar nicht zum Lachen, mein Humor ist manchmal grenzwertig usw... , aber irgendwie hast Du das so beschrieben, dass es ziemlich ironisch klang.

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  2. Naja,

    die Kritik an der Nachlässigkeit der Bischöfe und ihrer Beauftragten ist berechtigt - auch wenn es sich dabei eigentlich um ein minderinteressantes Thema und eher um einen Pseudo-Skandal handelt. Aber man sollte im Handeln schon den selbst gesteckten Ansprüchen entsprechen.

    Aber der Rücktritt von Bischof X war damals ebenfalls völlig gerechtfertigt, Kritik an Kardinal Marx in der Sache nicht. (Und warum wird eigentlich er hier als Poster-Boy für die DBK verwendet. Wie stand denn ein Kard. Meissner dazu?)

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  3. @Elsa: Bei so manchem was man in unserer Kirche bobachten muss, ist man ja hin und her gerissen, ob man einen Schreikampf bekommen soll oder eben ins satirisch-sarkastische Fach wechselt. Für viele Beiträge auf Deinem Blog gilt das ja genauso.

    Humor kann für meinen Geschmack (fast) gar nicht grenzwertig genug sein ;-)

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  4. @Resident

    ich fürchte, Sie haben die Logik meines Beitrags nicht ganz verstanden. Es geht eben nicht um Nachlässigkeit. Man ist immer wieder auf diesen Skandal hingewiesen worden und hat sich (zumindest in der Leitung der DBK) sehr bewusst dafür entschieden, nichts zu tun.

    Was Bischof X angeht: Es gibt gute Gründe für die Annahme, dass sein Rücktritt ein sachlich angemessener Schritt war. Dass man jahrelang weggeschaut hat, um dann nach seinem Rücktritt Informationen an die Presse zu lancieren, Bischof X habe ja schon seit Jahren ein Alkohol-Problem gehabt, das auch bei Sitzungen der DBK offensichtlich gewesen sei, ist nicht entschuldbar.

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